Erziehung: Ich hab's versaut

Sonntag, 28. Dezember 2014

Hab ich's versaut? Diese Sache mit der Erziehung? Kann es sein, dass meine Tochter gerade mal 12 Monate alt ist und ich bereits den Grundstein für eine Schreckensherrschaft gelegt habe? Dreiviertel des Tages ist Piepsi tatsächlich das niedlichste Baby der Welt, das schäkert, durch die Wohnung watschelt, seine Spielsachen überall verteilt und grinsend in die Hände klatscht. Aber den Rest des Tages... Gewickelt werden? Tobsuchtsanfall. Teller leer? Tobsuchtsanfall. Jacke anziehen? Tobsuchtsanfall. Nicht an der Steckdose rumfummeln dürfen? Tobsuchtsanfall. Nicht mit dem Trommelklöppel auf der Stereoanlage herumklöppeln dürfen? Ja, genau.
Kleiner Einschub: Eine meiner besten Freundinnen hat Piepsi doch tatsächlich zum Geburtstag eine Trommel geschenkt. Ich habe kurz darüber nachgedacht, die Freundschaft spontan aufzukündigen, aber meine Freundin hat sich nur totgelacht, als ich mit den Worten: "Du bist soooo gemein", das Geschenk öffnete. Aber zurück zum Thema: meine trotzige Tochter, die doch erst in einem Jahr richtig trotzen sollte? Also habe ich schnell meinen Freund Google befragt: "Ist es normal, dass....?" Die Antwort: Ja, ist es. Aber weiß Google auch, WIE KRASS diese Tobsuchtsanfälle sind? Und wenn diese jetzigen Wutanfälle normal sein sollen - wie sieht dann bitte die Trotzphase aus? Schnell mal gegoogelt. Ich habe gelesen von Kindern, die ihren Kopf aus Wut auf den Boden donnern (kenn ich schon...). Von Kindern, die ihre Eltern treten und beißen (beißen wurde beim Fingernägelschneiden bereits versucht...). Die vor lauter überbordender Gefühle in die Hose machen und sich auf jede erdenkliche Weise selbst verletzen.
Ich habe Angst.
Ich lese auch immer wieder vom "Grenzen Setzen". Versuche ich ja. Backofen, Steckdose, Stereoanlagengeklöppel - das ist natürlich alles "NEIN!". Aber dafür grinst mich die Maus nur fröhlich an und fummelt oder klöppelt weiter. Bis ich sie mir dann schnappe und sie wegsetze oder umhertrage. So dass ich mich inzwischen frage, ob ich sie vielleicht dazu erzogen habe, an den Backofen zu packen, wenn sie auf den Arm will. Dabei nehme ich sie doch eh schon ständig auf den Arm... Wie gesagt: Ich hab's wohl versaut.
Zugleich lese ich, dass das alles sogar so sein muss, dass diese Gefühle raus müssen, und dass alles besser wird, wenn die Kinder sich erst einmal verbal ausdrücken können. Hm. Das muss ich dann wohl aussitzen. Oder meine Tochter dazu animieren, doch ganz schnell sprechen zu lernen. Piepsi, sag doch mal: "Mama, Papa, Ball..."

Bernd aus der Muckibude

Sonntag, 21. Dezember 2014

"Mutter Rabe, es tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass Sie keinen einzigen Muskel mehr besitzen."
"Och, ehrlich? Nicht mal so einen ganz kleinen?"
"Nein, tut mir leid. Nicht einen einzigen."
So in etwa verlief mein Gespräch beim Orthopäden, den ich kürzlich wegen "Rücken" aufsuchte. Also beschloss ich, etwas Unglaubliches zu tun und bin an einem Morgen, während Piepsi in der Krippe war, ins Fitnessstudio gegangen. Ich bin dort schon seit Längerem Mitglied, allerdings kennt man mich dort nicht. Und um 10 Uhr an einem Mittwochmorgen treiben sich dort auch nur ein paar Hausfrauen, Studenten und diese erschreckend fitten Rentner herum. Und ein paar wenige, die in Schicht arbeiten und sich vor dem Gang in die Firma noch mal richtig auspowern wollen. Während ich absurde Fliegengewichte stemmte, haben sich genau diese Schichtler über Bernd unterhalten. Denn Bernd ist sonst auch immer vormittags mit von der Partie, wie ich dem Gespräch entnommen habe. Aber jetzt drückt sich der Bernd. "Macht erstmal schööööön Elternzeit, und seine Frau auch", hat ein Mann mit grauen Schläfen und Muskelshirt zu einem Kahlrasierten gesagt. Schöööön Elternzeit, die faule Socke. Da hab ich doch glatt nochmal ein halbes Kilo auf die Maschine gepackt. Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Bekannten, der aus der Elternzeit zurück ins Büro kam und den legendären Satz sagte: "Endlich wieder Büro!" Jawohl. Büro ist zwar oft anstrengend, manchmal auch nervig, aber immerhin gibt es Kaffee, den man heiß und ohne Eile trinken darf, zudem kann man hier ungestört aufs Klo gehen. Herz, was begehrst du mehr?
Im Ernst: Elternzeit ist keine Urlaubszeit. Okay, es gibt diese Schlafbabys, die nach fünf Minuten Knisterbuchgeknister unterm Spielebogen einschlafen, während Mutti die komplette Ausgabe der Zeit durchliest. Wurde mir gesagt. Die meisten Muttis, die ich kenne, haben sich jedoch wieder auf ihre Arbeit gefreut. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Besagter Klogang, besagter Kaffee. Der Luxus, mal acht Stunden am Stück ein Oberteil tragen zu dürfen, ohne dass es vollgekotzt wird. Sich mal wieder richtig geistig betätigen, jenseits von "Wie macht die Kuh?". Weil es gut ist fürs Ego und  auch einfach notwendig, wieder selbst Geld zu verdienen. Weil man mal wieder über andere Dinge redet als übers Durchschlafen und Kinderkacke. Sicher: Die Elternzeit war eine tolle Zeit. Eine erfahrungsreiche, eine absolut einzigartige. Es war auch schön, einmal aus dem Büro herauszukommen und sich ganz auf sein Kind konzentrieren zu können. Ich bin froh, dass ich ein Jahr Elternzeit nehmen konnte. In meiner Krippe musste eine Mutter ihr Kind schweren Herzens schon nach acht Wochen in die Fremdbetreuung geben, da sie alleinerziehend ist und einfach mehr Kohle rankarren muss. Elternzeit ist Luxus, aber eins ist sie ganz sicher nicht: ein Wellnessurlaub. Und ich bin mir sicher, dass es auch in Bernds Elternzeit den einen oder anderen Moment gegeben hat, in dem er lieber im Fitnessstudio gewesen wäre, als Babybrei vom Boden aufzuwischen und den Windeleimer zu leeren. Zunindest nehme ich das an. Aber was weiß ich schon. Ich Fliegengewicht.

Ein Jahr Piepsi! Das Ende der Babyzeit - eine kleine Bilanz

Mittwoch, 17. Dezember 2014



Es ist soweit: Meine Tochter wird ein Jahr alt. Damit endet ganz offiziell die Babyzeit und es beginnt das Kleinkindzeitalter. Mit dem Trotz und der Entdeckung des eigenen Willens macht sich Piepsi jetzt schon mal vertraut... Mit der Babyzeit endet auch meine Elternzeit, nach ein paar Resturlaubstagen starte ich im Januar wieder mit meiner Arbeit.
Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückschaue, habe ich gemischte Gefühle. Ich werde etwas traurig, wenn ich an die ersten harten Tage und Wochen mit Piepsi denke und daran, wie anders ich mir doch den Start ins Familienleben vorgestellt hatte. Und dann sehe ich meinen Zwerg, der hier durch die Wohnung tapst, die Strumpfhose im Klo versenkt, die Wäscheklammern in die Waschmaschine stopft und die Klopapierrolle einmal komplett entwickelt, und denke mir: Jungejunge, wir haben es schon weit gebracht. Ein paar Dinge werde ich vermissen. Und bei anderen bin ich froh, dass sie vorbei sind.
Was ich vermissen werde:
  • Ich bin noch nie so viel spazieren gegangen wie im vergangenen Jahr. Es gibt nichts Schöneres, als das eigene friedlich schlummernde Baby vor sich herzuschieben. Ich muss mit einem ziemlich dusselig-entrückten Gesichtsausdruck die Kleine durchs Viertel geschoben haben. Auch heute gehe ich noch gerne mit meiner Tochter spazieren. Nur Schlafen ist dann nicht mehr unbedingt angesagt. Dafür meckert sie gerne mal. Weil sie Bewegungsdrang hat, weil sie es langweilig findet, weil... ach keine Ahnung, warum. Ist ja nicht so, als ob ich meine Tochter verstehen würde.
  • Mit Piepsi in den Tag hineinzuleben. Künftig muss alles genau geplant und getimt werden. Arbeit, Krippe, Arzttermine - alle Zahnrädchen müssen ineinandergreifen, damit unser Familienleben funktioniert. Bislang war es so, dass ich meine Tochter einfach schlafen gelegt habe, wenn sie müde war. Wenn es ihr nicht gut ging, habe ich kurz in der Krippe angerufen und bin mit ihr zum Arzt gegangen. Und wenn wir zu Hause waren, haben wir miteinander gespielt. Ich konnte mich einfach komplett nach ihr richten. Das wird künftig nicht mehr möglich sein. Es wird für mich schwer werden, mich morgens aus der Wohnung zu schleichen und ihr keinen Guten-Morgen-Kuss geben zu können. Aber auch daran werde ich mich gewöhnen müssen.
  • Die Muttis! Ja, aus unserer verrückten Rückbildungsgruppe hat sich tatsächlich ein Krabbelgrüppchen herauskristallisiert, das sich einmal im Monat zur Frustbewältigung trifft. Die einen sind schon wieder schwanger (Hilfe!), die anderen haben noch länger Elternzeit. Wir sind nur zwei Muttis, die nach einem Jahr wieder ins Berufsleben einsteigen - und zu den monatlichen Vormittagstreffen wohl künftig nicht mehr kommen werden. Dafür dann halt mal abends. Mit Bier und ohne Kind.
Was ich NICHT vermissen werde:
  • Natürlich das Geschrei der ersten Wochen. Wenn ich daran zurückdenke, wird mir immer noch ganz anders. Und jetzt habe ich so eine Grinsebacke zu Hause, unglaublich. Wobei - Piepsi kann auch anders. Wenn sensibel auf temperamentvoll trifft, geht es nunmal hoch her. Wir sprechen uns in der Trotzphase....
  • Das Stillen. Ja, ich weiß, es ist wichtig, und ich habe es auch sechs Monate lang durchgezogen. Ich kann auch nicht meckern - Stillen hat von Anfang an gut funktioniert und war vor allem nachts praktisch. Allerdings hatte Piepsi auch alle zwei Stunden Durst, wodurch ich immer nur sehr kleine Zeitfenster für Besorgungen und Verabredungen hatte, zum anderen konnte ich mich einfach nie so recht an das Stillen in der Öffentlichkeit gewöhnen. Und schließlich hat es mich körperlich etwas fertig gemacht, Piepsi hat mich förmlich ausgesaugt. Aber gut - wir haben es ganz nach Lehrplan durchgezogen und sind dann auf Beikost umgestiegen. Die freudig löffelnd angenommen wurde. Jetzt bin ich froh, mich nicht mehr regelmäßig in Cafés entblößen zu müssen und wieder normale Shirts und BHs tragen zu können.
  • Den ganzen Tag Bababubu. Ja, ich weiß: Ich habe gerade erst geschrieben, wie schön es ist, so flexibel mit Piepsi zu sein und so viel Zeit zu haben. Aber gleichzeitig freu ich mich auch darauf, wieder mehr unter Erwachsene zu kommen und wieder ins Büro zu gehen und mich über anderes als Kinderkacke zu unterhalten.
Tja, und nun? War das ein besonders schönes oder ein besonders schlimmes Jahr? Irgendwie... beides! Es war auf jeden Fall ein besonders lebendiges Jahr. Früher war das doch schon mal so. Da meinte man, irre viel irre intensiv erlebt zu haben. Und stellte im Nachhinein fest: Mensch, das war ja nur ein Sommer! Aber irgendwann ging es dann los mit dem Berufsleben und rein in die Mühle. Und dann waren da der graue Jahresbeginn, Fasching, Ostern, Sommerreifen, Schimpfen auf die Hitze, das überfüllte Freibad, Schimpfen auf Schokonikoläuse im September, Winterreifen, grauer November, Weihnachten und "Was machst du an Silvester?". Und schwuppdiwupp vergehen die Jahre, eins wie das andere. Aber an das vergangene Jahr werde ich mich immer erinnern. An jeden verdammten Monat. Herzlichen Glückwunsch, meine Kleine! Ich bin froh, dass es dich gibt!

Was ich vor der Geburt gerne gewusst hätte

Montag, 15. Dezember 2014

Hat im Kreißsaal nichts zu suchen: Teddy Claus-Dieter.
In den vergangenen Monaten hatten einige Freunde Redebedarf. Redebedarf, "Ich muss dir was sagen" sowie "Also, die Sache ist so..." bedeutete eigentlich immer eins: schwanger! Und da ich irgendwie als eine der Ersten im Freundeskreis geworfen habe, werde ich Amateurmutti plötzlich als Profimutti abgestempelt und um Rat gefragt. Haha! Als ob ich 'ne Ahnung hätte, wie dieses Babyding geht! Aber tatsächlich ist es so: Es gibt da ein paar Dinge, die mir vor der Geburt unserer Tochter nicht klar waren. Ich habe zwar ziemlich viel gegoogelt und gelesen in der Schwangerschaft, aber dabei ging es im Grunde vor allem um eins: um den B-Day. Den Birthday. Die Geburt, vor der ich ziemlichen Respekt hatte. Ach was, Respekt! Ich hatte Schiss! Und habe daher ziemlich viele Geburtsberichte und Artikel über mögliche Komplikationen gelesen. Baby bleibt stecken, unzureichende Sauerstoffsättigung, Unterzuckerung, usw. Mein Mann war zwar der Ansicht, dass es wenig förderlich sei, dass ich mich auf Seiten à la "Die 10 schlimmsten Geburten aller Zeiten" tummle, zumal im Internet doch eh hauptsächlich Leute schreiben, bei denen die Geburt vielleicht nicht so klasse lief, aber das konnte mich nicht davon abhalten. Und irgendwann während der Schwangerschaft kam dann tatsächlich auch der Punkt, an dem ich Paniktante von Hysterie auf arschcool umschaltete. Ich war entspannt. Und die Geburt? Am Ende gar nicht so schlimm. Nur auf das, was danach kam, war ich kaum vorbereitet. Irgendwie dachte ich, dass wenn das Baby erst einmal da ist, die Sache schon laufen würde. Aber ein paar Dinge hätte ich für die ersten Babytage doch ganz gerne gewusst. Und vielleicht hätte ich sie auch wissen können, wenn ich im Geburtsvorbereitungskurs nicht so viel gequatscht oder so viel Zeit auf dem Klo verbracht hätte. Man verbringt ja gefühlt die halbe Schwangerschaft auf dem Klo. Also Folgendes:
  • Wenn ein Baby auf die Welt kommt, kann es NICHTS. Gar nichts. Es sieht so gut wie nichts und es weiß mit seinen Fingern nichts anzufangen. Die kleine Plüschteddyrassel, die ich meinem frisch geborenen Baby feierlich als allererstes Spielzeug überreichen wollte, hätte ich also getrost zu Hause lassen können...
  • Nein, euer Baby hat keine Krämpfe oder epileptische Anfälle, das ist nur der Moro-Reflex. Davon hatte ich zwar in der Schwangerschaft mal gelesen, aber ich wusste nicht genau, wie ich mir das vorstellen sollte. Dabei kann man es sich im Internet ansehen. Das Baby zuckt ruckartig zusammen, wirft Arme und Beine kurz in die Luft, als würde es erschrecken. So ein bisschen wie dieses Gefühl, das man manchmal beim Einschlafen hat. Dieses "Ins-Leere-Treten". Ist komplett harmlos und vergeht nach etwa drei Monaten auch wieder. 
  • Euer Baby hat keinen an der Waffel - es hat einfach noch keine Kontrolle über die Pupillen. Wenn ein Neugeborenes schielt oder mal eben die Pupillen seltsam zur Seite rollen, dann ist auch das - völlig normal.
  • Neugeborene sind oft nicht hübsch. Okay, das wusste ich vorher, und Piepsi war wirklich von Anfang an sehr niedlich, wurde aber mit zunehmendem Alter noch niedlicher. Aber auch meine Tochter kam leicht bläulich und noch leicht zerknittert zur Welt und war dann ein, zwei Tage lang etwas gelblich. Neugeborenengelbsucht ist nicht selten und meistens kein Grund zur Panik, siehe hier. Und auch eine etwas eingedrückte Boxernase und die runzligen Händchen werden ganz bald schön propper und wohlgeformt. 
  • Babys machen nachts abartige Geräusche. Nicht nur das berühmte "Karcheln", sondern auch seltsame Zwitscher- und Krählaute. Manchmal klang es, als hätten wir einen halben Zoo in unserem Schlafzimmer, dann wieder wie eine Mischung aus Darth Vader und R2D2. Zudem schlief Piepsi manchmal mit offenen Augen. Auch irgendwie erschreckend. Und auch irgendwie normal.
Und schließlich noch der Abschlusstipp für alle Anfänger-Muttis: Für mich war das Wichtigste in den ersten völlig verrückten und anstrengenden Tagen nach der Geburt eine gute Hebamme! Was hätte ich nur ohne sie gemacht? Mit Schwangerschaft und Geburt verliert Frau ja auch erst einmal etwas Menschenwürde (allerdings auch die meisten Hemmungen...), insofern finde ich es wichtig, eine Hebamme zu haben, der man wirklich vertraut und vor der einem nichts peinlich ist. Meine Hebamme kann sich in diesem Jahr jedenfalls auf etwas gefasst machen. Nämlich auf ein ziemlich dickes Weihnachtsgeschenk. 

Hilfe! Ich mutiere zur Contest-Mutti!

Freitag, 12. Dezember 2014

Damals, als ich noch kein Kind hatte, habe ich einmal gesagt, dass ich Muttis ziemlich ätzend finde - eine Aussage, die mir heute öfters mal vorgehalten wird. Dabei habe ich damals eine ganz besondere Spezies Muttis gemeint, die mich nach wie vor nervt: die Contest-Muttis. Die "Mein-Kind-kann-schon"-Muttis. Das Problem ist nur: Ich habe gerade die Sorge, selbst so eine Mutti zu werden. Dabei will ich das doch gar nicht! Aber letztens traf ich eine Mutti aus dem Rückbildungskurs: "Na, was treibst du so?", fragte sie mich. Und ich so: "Komme gerade vom Schuhekaufen. Piepsi läuft seit zwei Wochen, verdammt, was sind die Dinger teuer. Und halten tun sie gerade mal ein paar Wochen, wurde mir gesagt." Und dann die andere Mutti: "Oh. Naja. So weit ist es bei uns wohl noch lange nicht." Bämm, da war es! Ich, die Contest-Mutti! Mein Kind läuft schon. Und weil mir das in diesem Moment auch bewusst ist, relativiere ich sofort alles. "Jaaa, dafür sind die Nächte aber immer noch echt nervig, an ein Durchschlafen nicht zu denken." Oder: "Aber hey, Kinderwagenfahren geht dafür gar nicht mehr, sie kann einfach nicht still sitzen." Oder aber, wenn mich die Mutti noch nicht kennt und nur mein grinsend vor sich hinwatschelndes Kind sieht: "Aber hey, sie war die ersten Wochen ein richtig hartes Schreibaby." Sprich: Ich sage einfach irgendwas, um nicht in den Verdacht zu geraten, mein Kind für das geilste Kind im Universum zu halten. Dabei ist es natürlich das geilste Kind im Universum. Ist ja schließlich meins. Und niedlich ist es auch noch! Aber ihr wisst, was ich meine. Ich denke nicht, dass ich Piepsi verkläre. Ich liebe sie aber einfach, also finde ich sie natürlich großartig. Aber angeben will ich nicht mit meinem Baby. Aber mein eigenes Kind schlecht machen, will ich eigentlich auch nicht. Puh, gar nicht so leicht. Der Trost: Bald ist die Zeit dieser großen Meilensteine erst einmal vorbei. Dann werden nicht mehr Zähne gezählt, dann geht es nicht mehr darum, ob das Kind schon krabbeln oder laufen kann und ob es schon "Mama" und "Papa" sagt. Bald sind Piepsi und ihre Altersgenossen so alt, dass sie das alles drauf haben. Und dann können wir uns endlich wieder auf das konzentieren, worum es wirklich geht: auf Duplo!

Ich beneide mein Baby

Sonntag, 7. Dezember 2014

Seit ich ein Baby habe, passiert es mir immer wieder, dass ich mein eigenes Kind um sein Leben beneide. Immer wieder denke ich: "Mann, hat die's gut." Wenn wir spazieren gehen, die Kleine warm eingemümmelt im Kinderwagen liegt, durch den Wald geschoben wird, bis irgendwann die Augen zufallen, denke ich: "Wie gemütlich." Wie herrlich, eine Existenz, die sich ums Schlafen, Essen und Spielen dreht! Wie gerne würde ich mich in meine eigene Babyzeit zurückbeamen, um das noch einmal erleben zu dürfen. Nur leiderleider scheint ein Baby diese Zeit ganz anders zu empfinden. Für Piepsi muss sich das etwa so anfühlen:
"Waaaaaaaaaaaaas soll ich? Schlafen? Ich glaube, bei euch piept's! Ich muss doch laufenlaufenlaufen lernen! Besser werden und schneller! Und hüpfen kann ich auch noch nicht! Und sprechen auch nicht! Ist mir egal, dass es zwei Uhr nachts ist, ich muss sprechen lernen. Also los: dadadadadada! Und in den Kinderwagen soll ich? Laaaaaaangweilig! Den Wald kenn ich doch schon! Und ich muss doch laufenlaufenlaufen lernen! Und hab ich das mit dem Sprechen schon erwähnt? Dadadadadada!"
Was für ein Jammer. Hat das beste aller Leben und weiß es nicht einmal. Aber wer weiß? Vielleicht schaffe ich es ja tatsächlich, so etwas wie alt zu werden. Dann werde ich an diese Zeit hier zurückdenken und mir ebenfalls sagen: Mensch, was hattest du es doch gut. Also: genießen! Das Hier und Jetzt. Auch wenn Baby nachts um zwei eine Party schmeißt. Dadadadadada!

Mein Baby läuft - und was macht Frau Merkel?

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Piepsi ist 11 Monate alt. Und Piepsi läuft. Gut, bei Heidi Klum würde sie für ihr Gestakse wohl kein Foto bekommen, und auch am Moon Walk müssen wir noch arbeiten, aber sie bewegt sich vorwärts, und das ganz ohne Hilfe. Und alle so: "Oh wow, Piepsi läuft, und das so früh, der helle Wahnsinn!" Und ich so: "Ja."
Natürlich freue ich mich, dass bei meiner Kleinen motorisch alles rund läuft, aber irgendwie dachte ich, ich würde bei diesem "Meilenstein", wie es immer in den Ratgebern heißt, komplett ausflippen. Tu ich aber nicht. Vielleicht bin ich einfach zu müde dafür, vielleicht kam es auch einfach nicht sooo überraschend, da sie schon seit ein paar Wochen an Möbeln entlang läuft, vielleicht wird die Freude auch etwas getrübt von den fetten Beulen, die dieser "Meilenstein" in den vergangenen Tagen mit sich gebracht hat, zumal ich so langsam einsehe, dass unsere Wohnung zu den gefährlichsten Orten der Welt gehört.
Natürlich erzähle ich allen meinen Freunden, dass meine Lütte jetzt laufen kann, aber im Grunde ist es Blödsinn, das so groß zu feiern. Genauso wie es Blödsinn ist, Babys zu bedauern, die erst mit 18 Monaten laufen lernen. Ich meine: Wann genau hat Angela Merkel noch einmal das Laufen gelernt? Wann war es bei Albert Einstein endlich so weit? Wann bei Alexander Gerst? Letzterer hat es doch immerhin ins Weltall geschafft, da muss der doch sicher schon mit 9 Monaten auf eigenen Füßen unterwegs gewesen sein, nicht? Wie jetzt, wissense nicht? Könnte womöglich daran liegen, dass es eigentlich gar nicht so wichtig ist, oder? Nicht wirklich wichtig. Aber wirklich schön. Daher: Piepsi, ich freu mich für dich, dass du neugieriges verrücktes Wesen diese Welt jetzt noch besser und schneller entdecken kannst, als du es ohnehin schon tust. Dass es dir egal ist, wie oft du auf deinen Windelhintern fällst, und du emsig weiterwatschelst. Und dass du endlich einen neuen Weg gefunden hast, mich in den Wahnsinn zu treiben.

Schlimmer als Mobbing

Sonntag, 30. November 2014

Wer Mutti ist, hat Angst. Es gibt so diese konkreten "Oje, das ist aber ganz schön hoch"-Ängste. Die Notaufnahmen-Ängste. Die Vors-Auto-Laufen-Ängste. Ängste, mit denen man womöglich einmal konfrontiert wird und dann aber auch etwas tun kann. Zum Arzt gehen, das Kind trösten, das Kind vor dem Straßenverkehr warnen usw. Und dann gibt es diese anderen Ängste. Zum Beispiel die Angst davor, dass das eigene Kind einmal ausgegrenzt und gemobbt werden könnte. Dass man dann als Amateur-Mutti hilflos daneben steht und sich fragt, ob ein Eingreifen die Sache nur verschlimmern würde und was zur Hölle man denn tun soll, wenn das eigene Kind leidet und es einem selbst das Herz zerreißt. Nun, das sind für mich diffuse Zukunftsängste. Denn Piepsi ist noch nicht einmal ein Jahr alt und in ihrer Krippengruppe momentan eher so etwas wie der Star. Sie ist eben die Kleinste, das Baby, und die anderen Kinder, auch die zweijährigen Jungs, sind unheimlich lieb zu ihr. Ist wohl einfach so: Kleine Kinder finden noch kleinere Kinder ganz toll. Wenn ich mit meiner Tochter zur Krippe gehe, erwarten mich die anderen Kinder bereits an der Tür: "Piepsi ist da, oh guckt mal, die Mama von Piepsi." Und dann kriegt sie Küsschen und Umarmungen, grinst alle an und genießt ihren Babywelpenschutz. Es gibt nicht Schöneres für eine unsichere Anfänger-Mutti, als zu sehen, wie gut das eigene Kind aufgehoben ist. Dabei habe ich meine Tochter nicht in eine Muster-Streber-Krippe geschickt, sondern in eine ganz normale Gruppe: acht Kinder, vier Nationalitäten, sämtliche sozialen Schichten, wenn man das mal so platt sagen darf, vertreten. Und es läuft wunderbar. Nur: Piepsi wird nicht immer die Kleinste bleiben. Und Kinder können ab einem bestimmten Alter einfach fies werden. Doch wenn ich so darüber nachdenke und mein Töchterchen so beim munteren Spiel beobachte, kommt mir plötzlich ein anderer Gedanke: Es gibt nämlich eine Sache, die für mich noch schlimmer wäre, als wenn mein Kind gemobbt würde. Wenn es nämlich Piepsi selbst wäre, die andere Kinder piesackt. Dann hätte ich erziehungstechnisch wohl komplett versagt. Und es ist doch so: Ich kenne ziemlich viele Leute, die in ihrer Schulzeit einmal fertig gemacht wurden. Weil sie anders aussahen, weil sie sich andere Gedanken gemacht haben, weil sie vielleicht etwas lauter oder etwas leiser oder etwas dicker oder etwas dünner oder einfach nur etwas klüger waren. Weil sie sich irgendwie von der Masse abgehoben haben. Dabei finde ich es total großartig, sich von der Masse abzuheben, und so sind aus diesen Ex-Mobbingopfern meist ganz großartige Persönlichkeiten geworden. Die Mobber sind jedoch meist geblieben, was sie waren: Arschlöcher. Ich liege wahrscheinlich ziemlich oft daneben, dennoch frage ich mich manchmal bei den Menschen in meinem Umfeld, wie sie wohl einmal auf dem Pausenhof gewesen sind. Und dann sehe ich sie vor mir: den klassischen Mitläufer, den Großspurigen, die Lästerschwester. Beim Gedanken, dass meine Tochter auch so werden könnte, schüttelt es mich. Ich hoffe einfach, dass Piepsi später einmal genauso viel Glück mit ihrer Schulklasse haben wird wie mit ihrer Krippengruppe. Nur die Küsschen - die sollten sich dann die älteren Jungs doch bitte sparen.

Wir sind krank - und was das Marsupilami damit zu tun hat

Dienstag, 25. November 2014



Was mich bei Paaren schon nervt, wird in der Mutti-Kind-Konstellation nicht besser: das Wir. "Wir sind heute etwas meckerig", "Wir essen jetzt Brei", "Wir sagen schon Zwei-Wort-Sätze." Mich schüttelt's! Bei uns zu Hause gibt es nur ein Wir: "Wir sind krank." Denn so isses auch. Piepsi ist krank. Und ich auch. Keine Ahnung, was die da für Killer-Viren in der Krippe züchten, aber seit sie dort hingeht, ist der Taschentuchkonsum in unserem Haushalt bedenklich gestiegen, bald muss ich wohl die Hausgemeinschaft bitten, eine Extra-Taschentuch-Tonne neben der Bio-Papier-Sonstiges-Tonne aufzustellen. 
Abgesehen von einem nach zwei Tagen ausgestandenen Magen-Darm-Infekt, kann ich mich nicht entsinnen, während meines Studiums jemals krank gewesen zu sein. Und abgesehen von "Rücken", bin ich auch im Berufsleben von Schnief und Schnotz eher verschont geblieben. Doch jetzt, jetzt sehe ich meinen Hausarzt öfters. Und er so zu mir: "Oh, Mutter Rabe, Ihre Tochter besucht jetzt eine Krippe? Sie wissen schon, dass es da so einen Geheimpakt zwischen Hausärzten und Kitas gibt, ja?" Und dann lachte er so ein Wahnsinnigen-Lachen, das man von Spielfilm-Bösewichten kennt, so ein MUAHAHAHA! Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, verschrieb er mir Antibiotika und Bettruhe. Bettruhe. Einer Mutti? Sehr witzig! 
Nee, krank sein mit Baby ist doof. Krank sein generell ist doof. Nur als Kind - da fand ich es toll. Es gab Salzstangen, Cola und vor allem: Comics! Lucky Luke, Asterix, später dann Isnogud, Clever und Smart und natürlich das unübertroffene Marsupilami. Wenn ich nicht am Ende alle Mathe-Aufgaben hätte nachholen müssen - es wäre das Paradies gewesen! Ich freue mich darauf, wenn Piepsi einmal in das Alter kommt. Dann lege ich mich auch gerne mal mit dazu und lach mich mit ihr über Rantanplan kaputt. Notfalls trinke ich sogar Kamillentee. Ja, so weit geht die Mutterliebe.

Der perfekte Tag - mit und ohne Baby

Freitag, 21. November 2014

Wenn man mir mit irgendetwas KEINE Freude machen will, dann mit Postkarten mit Sprüchen, Kalendern mit Lebensweisheiten oder schlicht dem kleinen Prinzen. So sehr ich Robin Williams auch mochte, so sehr ich den "Club der toten Dichter" liebte (damals, als ich das richtige Alter hatte) - so sehr hasse ich dieses ganze Carpe-Diem-Gerede. Nutze den Tag! Ja, wo kämen wir denn da hin? Würde ich jeden Tag so leben, als wäre es mein letzter, dann würde ich sicher nicht mehr zur Arbeit gehen. Ich würde auch nicht fürs Alter vorsorgen. Ich würde wieder anfangen zu rauchen. Ich würde viel mehr trinken und viel mehr essen. Ich würde durch die Welt reisen ohne Rücksicht auf Verluste. Und Piepsi? Hätte ein Piepsi Platz in einer Welt, die ich komplett auskosten soll, deren Schönheit ich jeden Tag sehen und erleben soll? Den gestrigen Tag hätte ich dann zum Beispiel völlig versemmelt. Ich erspare mal den Tag und beginne den Abend bei meinem völlig verschnupften Baby, das meckernd und röchelnd im Bett lag, schließlich und endlich nach langem Händchenhalten einschlief, dann hustend wach wurde, so sehr hustete, dass es sich selbst vollkotzte, den Schlafsack vollkotzte, das Bett vollkotzte, mich vollkotzte. Bett frisch bezogen, Schlafsack in die Waschmaschine, Piepsi einen neuen Schlafanzug angezogen, Piepsi bekuschelt und durch die Wohnung getragen, Mond angeschaut, Neustart für den Nachtschlaf. Alle halbe bis ganze Stunde dann wieder Gehuste, ich auf einer Matratze neben dem Babybettchen, Händchen haltend, Wache haltend. Carpe Diem für den Arsch. Pizza und Gin Tonic, danach Clubleben auf einer Mittelmeerinsel mit meinen besten Freundinnen - das wäre einem perfekten Abend sicher näher gekommen. Nein, gestern war ein blöder Tag und einfach nicht zu retten. Und heute? Heute ist Piepsi immer noch erkältet. Aber vorhin. Vorhin, da hat sie sich meine Hand geschnappt und ist mit mir durch die Wohnung getapst. Ein verdammt schöner Moment. Mein Baby lernt nämlich gerade laufen. Das wird sie heute sicher noch nicht können. Und morgen sicher auch nicht. Aber irgendwann. Irgendwann wird sicher auch diese Erkältung vorüber sein. Also vergesse ich den Tag, zeige den Kalendersprüchen den Mittelfinger und lasse ihn ungenutzt. Schön ist dieser ganze Wahnsinn trotzdem, sogar ohne Gin Tonic. Aber das zu erklären, ist eben etwas kompliziert und schwierig und ich befürchte, ja tatsächlich, ich weiß es: Das Leben in all seiner Verrücktheit zu erklären. Das passt wohl kaum auf ein Kalenderblatt.

Die Einhand--Mutti

Sonntag, 16. November 2014

Seit ich ein Baby habe, weiß ich, dass der Mensch über ganz erstaunliche Fähigkeiten verfügt. Abgesehen davon, dass es vollkommen reicht, drei Stunden pro Nacht zu schlafen und nur einmal am Tag zu essen, beeindruckt es mich insbesondere, was man so alles einhändig machen kann. Ich glaube, ich habe die Kunst der Einhändigkeit mittlerweile fast perfektioniert. Anfangs, in den ersten Wochen nach der Geburt, musste mein Mann mir noch mein Essen klein schneiden, da ich nur mit einer Hand die Gabel und mit der anderen das zu stillende Baby halten konnte. Lächerlich! Mittlerweile kann ich einhändig ein Drei-Gänge-Menü zubereiten und verzehren. Auch Autofahren klappt ganz wunderbar mit nur einer Hand, die vom Lenkrad zum Schaltknüppel wechselt, während die andere Hand ein Babypatschehändchen hält oder nach einem Schnulli oder Hirsekringel sucht. Beim Bäcker hält mein einer Arm das Baby, der andere deutet auf Brötchen, nimmt die Tüte entgegen, sucht das passende Kleingeld aus der Börse zusammen, zahlt und winkt zum Abschied. Und dass ich hier am Rechner häufig mit nur einer Hand tippe, versteht sich von selbst. Mittlerweile verfüge ich wieder häufiger über dieses Ding called "meine rechte Hand". Ich esse zum Beispiel wieder beidhändig, seit Piepsi sich selbst Brotkrümelchen vom Teller pickt. Fast ist es ein bisschen schade, dass meine neuen Fähigkeiten nun schon bald wieder verkümmern könnten. Dabei gibt es doch noch so ein paar Einhands-Herausforderungen, denen ich mich gerne einmal stellen würde. Einhändig Schuhe binden. Einhändig Zöpfe flechten. Oder einhändig Fahrrad fahren. Wobei Letzteres, da bin ich mir sicher, wird mir wohl niemals gelingen.

Ich bin verflucht

Dienstag, 11. November 2014

Muttis, sperrt eure Kinder ein. Ich bin kein guter Umgang für sie. Denn ich fluche. Und ich hab das absolut nicht unter Kontrolle, bin nur einen Schritt vom Tourette-Syndrom entfernt. Aber verf*** nochmal, ich fluche auch gerne. Habe ich schon erwähnt, dass meine Eltern beide Lehrer sind, ich Geige gespielt habe, eine gute Schülerin, dafür aber absolut unsportlich und pummelig war bzw. bin? Ich hatte nie eine Chance, cool zu sein! Also habe ich irgendwann angefangen, schwarze Lederjacken zu tragen, Pantera zu hören, irre viel zu rauchen und irre viel zu fluchen. Geblieben sind die Lederjacke  und eben das verf*** Gefluche. Und natürlich sollte ich jetzt ein Vorbild für Piepsi sein. Auch verbal.
Ich denke, das mit den ganz bösen F-Wörtern dürfte ich hinbekommen. Schwieriger wird es mit Sch***. Und an ein paar ganz verstaubte Begriffe muss ich mich wohl auch erst mal wieder gewöhnen. Hier wird nicht mehr vera***, sondern "auf den Arm genommen". Zur Not wird auch mal "veräppelt". Aus A*** wird ein "Armleuchter". Puh. Und wo ziehe ich die Grenze? Meine Eltern fanden es ja schon besch***, wenn ich "cool" oder "geil" gesagt habe. "Geil" kann ja nun mal einfach nur "geil" oder eben auch "geil" sein... Und wie sieht es mit Ka** aus? Momentan rede ich hier noch von vollgeka*** Windeln, ist das okay so? Oder muss ich "A-A" sagen? Oder einfach nur "voll"? Was doch nicht ganz eindeutig ist? Aber "Pipi" ist okay, oder was? Mann, das ist aber auch nicht ganz einfach. Und was mache ich, wenn mir doch mal ein Sch*** rausrutscht?
Mein Mann und ich waren einmal mit Profi-Muttis unterwegs, die für jedes Sch*** ein Euro-Stück ins Sparschwein stecken. Da wir uns 48 Stunden lang gesehen haben, hat mein Mann am ersten Abend bereits einen 50-Euro-Schein gezückt: "Stimmt so."
Ein Amateur-Vati hat kürzlich allerdings zu mir gemeint, ich könne mir den ganzen Stress sparen: "Das Fluchen lernen die doch schon in der Krippe." Wenn das so ist: Verd*** Sch***, da hab ich ja noch mal Glück gehabt!

Rabimmel und rabammel

Freitag, 7. November 2014

Wer in der Kirche ist, der sollte an etwas glauben. Ich glaube an nichts, daher bin ich nicht in der Kirche. Und mein Mann auch nicht. Und Piepsi kann sich gerne selbst einmal dafür oder dagegen entscheiden, getauft ist meine Tochter jedoch nicht. Daher erschien es mir konsequent, sie in eine nicht-konfessionelle Krippe zu schicken. Leider haben mir die jedoch allesamt abgesagt (oder sich nicht einmal die Mühe gemacht, mir eine Absage zu schicken), so dass Piepsi nun eine evangelische Krippe besucht. Mittlerweile finde ich das auch gut so. Ich habe einmal eine Geschichte über eine katholische Kindertagesstätte geschrieben, in die überwiegend muslimische Kinder gehen. Eine Mutter sagte mir damals: "Unseren Glauben kennen unsere Kinder ja schon von zu Hause. Hier sollen sie nun lernen, was andere Kinder in Deutschland glauben." Die Einstellung gefällt mir, zumal Wissen über Religionen wichtig für die Allgemeinbildung ist. Und sooo konsequent sind wir ja nun auch nicht. Natürlich feiern wir Weihnachten, den Spaß lass ich mir doch nicht nehmen. Und auch St. Martin werde ich kommende Woche das erste Mal seit gefühlt tausend Jahren auch wieder feiern. Ich freue mich drauf! Zum einen mag ich die St.-Martins-Legende (ist ja auch irgendwie sozialpolitisch korrekt und so), zum anderen geht es mir hier doch vielmehr um Rabimmelrabammelrabumm als um Religion. In der Krippe basteln sie gerade Laternen. Okay, meine 10 Monate alte Tochter bastelt natürlich keine Laterne, ihr "helfen" die Erzieher. Aber immerhin trägt sie einen Patschehändchen-Abdruck zu der Laterne bei. Und am späten Nachmittag, wenn es schon dunkel ist, geht es einmal durch die Siedlung. Piepsi im Kinderwagen, wir mit Laterne. Anders als in meiner Kindheit, als alle drei Meter das Teelicht ausging und nervte, gibt es nun LED-Lämpchen, und überhaupt stell ich mir die kleine Kinderkarawane ziemlich niedlich vor. Wird sicher ein großer Spaß. Und solange ich die Laterne nicht selbst basteln muss...

Alles auf Null oder warum es gut ist, dass ich nicht in einem Atomkraftwerk arbeite

Dienstag, 4. November 2014

Nur noch zwei Monate, dann endet meine Elternzeit und beginnt der Alltag. Damit das alles hinhaut mit der Arbeitszeit und der Betreuungszeit, werde ich die Abteilung wechseln, künftig dauerhaft den Frühdienst übernehmen und komplett bei Null beginnen. Meine neue Chefin hat mir eine Email geschrieben: "Bitte mach dir keine Sorgen." Das ist sehr lieb. Nur leider unmöglich. Sich keine Sorgen zu machen, widerspräche nämlich komplett meinem Naturell. Eine Freundin hat mir einmal gesagt, dass ich viel zu blond für meine dunkle Seele sei. Ich solle mir doch bitte die Haare schwarz färben und nach Transylvanien auswandern. Wir sind übrigens immer noch befreundet.
Natürlich mache ich mir Sorgen! Aber weniger wegen der Arbeit an sich als wegen der Müdigkeit. Wenn Piepsis Schlafrhythmus so bleibt und ich künftig eben aufstehen muss, wann ich aufstehen muss, dann werde ich öfters mit gerade mal drei Stunden Schlaf über den Tag kommen müssen. Ich frage mich, wie das andere Mütter oder Väter machen, die so richtigrichtig wichtige Jobs haben. Ärzte zum Beispiel. Oder Busfahrer. Oder das Sicherheitspersonal in einem Atomkraftwerk. Ich würde wahrscheinlich in Homer-Simpson-Manier meine Arbeit verrichten und in dem Moment, in dem ein rotes Warnsignal aufleuchtet: "Radioaktiv verunreinigte Giftgaswolke WIRKLICH in die Atmosphäre blasen?", mit schlafwandlerischer Sicherheit auf die Taste "JA" drücken.
Das Internet war mir bei der Frage, wie ich acht Stunden Arbeit mit anschließender Piepsi-Betreuung überstehen soll, auch keine wirkliche Hilfe. Die Antwort auf die Frage "Wie Sie mit Schlafentzug fertig werden" lautet nämlich: Obst essen, frische Luft, Kaffee trinken. Ach. Und wenn gar nichts mehr geht: in der Mittagspause ein Nickerchen halten. Na prima. Ich hoffe mal, dass das im Großraumbüro nicht allzu sehr auffallen wird. Sonst gibt es nach "Betrunkene dekorieren" womöglich bald einen neuen Trend: übermüdete Eltern dekorieren.

Ein Plattenspieler für Piepsi

Freitag, 31. Oktober 2014

Ich habe es erst kürzlich geschrieben: Piepsi interessiert sich derzeit nur mäßig für ihr Spielzeug. Dafür für alles andere. Unser Plattenspieler und unsere Stereo-Anlage stehen auf einem mäßig hübschen braunen Möbelstück mit zwei großen Fächern, in dem bislang Schallplatten standen, die jedoch mittlerweile als Fuhrpark für Stofftiere, Fühlbücher und Rehkitz-Decken dienen. Die wiederum von Piepsi nicht beachtet werden. Im Gegensatz zum Plattenspieler und der Stereo-Anlage. Ich habe bewusst beides nicht zu völligen Tabuzonen erklärt, soll sie doch an den Knöpfen drehen und drücken wie sie will - solange sie sich nicht an dem Turm festhält und damit umkippt, schreite ich nicht ein. Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Anlage durch die Enttabuisierung ihren Reiz verliert. Tut sie aber nicht. Daher frage ich mich, warum die Spielzeughersteller nicht längst auf die Idee gekommen sind, originalgetreue Stereoanlagen aus Plastik in die Läden zu bringen. Also bitte nicht rot und blau, blinkend und mit Bärchen. Alles sollte genauso sein wie bei einer normalen Anlage, nur eben hohl und günstig. Piepsi würde voll darauf abfahren, da bin ich mir sicher. Vielleicht sollte ich mal bei Fisher Price anrufen. Und endlich reich werden. 

Slim Fit für Babys

Samstag, 25. Oktober 2014

Schön bollerig. So muss das.
Neulich, da dachte ich an die Bunte. An das Bild von Harper Beckham, der Tochter von Victoria und David Beckham, und an die Überschrift "Ist ihre kleine Harper zu dick?". Die Reaktion im Internet: Empörung! Meine Reaktion: Erleichterung. Erleichterung darüber, dass diese unfassbar dürre Frau ihr Kind offenbar mit ihrem Magerwahn verschont und sie einfach Kleinkind sein lässt. Samt dem kleinkindtypischen Babyspeck. Damit hat "Posh-Spice" schon einmal einem gewissen schwedischen Modehaus etwas voraus. Das suchte ich kürzlich eigentlich mit dem Vorhaben auf, mir eine Hose zu kaufen. Stattdessen landete ich in der Kinderabteilung. Passiert mir momentan irgendwie ständig. Und tatsächlich: Nicht nur für mich ist es schwierig, mich für einen Jeans-Schnitt zu entscheiden. Auch bei Babys gibt es da schon unterschiedliche Modelle. Zum Beispiel "Slim Fit"-Jeans in Größe 74. Zudem kann die Mutti von heute zwischen "Straight Leg" und "Relaxed Fit" wählen. Ernsthaft?? Auch wenn die Baby-Slim-Fit-Jeans irgendwelche Stretchanteile hat, so dass auch noch eine Windel an den Popo passt - was soll das denn überhaupt? Piepsi will krabbeln und sich durch die Gegend kugeln. Da muss eine Hose schön bollerig bequem sein und etwas aushalten können. Mehr nicht. Was kommt denn bitte als nächstes? Krabbelschuhe mit Pfennigabsatz? Oder Bauch-weg-Windeln? Die Bunte hat sich übrigens mittlerweile zu den vielen Reaktionen auf die Harper-Geschichte mit einem weiteren Artikel geäußert und lässt darin einen Experten zu Wort kommen. Wie gut, dass es zu allem und jedem einen Experten gibt. Der kommt zu dem Schluss, dass "die kleine Harper für die Beckhams untypisch moppeliger ist, als man erwarten dürfte." Und die Bunte selbst meint abschließend: "Vielleicht hat die Kleine ja auch einfach etwas Babyspeck." Mach Sachen!

Das lustige Quiz der Baby-Krankheiten

Donnerstag, 23. Oktober 2014



Piepsi war krank. Zum allerersten Mal. Nichts Dramatisches, ein Schnupfen, nicht einmal Fieber hatte sie. Dennoch litt ich dreifach. Zum einen war es für mich schwer zu ertragen, mein kleines Mädchen mit glasigen Augen und geröteter Nase zu sehen. Mein armes kleines Mädchen, das nicht durch die verstopfte Nase schnaufen konnte und matt im Kinderwagen hing. Zum Zweiten heulte Piepsi die ganze Nacht lang, eben weil sie nicht anständig atmen konnte, so dass auch wir keinen Schlaf kriegten. Und zum Dritten habe ich mich angesteckt. "Klassiker", sagte mir die Erzieherin aus der Krippe. Kaum geht es los mit der Betreuung, da kommen auch die Krankheiten. Gegen einiges bin ich zwar geimpft, aber nachdem ich mir das "Große Buch der Kinderkrankheiten" einmal angesehen habe, weiß ich, dass ich mich auf einiges gefasst machen kann. Vielleicht sollte ich mir ein Krankheiten-Bingo anlegen. Scharlach? Jawoll, bin dabei. Mund-Hand-Fuß-Krankheit? Treffer! Bindehautentzündung? Bingo!
Ebenfalls ein netter Zeitvertreib für Eltern: das lustige Quiz der Hautkrankheiten. Welcher Ausschlag bin ich? Fiese Schuppen, blutige Gerinnsel, weiße Pusteln, feine rötliche Sprenkel - alles dabei. Und wem danach immer noch nicht schlecht ist, dem empfehle ich diese hübsche Bildergalerie: "Stuhlgang bei Babys". Was der Windelinhalt über Babys Gesundheit aussagt. In diesem Sinne: Mahlzeit.
 
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