Top Five für das erste Babyjahr

Montag, 29. September 2014



Neun Monate ist Piepsi mittlerweile alt, und da ich bei High Fidelity nicht fündig geworden bin, anbei die Top Five der besten Songs für das erste Babyjahr. Mit eurer Hilfe könnten wir es vielleicht noch zur Top Ten bringen?

1.) Für die ersten etwas lauteren Monate: Guns n'Roses - Don't Cry
2.) Für den Beikoststart: Herman's Hermits - No Milk Today
3.) Für das erste Gebrabbel: Queen - Radio Gaga
4.) Für die ersten Laufversuche: Nancy Sinatra - These Boots Are Made for Walkin'
5.) Für die ersten Stürze: Vanilla Ice - Ice Ice Baby


Und über all dem schwebt natürlich Coldplay: "Don't panic"

Elternzeit: So war das nicht geplant

Freitag, 26. September 2014



Noch ein Geständnis: Ja, ich bin eine Helikopter-Mutti. Mir bleibt das Herz stehen, wenn Piepsi sich auf wackeligen Beinchen am Couchtisch entlang hangelt, und ein heulendes Baby kann ich so gar nicht haben. Wenn Piepsi plärrt, springe ich also. Aber ehrlich gesagt: Soooo schlimm finde ich das gar nicht. Baby-Bekümmerung betrachte ich derzeit als meinen Job. Immerhin habe ich Elternzeit. Und entgegen meiner ersten Annahme hat das mit einem ein Jahr dauernden Urlaub so rein gar nichts zu tun. Jaa, Profi-Muttis dürfen an dieser Stelle laut lachen. Aber tatsächlich habe ich meinen Lieblingskollegen während meiner Schwangerschaft ungefähr das hier gesagt: "Tja, ihr hockt nächstes Jahr hier, und ich sitze im Café und trinke Latte Macchiato." Gut, ich bin in diesem Jahr tatsächlich mal in einem Café gewesen, was ich mittlerweile fast erstaunlich finde. Einen Latte habe ich auch getrunken. Aber mit den stundenlangen Kaffee-Zigaretten-Sessions meiner Studentenzeit hatte das recht wenig zu tun. Eine Freundin von mir sagte mal: "Das erste Jahr mit Baby ist Scheiße." Gut, so weit würde ich nicht gehen, aber anstrengend ist es schon. Ich bin ein altes schwerfälliges Gewohnheitstier, und wenn sich alle zwei Monate der gesamte Lebensrhythmus ändert, dann hinterlässt das Falten.
Eine andere Freundin sagt, dass das erste Jahr mit Baby das leichteste sei. Sie hat es schon hinter sich. "Jetzt muss ich erziehen." Uärks. Konsequent sein und so. Auf Gefahren hinweisen, aber nicht überängstlich sein. Vorbild sein. Grenzen setzen, Freiräume lassen. Klingt auch ganz schön anstrengend. Das einzig Gute an der Sache ist, dass ich die verkorkste Erziehung meiner Tochter künftig auf andere schieben kann. Erzieher und Lehrer. Sag ich mal so als doppelt gestraftes Lehrerkind. 

Der Papa

Dienstag, 16. September 2014



Auf dieser Seite schreibe ich ziemlich viel über Piepsi, ziemlich viel über mich, ziemlich viel über Muttis im Allgemeinen. Nur einer bleibt eher Statist: der Papa. Denn das Bloggen, das ist so ein bisschen mein Ding (bis auf die Fotos, die macht er), und ich will ihn nicht im Netz irgendwie bloßstellen und munter übers Familienleben plaudern. Heute mach ich das aber doch einmal. Ohne sein Wissen.
Es ist nämlich so: Ohne den Papa würden Piepsi und ich komplett im Chaos versinken. Gerade in den ersten Wochen nach der Geburt, als ich komplett mit Baby-Schuckeln und Stillen beschäftigt war, hat er so ziemlich alles gemacht. Putzen, einkaufen, kochen, obwohl er das gar nicht richtig kann, Behördenkram, Steuererklärung, Wäsche waschen, Baby beruhigen, mich beruhigen. An dieser Stelle noch einmal Hut ab vor allen Alleinerziehenden.
Als der Papa nach Elternzeit und drangehängtem Urlaub sah, dass das Leben mit Piepsi in der Dreimonatskolikenzeit immer noch kein leichtes war, ist er erst einmal in Teilzeit gegangen, was ihm finanzielle Einbußen brachte und ihn womöglich auch als "schwache Führungskraft" aussehen ließ. Was natürlich kompletter Unsinn ist.
Dieser Blog ist mein Ding. Aber unser Baby - das war natürlich von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt. Wir haben alles zusammen gemacht. Er ging mit mir zur Frauenärztin, zum Geburtsvorbereitungskurs, zum Babyfachmarkt. Wir haben sogar gemeinsam das Kinderzimmer gestrichen, obwohl wir handwerklich Totalausfälle sind. Aber irgendwie haben wir das hingekriegt. Gemeinsam.
Immer wieder höre ich in Mutti-Gesprächen, dass ja manche Paare, bei denen es kriselt, ein Baby machen, um wieder etwas zu haben, das sie zusammenhält. Ein neues Gesprächsthema, ein neuer Halt für eine eingefahrene Beziehung. Bei uns war es eher so, dass wir uns Gedanken darüber gemacht haben, wie ein Baby unsere schöne Beziehung belasten könnte. Tatsächlich haben wir uns früher eigentlich nie gestritten, zicken uns jetzt aber manchmal an. So richtig dummes "Kann-man-hier-nicht-mal-fünf-Minuten"-Gezicke. Aber das ist nicht schlimm. Wir wissen ja, woran das liegt. Schlafmangel, Babyüberforderung, allgemeine Ängste vor eigentlich allem. Dennoch: Wir freuen uns über jeden Tag mit Piepsi. Dem ehemals anstrengendsten, inzwischen nur noch niedlichsten Baby der Welt.
Und immer wieder gibt es dann diese Artikel, die sagen, wie wichtig eine Vaterfigur für ein Kind ist. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Immerhin gibt es doch ganzganz großartige Kinder, die nur mit einer Mutter aufwachsen. Oder mit einem Vater. Oder zwei Müttern oder zwei Vätern. Oder Kinder, die gar keine Eltern haben, sondern bei ihren Großeltern oder in einem Heim aufwachsen. Wie sehr Piepsi den Papa braucht, kann ich also nicht sagen. Aber ich. Ich brauche ihn.

Verwahrlosung und Verblödung

Sonntag, 14. September 2014


In der Schwangerschaft hatte ich mir eines vorgenommen: Komme, was da wolle - ich werde auch als Mutti jeden Tag duschen. Und tatsächlich habe ich das bislang durchgehalten, sogar in den anstrengenden ersten Wochen nach der Geburt. Denn wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte: Auch wenn ich Michael Mittermeier eigentlich nur geht-so lustig finde, habe ich "Achtung Baby" gerne gelesen, und das Kapitel "Verwahrlosung" hat mich nachhaltig beeindruckt. Nein, so wollte ich nicht werden, daher trage ich nach wie vor keine Jogginghose, sondern normale Jeans und Shirts. Okay, Kotzflecken können vorkommen, aber immerhin sind das dann Kotzflecken auf schicken Shirts und eben nicht auf Schlabberlabber. Dennoch sehe ich, wie es mit mir bergab geht. Aber auch wenn ich in diesem Jahr weder beim Frisör noch im Fitnessstudio war, ist es doch mehr der geistige denn der körperliche Verfall, der mir zu schaffen macht. Ich verblöde.
Frage an die Profi-Muttis: Wie schafft ihr es, morgens in Anwesenheit von Nachwuchs noch Zeitung zu lesen? Meine ZEIT könnte ich eigentlich abbestellen, mehr als ein bis zwei Artikel pro Woche sind nicht drin. Und abends bin ich oft so geschafft, dass ich vielleicht noch im Internet Überschriften überfliege, mehr ist aber auch nicht drin. Und Bücher... also, ich habe mal wieder eines angefangen, aber obwohl es ganz großartig ist und sich unheimlich leicht liest ("Winterjournal" von Paul Auster), pack ich abends maximal fünf Seiten. Immerhin. Seltsamerweise bin ich aber immer noch in der Lage, mir zur selben Zeit alle möglichen Babyforen reinzuziehen und bei Google Fragen einzutippen, die meistens mit einem "Ist es normal, dass..." beginnen. Es sind also nicht allein Zeitmangel und Müdigkeit, die für meine Verdummung verantwortlich zu machen sind. Es ist auch meine Besessenheit vom Thema Baby. Ich habe es bereits geschrieben: Piepsi wird ein Einzelkind bleiben. Daher habe ich vielleicht das Gefühl, wirklich ALLES mitnehmen zu müssen. Babybabybaby - bis ich es nicht mehr hören kann. Da die Entwicklung jetzt, da sie steht und womöglich bald laufen wird, etwas langsamer verläuft, könnte es tatsächlich sein, dass mir die Internetdiskussionen langsam langweilig werden. Zumal ich im Umgang mit Piepsi langsam sicherer werde. Und meine Rechtschreibung unter dem Lesen im Netz leidet. Vielleicht geht es also bald wieder bergauf mit mir. Ein paar Buchtitel für die Zeit nach der Babybesessenheit habe ich mir schon einmal notiert. 

Die lieben Nachbarn

Mittwoch, 10. September 2014

Eine Bekannte hat einmal gesagt: "Früher, da wohnten alle meine Freunde in der Innenstadt. Dann bekamen sie Kinder." Und seither ist es, als ob ins Zentrum eine Bombe eingeschlagen und alle an den Stadtrand katapultiert hätte - in Eigenheime mit Gärten. Eigenheime haben einen großen Vorteil: Die nächsten Nachbarn sind (meist) etwas weiter entfernt und kriegen daher das Familienleben nicht ganz so ungefiltert mit. Eine der Babyschwimm-Muttis ist da nämlich derzeit schwer verzweifelt. Die lieben Nachbarn beschweren sich täglich über den "Kinderlärm", nun suchen sie eine neue Wohnung, was mit zwei Kindern gar nicht so leicht ist.
Bei mir ist das so: Ich wohne in einem Haus mit acht Parteien. Das Haus ist das hässlichste in der Straße und der Stadtteil weit entfernt davon, gentrifiziert zu werden. Wir sind die Jüngsten in unserem Haus. Dann kam Piepsi und brüllte die ersten zwei Monate die Bude zusammen. Es war ein deprimierender Dezembertag und ich war fertig mit den Nerven, als es schließlich an der Tür klingelte. "Die erste Beschwerde", dachte ich. Musste ja so kommen. Ich öffnete. Vor mir stand meine Nachbarin von gegenüber. In ihren Händen: ein Tablett mit Bratäpfeln und einem Schälchen mit Walnusseis. "Ich dachte, dass Sie vielleicht eine Stärkung gebrauchen könnten." Die Geburt steckte mir noch in den Gliedern, die Hormone fuhren Karussell und ich war kurz vorm Heulen. Ich hatte tatsächlich an diesem Tag noch nichts gegessen, und meine Nachbarin war mein persönlicher Vorweihnachtsengel.
Es blieb nicht bei diesem einen Mal. In den ersten Wochen klingelte es immer wieder, manchmal stand auch einfach ein Tablett mit einem Topf und einem kleinen Zettel "Zum Aufwärmen" vor der Tür. Einmal lag auch nur ein Zettel auf der Fußmatte. Mit der frohen Ankündigung: "Heute Abend habe ich Grünkohl für Sie." Und dann, es war ein Freitag, klingelte es noch einmal. Die Nachbarin, diesmal ohne Tablett: "Es tut mir leid, ich verreise über das Wochenende und kann leider nicht für Sie kochen." Mein Mann und ich witzelten hinter der geschlossenen Tür, sie hätte ja ruhig etwas vorbereiten und einfrieren können, aber natürlich waren wir unendlich dankbar für ihr Verständnis für eine junge Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Auch jetzt, da Piepsi nicht mehr das anstrengendste, sondern nur noch das niedlichste Baby der Welt ist, ist das Interesse der Hausgemeinschaft an unserer Tochter ungebrochen. Wann immer ich mit Piepsi einem Nachbarn im Treppenhaus begegne, muss ich kurz anhalten, Baby angucken lassen und berichten, wie es ihr so geht.
Ich weiß, dass ich ein großes Glück mit diesem Haus und diesen Nachbarn habe. Was stört es mich da, dass das Haus potthässlich und die Gegend reichlich uncool sind? Die Menschen, die hier wohnen, sind zumindest ziemlich cool.

Die Muttis und der Krieg

Samstag, 6. September 2014



Nachdem ich mit dem Rückbildungskurs so ziemlich das Merkwürdigste in meinem Leben gemacht habe, ist mir davon eins geblieben: die Muttis. Mit diesen Frauen, mit denen mich nicht viel mehr verbindet als die Tatsache, dass wir alle Kinder in ähnlichem Alter haben, treffe ich mich nun einmal im Monat zum Austausch über Kinderkacke und schlaflose Nächte. Und ich muss sagen: Ich bin wirklich froh darüber. Wenn mich mit diesen Frauen - zunächst - einmal nicht viel mehr als der Nachwuchs verbindet, so habe ich doch auch bisher immer wieder Menschen kennengelernt, bei denen es ebenfalls nur eine Gemeinsamkeit gab. Dieselbe Schulklasse, derselbe Studiengang, dieselbe Praktikumsstelle, derselbe Arbeitgeber. Und daraus sind die besten aller Freundschaften entstanden. So saßen wir nun bei Milchkaffee am Bällebad: die Supermarktangestellte, die Kinesiologin, die Hochschulmitarbeiterin und die eine, die ich noch gar nicht richtig kenne, als plötzlich ein Smartphone aufleuchtete: "Waffenruhe in der Ukraine!" Und plötzlich ging es nicht mehr um Abendbrei und Globuli, sondern um Krieg. Darum, dass in diesem Jahr die ganze Welt zusammenzukrachen scheint. Darum, welche Konflikte schon fast wieder vergessen scheinen.
Natürlich habe ich mir schon vor der Geburt meiner Tochter Gedanken über Weltpolitik gemacht. Aber seither ist meine Wahrnehmung eine andere, vielleicht eine schärfere, weniger auf das Politische, auf das große Ganze gerichtet. Ein Bericht eines Vaters in der ZEIT hat mich betroffen gemacht. Der Artikel beginnt mit dem Satz: "Meine Tochter ist erst sechseinhalb und hat schon drei Kriege miterlebt." Ein Vater, der mit seiner Familie in Gaza lebt, erzählt, dass sie morgens schreiend aufwacht, weil sie geträumt hat, dass sie alle gestorben seien.
Natürlich habe ich schon vor der Geburt meiner Tochter solche Artikel gelesen. Doch heute berühren sie mich tiefer, gehen direkt ins Herz, machen Angst und betroffen. Sie rücken auch einiges zurecht. Schlaflose Nächte, ausgeräumte Mülleimer, Babybrei-Spuren durch die gesamte Wohnung - all das ist doch im Vergleich zum großen Ganzen nur eins: Kinderkacke.
 
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