Auf ins Kittyversum

Montag, 31. März 2014



Es ist sicher nicht korrekt, aber so war es: Ich wollte ein Mädchen. Und ich bekam eins. Auch wenn unsere (ganz legal angemeldete) Putzfrau bei dem Anblick der Babyklamotten, die ich da in den Schrank räumte, ausrief: „Ich dachte, Sie bekommen ein Mädchen?“ Denn unter diesen Stramplern, Strumpfhosen und Bodys fanden sich alle Farben des Regenbogens. Bis auf eine: Rosa. Dass auch die ihren Platz im Schrank fand, dafür sorgten schon Freunde, Bekannte und Familie mit Geschenken und Leihgaben. Aber so bin ich eben: Ich sympathisiere mit den „Pink stinks“-Aktionisten, finde Lego, Carrera-Bahnen und Teddies schöner als Plastikpuppen und Streifenpullis mit Kapuze hübscher als Herzchenkleider und das Kittiyversum.  
Mein bedauernswertes kleines Töchterchen, ich werde dich völlig verkorksen. Ich werde dir denselben Quatsch eintrichtern, den mir schon meine Eltern eingetrichtert haben und mit denen ich mich schon damals auf dem Pausenhof blamiert habe. Dass Äußerlichkeiten und Marken nicht so wichtig sind, die Sache mit den inneren Werten, dem guten Herzen und dem klaren Verstand.
Du wirst schon noch früh genug erfahren, dass es im wahren Leben leider doch sehr auf Äußerlichkeiten ankommt, aber bis dahin will ich dir das Schöne, Wahre, Gute beibringen. Du wirst mir das Herz brechen, wenn du mir vorwirfst, dass alle anderen Mädchen im Kindergarten Barbiepuppen haben dürfen, und es tut mir leid, dich so früh in die Schublade für Außenseiter und Sonderlinge stecken zu müssen, denn ich weiß: Nichtrosaträgerinnen und Barbiepuppenlose werden es im Leben immer etwas schwerer haben. Ich kann nur hoffen, dass du mir rückblickend verzeihen wirst und – wer weiß? – vielleicht hast du selbst einmal (in nicht zu naher Zukunft) ein kleines Mädchen. Und beschließt dann ganz bewusst, es genauso zu verkorksen, wie ich es mit dir tun werde.
 
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