Was mir vor der Geburt so alles vorausgesagt wurde - und wie es dann wirklich war

Samstag, 30. August 2014



Als ich schwanger wurde, wusste ich nicht, dass ich damit auch das Land der Prophezeiungen betreten und mich auf einen mythischen Pfad begeben würde. Aber tatsächlich haben mir noch nie in meinem Leben so viele Menschen meine Zukunft vorausgesagt wie in dieser Zeit. Hier eine Aufzählung der Dinge, die garantiert soundso sein würden:

"Du bist ganz sicher eine Überträgerin.": Sagte eine Hebamme zu mir, während sie meinen Bauch streichelte. Tja, nix da. Piepsi hatte es eilig und kam zwei Wochen zu früh.


"Nach der Geburt wirst du deinen Bauch vermissen.": Nein, auch das nicht. Ich finde es schön, wieder meine alten Klamotten tragen zu können, ohne Probleme in die Badewanne zu kommen (und auch wieder heraus) und die Treppen in den vierten Stock ohne großes Geschnaufe hochzusteigen. Okay, ich schnaufe auch jetzt, aber das liegt daran, dass ich meistens auch Piepsi mit hochschleppe. Überhaupt die ganze Schwangerschaft: Nein, ich vermisse sie nicht. Es waren schon tolle Momente dabei: das erste Ultraschallbild, das erste zaghafte Klopfen, das erste CTG. Ich hatte eine völlig entspannte Schwangerschaft. Dennoch gab es da immer eine unterschwellige Unsicherheit und wenn nicht gerade panische Angst, dann doch Respekt vor der Geburt.

"Der Moment, in dem dir dein Kind auf den Bauch gelegt wird, wird der glücklichste in deinem Leben sein.": Sorry, auch das ist nicht so eingetroffen. Es war ein bewegender Moment, aber ich stand auch ein wenig unter Schock, als mir da so ein kleines käseverschmiertes Bündelchen in den Arm gedrückt wurde. Statt "wow, das isses, ich bin jetzt Mutti, und das Leben ist schön!", dachte ich vielmehr: "Huch, wer bist du denn, wo kommst du denn her?" Ich musste meine Tochter doch erst einmal kennenlernen. Das muss ich natürlich immer noch, jeden Tag neu. Und jeden Tag verliebe ich mich etwas mehr in sie. Aber ihre Geburt wird wohl nicht als der glücklichste Tag meines Lebens in die Geschichte meines Lebens eingehen. Aber auf jeden Fall als der aufregendste. 


"Ein Kind ändert einfach alles.": Was soll ich sagen? Ist so! Nur was das genau bedeutet, dieses "ändert alles" - das war mir vor der Geburt meiner Tochter nicht mal ansatzweise klar. Mit "alles" meinen viele zuerst einmal: Fredrik Vahle statt Franz Ferdinand, Biomilch statt Gin Tonic, Tatort statt Disco, Ferienwohnung an derOstsee statt Hotel in New York. Aber die Sache geht noch viel tiefer, berührt mich im Innersten. Und dann kommt hinter all diesen Wahrsagern und Beschwörern, den Hebammen und Profi-Muttis auf einmal der langweiligste Mensch der Welt daher, der schlimmste aller Bürokraten, die fleischgewordene Krawatte, trifft mich zufällig in der Stadt und sagt das einzig Richtige: "Wie das Leben so mit Kindern ist - das kann man keinem erklären, der keine hat. Also lass ich es." Recht hat er. Selbst ausprobieren!

Blogparade: Ist es verwerflich, seinen Blog zu kommerzialisieren?

Mittwoch, 27. August 2014



"Elternblogs" stellte kürzlich die Frage:"Ist es verwerflich, seinen Blog zu kommerzialisieren?" Und wie so oft im Leben lautet die Antwort: ja und nein.

Ja, es ist verwerflich: Als Redakteurin bin ich es gewohnt, dass Inhalt und Werbung strikt voneinander getrennt werden. Zumindest sollte das im guten Journalismus so sein, und mit dieser Einstellung bin ich auch an meinen Blog herangegangen. Nun habe ich mehrfach Anfragen erhalten, ob ich nicht über das Produkt X oder Y schreiben oder es testen würde - für ein kleines Honorar, versteht sich. Und ich so: "Nein." Zum einen, weil so ein Text ("Der Bibibubu-Brei ist der allerbeste, leckerleckerlecker.") auf meinem Blog wie ein totaler Fremdkörper wirken würde. Ich hätte das Gefühl, meinen Blog irgendwie zu "versauen" und meine Glaubwürdigkeit zu verspielen. Zum anderen fühle ich mich schlicht nicht kompetent, irgendwelche Produkte zu testen. Was soll ich denn zum Beispiel über ein Auto sagen? Hat vier Reifen und macht brummbrumm? Gut, ich kann sagen, ob der Kinderwagen plus Piepsi reinpassen oder nicht. Aber das war's dann auch schon. Es gibt allerdings auch Produkte, über die ich mir eine ehrliche Meinung bilden kann und die in meinen Blog passen würden. Kinderbücher und CDs zum Beispiel. Da werde ich sicher auch so noch ein paar Texte dazu verfassen - aber auch ganz ohne Kooperation mit einem Anbieter. 


Nein, es ist nicht verwerflich: Jetzt komme ich noch mal mit der Journalismus-Keule: Ja, es wäre schön, mit Texten im Internet Geld zu verdienen. Denn es ist genau diese Gratiskultur, die den Verlagen derzeit zu schaffen macht. Und Bloggen ist neben viel Spaß auch Arbeit. Wenngleich ich das Texten nicht mit meiner Arbeit als Redakteurin gleichsetzen mag. Hier auf meinem Blog sonder ich meine ganz persönlichen Gehirnpupse ab. Als Redakteurin nehme ich mich als Person hingegen komplett zurück und lasse dafür Leute zu Wort kommen, die Ahnung haben. Ich mache Ortstermine, zitiere mehrere Quellen, sichte Dokumente, telefoniere durch die Gegend. Nach reichlich Recherche sollte dann ein verständlicher Text entstehen, den man in der Zeitung lesen kann. Die kauft man am Kiosk. Oder man liest den Text im Internet. Dort dann (meistens noch) gratis. Was mir wegen besagter Arbeit gegen den Strich geht. Insofern: Nein, wer bloggt und andere mit seinen Texten unterhält, der sollte damit auch Geld verdienen dürfen. Wichtig wäre es nur, Werbung und Kooperationen auch deutlich als solche zu kennzeichnen. Für meinen Blog könnte ich mir da am ehesten noch Werbebanner vorstellen. Denn genauso wie ich Anzeigen in einer Zeitung ausblende, nehme ich auch die Werbung im Internet nur am Rande wahr. Und das ist mir doch das Wichtigste: Dass weiterhin die Texte im Vordergrund stehen.

Pilates mit Baby. Oder eben auch nicht.

Sonntag, 24. August 2014


Zur Geburt wird man reicht beschenkt. Wie reich - das wurde mir erst klar, als ich selbst ein Baby zur Welt brachte. Sogar von Menschen, die wir nur flüchtig kennen, erhielten wir Päckchen, und ohne die Liste meiner Mannes, wer uns welchen Greifling oder Strampler geschenkt hat, hätte ich vollkommen den Überblick verloren. Unter den Geschenken war jedoch eins, von dem ich ganz genau weiß, woher es kommt, bin aber so diskret, an dieser Stelle keine Namen zu nennen: die DVD "Pilates mit Baby - schnell schlank nach der Geburt." Na, herzlichen Dank auch, das war deutlich.
Nachdem mir in den ersten Wochen mit Piepsi so gar nicht nach Sport war, habe ich jetzt der DVD eine Chance gegeben. Denn tatsächlich interessiert es mich, wie man mit einem durch die Wohnung krabbelnden neugierigen Zwerg sein Powerhouse anspannen soll. Schon beim Aufwärmen die Enttäuschung: Pilates mit Baby funktioniert erst einmal genau wie Pilates ohne Baby. Die Trainerin im schicken rosa Turnoutfit schickt lediglich den Satz: "Legen Sie Ihr Baby auf eine Krabbeldecke", vorweg. Na toll. Und wer sorgt dafür, dass es dort bleibt?? Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, auf der DVD zu vermerken, für welches Babyalter "Pilates mit Baby" denn gedacht ist. Ich kann jedenfalls nicht entspannt die Zehen in der Luft kreisen, wenn Piepsi nebenher den Bücherschrank auseinander nimmt. Im Krabbelalter ist das mit dem Auf-der-Krabbeldecke-Parken jedenfalls nicht mehr so einfach. Aber gut, das Baby auf der DVD müsste in etwa so alt sein wie Piepsi, also so etwa acht Monate. Während die rosa Turnmutti auf dem Rücken liegt und das Becken hoch schiebt, wird immer wieder der fröhlich vor sich hingrinsende Zwerg eingeblendet. Schnitt-Technik macht es möglich. Irgendwann geht es dann aber wirklich los: Übungen mit Baby! Das sieht dann so aus, dass man die üblichen Pilates-Übungen macht und sich dabei eben sein Kind auf den Bauch setzt. Findet Piepsi auch richtig lustig. Für so zehn Sekunden. Dann will sie wieder zurück zum Bücherschrank oder in die verbotene Kabel-Ecke. Ich also hinterher, Baby zurück auf den Bauch gepackt, Moment, wo waren wir noch mal? Powerhouse und so. Nach einer halben Stunde riecht es verdächtig nach Windel und ich breche ab. Mein Trost: Auch bei der rosa Pilates-Frau läuft es am Ende nicht ganz rund, denn plötzlich macht sich der Grinsezwerg davon und krabbelt zu der anderen Chef-Pilates-Frau und zupft ihr am T-Shirt, während sie versucht, sich auf ihre Hüftstütze zu konzentrieren. Und wer weiß, wie häufig sie diese Sequenzen gedreht haben? Für alle Macher von Pilates-mit-Baby-DVDs daher der Tipp: Wir Muttis würden uns sehr über eine zweite DVD in der Box freuen. Die mit den Outtakes.

Die Krippe

Donnerstag, 21. August 2014



Noch zwei Monate, dann kommt Piepsi in die Krippe. Ich stelle mir diese Zeit so vor: Ich beim Sport, ich beim Frisör, ich bei Milchkaffee im Café, ich mit einem Glaserl Sekt in der Badewanne. Ich. Schlafend. Und so wird's wahrscheinlich laufen: Ich. Schniefend mit Taschentuch auf der Bank vor der Krippe.
Wir waren bereits vor ein paar Wochen in der Krippe. Schnupperstunde für Piepsi. Zielsicher hat sie sich den Eingewöhnungs-Schnuffelhasen in den Mund gesteckt. Und ich erwischte mich bei dem Gedanken daran, wie viele andere Kinder diesen Hasen wohl schon abgeschlotzt haben und wie oft er wohl gewaschen wird. Ich. Amateur- und Helikopter-Mutti.
Piepsi muss in die Krippe. Und ich muss arbeiten. Das Ende der Elternzeit bedeutet die Rückkehr zu einem Alltag und einem Stück Normalität, den Abschied von einem Ausnahmezustand. So sehr ich mein Baby auch liebe - ich freue mich, bald wieder zu arbeiten. Ich freue mich auch darauf, bald wieder ein paar Stunden am Tag ohne Piepsi und ohne die totale Fremdbestimmung zu sein. Und doch und doch und doch: Piepsi so ganz ohne mich? Seit ihrer Geburt leben wir in ständiger Symbiose. Es ist ein seltsames Gefühl für mich, künftig nicht mehr 24 Stunden am Tag zu wissen, was mein Baby treibt. Ob es fröhlich ist oder weint und auf den Arm will. Dabei ist es das Natürlichste von der Welt: Meine kleine Tochter entwickelt ein Eigenleben. Pfui. Aber es muss sein. Für sie. Für mich. Für unsere Haushaltskasse natürlich auch. Für meine Altersvorsorge. Für die Sozialkontakte unseres Einzelkindes. Für mein strapaziertes Nervengerüst.
Piepsi wird nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell an das Krippenleben herangeführt. Standard, möchte ich meinen. Ich soll ihr ein Fotoalbum mit Bildern von uns und ihren Lieblingssachen mitgeben. Und ihr Lieblingsstofftier. Zwei Wochen dauert die Eingewöhnung. Keine Ahnung, ob Piepsi wirklich diese zwei Wochen brauchen wird. Aber ich. Ich werde es.  

Kinder an die Macht? Bloß nicht!

Samstag, 16. August 2014



Piepsi und ich im Auto, Herbert Grönemeyer im Radio: "Kinder an die Macht." Und ich denke so: "Alles. Nur das nicht." Ernsthaft. Ich weiß ja, worauf Grönemeyer hinaus will. Unschuldig und frei von Vorurteilen und so. Aber mal ehrlich. Wie sähe wohl eine Welt aus, in der Piepsi das Sagen hätte? Wenn alle so ticken würden wie meine Kleene mit ihren knapp acht Monaten? Eins ist sicher: Diese Welt wäre um einiges lauter. Es wäre eine Welt ohne Geduld, dafür mit viel Geschrei. So sieht es nämlich aus, wenn Piepsi Hunger hat. Da gibt es kein "gleich, sofort, klar warte ich, bis Mutti das Wasser abgekocht hat". Da gibt es nur: JETZT! SOFORT! SONST SCHLAG ICH HIER ALLES KURZ UND KLEIN! Oder so ähnlich. Für meinen Alltag würde das bedeuten: Ich so bei der Post: Rabäääh! Ich so und die Deutsche Telekom: Rabäääh! Ich so in der Supermarktschlange: Rabäääh! Ich so und die Deutsche Bahn: Rabäääh!
Es gäbe auch kein Meins und Deins. In Piepsis Alter gibt es nämlich nur: MEINS! Teilen muss sie erst noch lernen, ein ganz normaler Entwicklungsschritt. Genauso wie die Sache mit der Geduld.
Nun ja, seien wir fair. Grönemeyer singt ja nicht "Babys an die Macht", sondern spricht von Kindern. Unschuldig, keine Vorurteile, kindliche Naivität. Moment Mal. Unschuldig?? Wer hier in seiner Kindheit nie grausame Experimente mit Ameisen und Regenwürmern unternommen hat, der werfe den ersten Stein! Achtung vor dem Leben - auch das muss gelernt werden. Und manche lernen es wohl nie. Im Übrigen: Befragt man Wikipedia, steht Unschuld für den Zustand eines unbefangenen oder unwissenden Menschen, der moralisch nicht als schuldig betrachtet oder juristisch für schuldunfähig erklärt werden kann. Unwissenheit als erstrebenswertes Ziel? Ich halte es da doch eher mit der Aufklärung.
Und zu den Vorurteilen... das ist dann wohl auch erst einmal eine Frage des Elternhauses. "Mein Papa sagt, die Araber, die schaffen nix." Schon mal gehört? Leider traurige Realität in Deutschland. Da muss Kind erst einmal viel heimischen Ballast loswerden, ehe es sich selbst ein Urteil bilden kann. Selbstreflexion heißt das. Lernen manche in der Pubertät und manche nie. Also bitte kein "Gebt den Kindern das Kommando". Und Trotzköpfchen haben wir doch schon genug in der Politik.

 
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