Wie war noch mal die Frage? Kommunikation im Babyzeitalter

Sonntag, 27. Juli 2014

Künftig werde ich, nachdem ich Besuch verabschiedet habe, wohl ein Formular aufsetzen und meinen Freunden hinterherschicken. Betreff: "Folgende Fragen blieben ungeklärt. Folgende Antworten habe ich schon wieder vergessen."
Eine besonders gute Zuhörerin war ich wohl noch nie, doch seit Piepsi hier durch das Wohnzimmer robbt, bin ich eine Katastrophe. Es liegt nicht am mangelnden Interesse an dem Leben meiner Freunde. Ich will alles wissen über den sechswöchigen Amerika-Trip, ich will von der fiesen Zahnoperation hören und von dem Umzug. Aber kaum stelle ich die Frage, quakt Piepsi oder steckt sich irgendetwas in den Mund, was da nicht hingehört, oder zieht den Teller vom Tisch. Und ich bin so abgelenkt, dass ich gar nicht mehr mitkriege, was mir gerade erzählt wird. Besonders schlimm wird es, wenn Freunde mit Kindern kommen. Da räumt die Kleene unser Bücherregal aus, die Große ist im Kinderzimmer, in dem es verdächtig still ist, und Piepsi hat plötzlich Hunger. Und zack - ich bin gestresst und zerstreut. Allerdings habe ich festgestellt, dass beim Besuch einer Profi-Mutti diese seelenruhig auf dem Sofa sitzt, Kekse mampft und Kaffee trinkt und sich so gar nicht von dem Gewusel aus der Ruhe bringen lässt, während ich von Reizen überflutet werde. Und während ich das dritte Mal zu einem "Also, wie war das jetzt mit deinen Zähnen...." ansetze, schlägt sie gelassen die Beine übereinander und meint lächelnd: "Hab ich doch gerade schon erzählt." Hm. Bei kinderlosen Freunden merke ich jedoch, dass Piepsi sie noch mehr aus der Fassung bringt als mich - und nur noch Augen und Ohren für das Baby haben und nicht für das, was ich erzähle. Meine Multi-Tasking-Fähigkeiten scheinen also zu reifen, es gibt noch Hoffnung für mein zerstreutes Mutti-Ich. Aber jetzt setze ich erst einmal mein Formular für ungeklärte Fragen auf. Also. Ähm. Wer war hier gestern nochmal zu Besuch?

Digital Native im Holzspielzeug-Land

Freitag, 25. Juli 2014

Ich will, dass Piepsi in einem Holzspielzeug- und Teddybärenland aufwächst. "Tut sie doch", sagt mein Mann, "ich habe ihr ganz viel Holzspielzeug gezeigt. Hier auf meinem Rechner."
Ja, seit meine Tochter auf der Welt ist, wird mir bewusst, wie sehr ich zwischen Laptop, iPad und Smartphone hin- und herpendele. Ich glaube, seit Piepsis Geburt ist es sogar noch schlimmer geworden. Meine Freunde und meine Familie wollen rücksichtsvoll sein und kein schlafendes Baby wecken. Daher wird öfters mal gemailt oder gesmst als angerufen. Mach ich bei meinen Freunden mit Baby übrigens nicht anders. Tja, aus der Traum vom Pappbuch-Babyalter, es regieren Bildschirme, zumal abends auch mal der Fernseher läuft. Wenn ich bemerke, dass Piepsi sich nicht länger mit der Stoffrassel beschäftigt, sondern auf die Mattscheibe glotzt, stelle ich den Apparat schnell mit schlechtem Gewissen aus. Aber ja, mein Kind wächst als Digital Native auf, während ich selbst noch ein Digital Immigrant war, was irgendwie richtig gut war. Als Baby und Kleinkind voll auf Holzklötze gesetzt, dann in der späten Pubertät den Start ins Internetzeitalter miterlebt und im Studium schon so selbstverständlich damit gearbeitet, dass mich die multimediale Revolution nicht so schockiert wie manch einen aus der älteren Generation. Ich sehe dieses ganze Internet mit einer gewissen Gelassenheit und nicht als Untergang des Abendlandes. Korrigiere: Ich sah es so. Aber dann kam sie, und jetzt mach ich mir doch so meine Gedanken. Piepsi ist echt scharf auf mein iPad. Ist ja auch so das perfekte Babyspielzeug - nur eine Taste und man kann so richtig drauf rumgrabschen. Es macht Geräusche und leuchtet in bunten Farben. Und plötzlich sehe ich all die Gefahren. Zum Beispiel Cybermobbing. Klar, fertig gemacht wurden Schüler, seit es die Haltung Pubertierender in engen Klassenräumen gibt. Aber damals gab es immerhin noch die Möglichkeit eines Schulwechsels. Aber heute müssen die neuen Mitschüler nur einmal Google anwerfen, und schon verfolgt einen ein gewisser Ruf. Und dann dieses Sexting. War mir bis vor Kurzem auch kein Begriff. Aber ein paar Schüler haben es mir erklärt: Aus Verliebtheit (und weswegen sonst begeht man solche Dummheiten?) schicken sich Jugendliche erotische Fotos von sicher per Handy, die dann flugs weiterverbreitet werden, so dass die Mädchen (oder Jungs) sich zum Gespött ihrer Mitschüler machen und des Lebens nicht mehr froh werden. Ja, auch ich hatte den Gedanken, "wie doof kann man denn sein...". Aber dann habe ich mich umgehört - das machen tatsächlich erschreckend viele. Tja, und meine Aufgabe ist es nun, Piepsi vor all diesen Gefahren zu warnen - und zwar rechtzeitig. Nicht so wie diese Drogenaufklärungsnummer, die bei uns in der achten Klasse veranstaltet wurde. Und damit drei Jahre zu spät.
Aber bei all dem Geunke gibt es auch Hoffnung für mein Holzspielzeug- und Teddybärenland. Nostalgisch veranlagt, haben mein Mann und ich derzeit nämlich noch drei Zeitungen im Abo. Und Piepsi liebt sie heiß und innig. Auch wenn ihre Lektüre meistens in einem ordentlichen Verriss gipfelt, den wir anschließend zusammenknüllen und ins Altpapier stopfen. Zumindest diesen Spaß können ihr all die Bildschirme in unserer Wohnung nicht bieten.

Top Five der Luxus-Momente für Muttis

Sonntag, 20. Juli 2014



Letztens sagte eine Mutter mit Zwillingen zu mir: "Eigentlich bräuchte ich eine Woche frei zum Schlafen, eine zum Aufräumen und eine für Wellness." Und sofort entbrannte eine lebhafte Diskussion darüber, was "Wellness" im Mutti-Zeitalter bedeutet. Hier mal meine Top-Five: Was ist Luxus, seitdem ich Mutti bin?

Platz 5: Durch die Stadt gehen - ohne Baby: Ich bin wendig, ich bin schnell. Ich bin Perseus mit seinen Flügelschuhen. Erklimme ich die vier Stockwerke zu unserer Wohnung, nehme ich zwei Stufen auf einmal. Ich habe mal gehört, dass einige Bassisten mit Gewichten an den Handgelenken üben, um bei Konzerten im doppelten Tempo spielen zu können. So ähnlich geht es mir. Kinderwagen und Tragetuch sind mein Training. Ohne sie fallen mir plötzlich Dinge leicht, die mich in der Vorbaby-Zeit ins Schwitzen brachten.

Platz 4: Mit beiden Händen essen: Also natürlich mit Besteck, nicht mit den Händen. Aber ihr wisst, was ich meine: Kein Baby auf dem Schoß, keine Berasselung eines Kinderwagens. Beide Ellenbogen auf dem Tisch, Messer links, Gabel rechts - oder auch andersrum. Bin ja Linkshänderin.

Platz 3: Alte Klamotten tragen: Keine Jeans mit Bündchen, die Platz für eine dicke Kugel lassen. Keine Oberteile mit Reißverschlüssen an den Eutern, die mich in ihrer Funktionalität stark an die Adidas-Hosen mit Knopfleiste aus den 90er Jahren erinnern. Oder gibt es diese Hosen etwa immer noch? Keine Schuhe für geschwollene und dicke Füße. Nichts, das nur irgendwie praktisch ist. Sondern einfach nur: meine alten Klamotten. 

Platz 2: Alkohol: Alkohol eben. Muss ich da noch mehr sagen? Ehrlich: Nach 9 Monaten Schwangerschaft und 6 Monaten Stillen habe ich mir den kühlen Weißwein am Abend echt verdient. Oder die drei Flaschen Bier. Oder den Cocktail mit Schirmchen. Ich hätte unter diesem Punkt auch noch "Medikamente" aufnehmen können. Gemeint ist hier nicht der Missbrauch, sondern die einfach Aspirin gegen Kopfschmerzen. Der schlimmste Tag seit Piepsis Geburt war für mich der, an dem ich allein mit Baby war, einen Magen-Darm-Infekt hatte und NICHTS einnehmen durfte. Ab sofort gibt's an solchen Tagen wieder die volle Dröhnung.

Platz 1: Alleine aufs Klo gehen: Kein Baby, das über die Fußmatte kugelt, vom Maxi Cosi aus bei großen und kleinen Geschäften zuschaut oder gar ungeduldig auf dem Schoß sitzt. Einfach nur: alleine aufs Klo gehen. Luxus pur.

Ach ja, wer in meiner Liste das Stichwort "Schlafen" sucht - ich habe hier nur Punkte aufgenommen, die realistisch sind im ersten Babyjahr... Freue mich über Ergänzungen eurerseits!

Obsttellertanz und das Aufräumlied: Piepsi is a punk rocker

Mittwoch, 16. Juli 2014

Musik macht schlau. Irgendwie. Heißt es so. Daher haben wir zu Piepsis Geburt auch "Bach für Babys" und "Mozart für Babys" geschenkt bekommen. Ich mag Bach und Mozart, in meinem Auto laufen aber momentan die Ramones, The Smiths und die Shout out Louds. Da fahren Piepsi und ich also durch die Stadt und hören "And if a double-decker bus crashes into us. To die by your side is such a heavenly way to die." Hm. Uns gefällt's.
Aber natürlich hören wir auch Musik, die auf Piepsis Zielgruppe zugeschnitten ist. Der großartige Fredrik Vahle ("Anne Kaffeekanne") läuft hier rauf und runter. Und aus irgendeiner Laune heraus (es MUSS an der Müdigkeit liegen...) habe ich auch "Rolfs Top 100" gekauft. Diese Top 100 werde ich mal rasch auf meine Top 10 zusammenschnurren. Ja, es gibt nette Lieder von Rolf Zuckowski. Aber ziemlich viele Lieder sind ziemlich schrecklich. Schlagermucke mit anbiedernden Texten. Ich will nicht, dass mein Kind irgendwelche Mami-Jubelhymnen singt. Dieses ständige Mami-Papi-Angesinge nervt mich. Die Weihnachtsbäckerei lasse ich mir ja noch gefallen, aber ansonsten ist mir ein Fredrik Vahle mit tanzenden Katzen und knutschenden Giraffen doch deutlich lieber.
Es gibt aber noch eine Steigerung zu Zuckowski. Mein Mann und ich hatten nämlich noch so einen Totalaussetzer und haben aus der Ramschkiste eines Medienkaufhauses eine Kinderlieder-CD mitgenommen. Der Titel hätte uns Warnung genug sein sollen: "Lernlieder zum Mitsingen".  Zu hören sind dann so pädagogisch wertvolle Hits wie der "Obsttellertanz", das "Aufräumlied" oder  "Ein bisschen Fernsehen". Letzteres geht ungefähr so: "Ein bisschen Fernsehen ist ja gar nicht schlimm. Aber viel lieber geh ich ja in mein Zimmer und mal ein Bild." Is klar.  Nein, Mama, Playstation interessiert mich auch null, ich geh dann mal in mein Zimmer und bastel Kastanienmännchen. Heidepark Soltau? Ach, Mutti, lass mal. Ich guck aus dem Fenster.
Auweia. Das kriegt mein Baby jedenfalls nicht zu hören. Dann doch lieber "Piepsi is a punk rocker".

Hochbegabt!

Freitag, 11. Juli 2014



War ja klar: Piepsi ist hochbegabt! Sie ist zwar erst ein halbes Jahr alt, spricht aber schon in ganzen Sätzen! Ich muss nur ein klitzekleines bisschen dolmetschen:

Baba! Ba! - Da ist der Papa.
Babaaba? Ba! - Rhabarber schmeckt mir nicht.
Bab? Ba! - Die Musik der Kölner Rockband Bap entspricht nicht meinem Musikgeschmack.
Baba Bab Babaaba Ba! - Papa und die Kölner Rockband Bap mögen keinen Rhabarber.

Ha! Welche Mutti bietet mehr?

Wie werde ich meinem Kind gerecht? Und wie allem anderen?

Mittwoch, 9. Juli 2014

Ich habe das tollste Baby der Welt. Nur fällt es mir momentan schwer, das auch zu sehen und zu genießen. Ich bin eine verdammte Jammer-Mutti und will doch keine sein. Aber ich bin zwei Schritte von einem Bandscheibenvorfall entfernt und dabei so müde, dass mir schwindelig ist. Piepsi turnt momentan nachts zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens stundenlang durchs Bett, dreht sich, robbt, klopft an die Gitterstangen. Abends, beim Einschlafen, ebenfalls ein langes Hin und Her, bis sie schließlich mit einem tiefen Seufzen die Augen schlieft und friedlich mit ausgebreiteten Armen vor sich hin nuckelt. Es gibt kein schöneres Bild. Und tagsüber, da brabbelt sie, da lacht sie, da dreht sie sich und versucht, dem Ball hinterher zu rollen, da quietscht sie mit ihrer Giraffe, und ich sehe gar nicht richtig hin, weil ich diese kurze Zeit, in der sie sich selbst beschäftigt, dazu nutze, um irgendwas zu erledigen. Schnell was wegräumen, einsortieren, aufs Klo gehen, die Waschmaschine ausräumen, Emails checken, jemanden anrufen. Immer wieder der Blick auf die Uhr, wann muss ich welchen Brei machen, wann muss sie wieder schlafen, wann kommt mein Mann endlich heim, damit ich einmal durchatmen kann, und wann geht denn auch dieser Tag zu Ende, damit ich wenigstens etwas Ruhe bekomme? Manchmal sitze ich dann abends neben meiner schlafenden Tochter und sehe mir auf meinem Tablet Fotos von ihr an. Sehe, wie großartig sie ist, wie zufrieden sie aussieht, wie fröhlich. Ich google ständig nach Lösungen für Schlafprobleme, schlage Anzeichen von Zahnen nach, lese Threads in Foren nach. Nur um festzustellen, dass alles völlig normal ist, dass Babys nun einmal so sind, dass nicht sie das Problem ist, sondern ich. Ich konzentriere mich darauf, alles mitzukriegen, denn da sind so viele erste Male, dass ich keines verpassen will. Und doch denke ich manchmal, dass es Piepsi in einer Krippe besser hätte als bei mir. Eben weil dort Profis arbeiten, die der Amateur-Mutti einiges voraus haben. Sie sind nur (und dieses NUR in dicken Anführungszeichen) da, um sich um mein Baby zu kümmern. Spielen, fördern, füttern, schlafen legen. Keine Emails, keine Anrufe, kein Haushalt. Natürlich auch keine schlaflosen Nächte, diese Profis sind topfit. Piepsi läuft hier nicht nebenher, Piepsi ist der Star. Und hier bei uns zu Hause? Wer ist da der Star? 
Also... wenn ich es recht bedenke... das scheine ICH zu sein. Ich betrete den Raum, und ein kleines zahnloses Wesen grinst mich an, als hätte ich soeben Freimilch für alle geordert. Ich singe schräg und schief und ernte Applaus und Jubel. Ich beuge mich einmal über das Bettchen, und schon werden mir sehnsuchtsvolle Arme entgegengestreckt. Verdammtes Baby. Was du mir so alles gibst. Ich hoffe, ich kann dir irgendetwas davon zurückgeben. Schlafmangel hin, Schlafmangel her.

Ich bin keine Bastelmama - ab ins Mutti-Bootcamp

Sonntag, 6. Juli 2014



Mein Baby ist jetzt ein halbes Jahr alt, und ich weiß auch nicht, wie wir so weit gekommen sind. Für meinen Führerschein musste ich büffeln, das Baby habe ich einfach so gekriegt. Dabei hätte mir ein Mutti-Bootcamp ganz gut getan. Dann hätte ich jetzt wenigstens ansatzweise eine Idee von dem, was ich da tue. Folgende Disziplinen hätte ich dort erlernt:
Kochen
Backen
Nähen und Stricken
Basteln
Hätte, hätte, Fahrradkette. Nein, eine Bastelmutti werde ich wohl nie werden. Auf diesem Blog werdet ihr also weder Kochrezepte noch irgendwas in Richtung Do-it-yourself finden. Es sei denn, eine liebe Freundin und Foodbloggerin erbarmt sich einmal meiner mit einem Gastbeitrag. Mir als Amateur-Mutti graut jedenfalls jetzt schon vor der Kindergarten- und Grundschulzeit, vor den ersten Theateraufführungen und Faschingsfeiern. Wenn es dann beim Elternabend heißt, dass es doch schöner sei, das Kostüm selbst zu kreieren, als bei C&A oder Aldi zu kaufen. Weil: individuell, fair und nachhaltig und so. Leuchtet mir ja auch ein. Nur: Ich kann ja nicht mal mit einer Schere an einer vorgezeichneten Linie entlangschneiden. Oder Geschenke einpacken. Momentan behaupte ich beim Geschenke Überreichen, dass ich beim Einpacken Piepsi auf dem Schoß hatte. In zwei Jahren werde ich behaupten, dass Piepsi selbst es eingepackt hat.
Ich bewundere die Profi-Muttis, die im Netz Fotos von selbstgenähten Babyhosen aus tollen Stoffen präsentieren. Nein, ich bewundere sie nicht. Ich BENEIDE sie. Meine schlechteste Schulnote hatte ich in der Grundschule im Fach "Textiles Werken". Naja, gut. Und in Sport und "Schrift". Ich bin Linkshänderin, meine Textiles-Werken-Lehrerin war Rechtshänderin und konnte mir daher nie wirklich weiterhelfen. An meinem Topflappen habe ich ein ganzes Schuljahr rumgehäkelt, während unter den geschickten Fingern meiner Mitschüler Filzmäuse, Nadelkissen und Ringelschals entstanden.
Ich weiß nicht, ob ich bei Piepsi mit der Nummer durchkomme, dass ich zu emanzipiert für diesen Frauenkram bin. So richtig Feministin, voll auf Emma und so. Um glaubwürdig zu wirken, dürfte ich mich dann wohl auch nicht mehr schminken und Schuhe tragen, die furchtbar unbequem und unpraktisch sind, aber so lustige Riemchen haben. Vielleicht sollte ich es mit Kostümen auch so handhaben wie mit dem Verpacken von Geschenken. Mein Kind zu einem eigenverantwortlichen Menschen erziehen. Sprich: "Bastel's dir doch selbst." Vielleicht werde ich aber auch mal einen Blick in das aktuelle VHS-Kursprogramm werfen. Wenn ich mich meinem Trauma stelle, dann aber nur unter einer Bedingung: Der Kursleiter muss ein Linkshänder sein!

Hartes Schicksal für Piepsi: Es bleibt Einzelkind

Freitag, 4. Juli 2014

Achtung, es folgt eine Rechtfertigung! Unsere Tochter wird ein Einzelkind bleiben. Das stand für uns schon fest, ehe wir wussten, dass sie ein recht forderndes Baby sein würde. Mein Kinderarzt hat uns zwar während der anfänglichen Schreibaby-Phase gesagt, dass wir unbedingt schnell ein zweites Kind nachschieben sollten: "Damit Sie sehen, wie die Babyzeit eigentlich wirklich ist." Aber nein, wir haben uns von Anfang an dafür entschieden, nur ein Kind zu bekommen. Aus rein egoistischen Gründen. Wenn man nur ein Kind hat, dann ist das manchmal auch nicht da. Sportverein, bei Freunden, im Kindergarten, whatever. Und plötzlich ist man wieder einfach nur Paar und es ist ruhig. Bei zwei Kindern und mehr gäbe es hingegen immer etwas zu organisieren, zu planen, einer ist immer krank, einer muss immer irgendwohin gebracht oder von irgendwo abgeholt werden. So zumindest meine Vorstellung. So zumindest habe ich es bei anderen Eltern erlebt. 
Und ja, natürlich haben auch finanzielle Gründe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. Es ist wirklich schon nicht ganz leicht, mit nur einem Kind berufstätig zu bleiben, wie ich feststellen muss. Wie es mit zwei Kindern gehen soll, ist mir ein Rätsel. Zumindest in meinem Beruf. Bei meinen Eltern - beide Lehrer - war das alles etwas einfacher. Letztlich sollte es doch auch egal sein, aus welchen Gründen man sich für das Modell Kleinfamilie entschieden hat. Ist es aber nicht. 
Denn sobald ich offen damit umgehe, bewusst nur ein Kind haben zu wollen, muss ich mir mehr oder minder deutliche Vorwürfe anhören. Der deutlichste klang so: "Das kannst du deinem Kind nicht antun!" Etwas weniger deutlich: "Du musst auch einmal daran denken, welche Vorteile Geschwister im Erwachsenenalter haben. Also wenn es darum geht, wer dich pflegt und so." Hm. Und dann die volle Palette Vorurteile. Einzelkinder sind verwöhnt, unsozial, können sich schlecht integrieren, haben niemanden zum Spielen, bla und blubb. Ist das so? Ich schlage mit Vorurteilen zurück: Kinder aus Großfamilien leiden an Futterneid, zackbumm. Ist Quatsch. Und Piepsi unsozial und verwöhnt? Naja, das müssen wir sehen - aber das liegt dann wohl auch an unserer Erziehung.
Immerhin kommt unsere Tochter mit zehn Monaten in die Krippe. Sozialkontakte dürfte sie dort genug haben.  Und "Lob des Einzelkinds" von Brigitte Blöchinger habe ich zwar nicht gelesen, aber demnach sollen Einzelkinder ja sogar besonders sozial sein, weil sie sonst allein im Sandkasten säßen. Ob das stimmt, will ich hier nicht beurteilen. Tatsache ist jedoch, dass ich bereits jetzt gefragt werde, wann wir denn das Zweite nachlegen. Und ich denke, je älter Piepsi wird, desto häufiger werden derlei Fragen. Und wenn da kein Zweites hinterherkommt, dann - so stelle ich es mir vor - geht's erst richtig los: Woran liegt's? Klappt's nicht? Aber jetzt ist mein Töchterchen erst ein halbes Jahr alt, ich habe also noch etwas Zeit. Und bis dahin werde ich die Frage: "Wann kommt denn das Nächste?" mit einem milden Lächeln beantworten: "Mal sehen."



Gute Nächte - schlechte Nächte

Mittwoch, 2. Juli 2014

Es gibt keine schlechten Nächte. Es gibt nur falsche Ansprüche. So habe ich in der Zeit, als wir Schlaf nur in der Manier einer Salamitaktik erhielten, zu meinem Mann gesagt: "Irgendwie erwarte ich ja gar nicht mehr, Schlaf zu bekommen, wenn ich ins Bett gehe." Damit hat es sich leichter gelebt. Ich wusste: Ja, ich gehe müde ins Bett, und wer weiß, was für eine Zeit ich in selbigem in den kommenden Stunden verbringen werde, aber ich werde auf jeden Fall wieder genauso zerschlagen daraus hervorkriechen. Letztens, nachdem Piepsi gegen halb sieben friedlich eingeschlafen war (ja, sie ist leider der Typ "Lerche"), saßen mein Mann und ich beim Abendessen, und ich so: "Soll ich mal Frühstück machen?" Das isses doch: Einfach die Nächte komplett streichen! Wer gar keine Nächte hat, der hat auch keine schlechten Nächte. Und um mal wieder einen Großen zu zitieren: Munter bleiben!
 
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