Ein Plattenspieler für Piepsi

Freitag, 31. Oktober 2014

Ich habe es erst kürzlich geschrieben: Piepsi interessiert sich derzeit nur mäßig für ihr Spielzeug. Dafür für alles andere. Unser Plattenspieler und unsere Stereo-Anlage stehen auf einem mäßig hübschen braunen Möbelstück mit zwei großen Fächern, in dem bislang Schallplatten standen, die jedoch mittlerweile als Fuhrpark für Stofftiere, Fühlbücher und Rehkitz-Decken dienen. Die wiederum von Piepsi nicht beachtet werden. Im Gegensatz zum Plattenspieler und der Stereo-Anlage. Ich habe bewusst beides nicht zu völligen Tabuzonen erklärt, soll sie doch an den Knöpfen drehen und drücken wie sie will - solange sie sich nicht an dem Turm festhält und damit umkippt, schreite ich nicht ein. Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Anlage durch die Enttabuisierung ihren Reiz verliert. Tut sie aber nicht. Daher frage ich mich, warum die Spielzeughersteller nicht längst auf die Idee gekommen sind, originalgetreue Stereoanlagen aus Plastik in die Läden zu bringen. Also bitte nicht rot und blau, blinkend und mit Bärchen. Alles sollte genauso sein wie bei einer normalen Anlage, nur eben hohl und günstig. Piepsi würde voll darauf abfahren, da bin ich mir sicher. Vielleicht sollte ich mal bei Fisher Price anrufen. Und endlich reich werden. 

Slim Fit für Babys

Samstag, 25. Oktober 2014

Schön bollerig. So muss das.
Neulich, da dachte ich an die Bunte. An das Bild von Harper Beckham, der Tochter von Victoria und David Beckham, und an die Überschrift "Ist ihre kleine Harper zu dick?". Die Reaktion im Internet: Empörung! Meine Reaktion: Erleichterung. Erleichterung darüber, dass diese unfassbar dürre Frau ihr Kind offenbar mit ihrem Magerwahn verschont und sie einfach Kleinkind sein lässt. Samt dem kleinkindtypischen Babyspeck. Damit hat "Posh-Spice" schon einmal einem gewissen schwedischen Modehaus etwas voraus. Das suchte ich kürzlich eigentlich mit dem Vorhaben auf, mir eine Hose zu kaufen. Stattdessen landete ich in der Kinderabteilung. Passiert mir momentan irgendwie ständig. Und tatsächlich: Nicht nur für mich ist es schwierig, mich für einen Jeans-Schnitt zu entscheiden. Auch bei Babys gibt es da schon unterschiedliche Modelle. Zum Beispiel "Slim Fit"-Jeans in Größe 74. Zudem kann die Mutti von heute zwischen "Straight Leg" und "Relaxed Fit" wählen. Ernsthaft?? Auch wenn die Baby-Slim-Fit-Jeans irgendwelche Stretchanteile hat, so dass auch noch eine Windel an den Popo passt - was soll das denn überhaupt? Piepsi will krabbeln und sich durch die Gegend kugeln. Da muss eine Hose schön bollerig bequem sein und etwas aushalten können. Mehr nicht. Was kommt denn bitte als nächstes? Krabbelschuhe mit Pfennigabsatz? Oder Bauch-weg-Windeln? Die Bunte hat sich übrigens mittlerweile zu den vielen Reaktionen auf die Harper-Geschichte mit einem weiteren Artikel geäußert und lässt darin einen Experten zu Wort kommen. Wie gut, dass es zu allem und jedem einen Experten gibt. Der kommt zu dem Schluss, dass "die kleine Harper für die Beckhams untypisch moppeliger ist, als man erwarten dürfte." Und die Bunte selbst meint abschließend: "Vielleicht hat die Kleine ja auch einfach etwas Babyspeck." Mach Sachen!

Das lustige Quiz der Baby-Krankheiten

Donnerstag, 23. Oktober 2014



Piepsi war krank. Zum allerersten Mal. Nichts Dramatisches, ein Schnupfen, nicht einmal Fieber hatte sie. Dennoch litt ich dreifach. Zum einen war es für mich schwer zu ertragen, mein kleines Mädchen mit glasigen Augen und geröteter Nase zu sehen. Mein armes kleines Mädchen, das nicht durch die verstopfte Nase schnaufen konnte und matt im Kinderwagen hing. Zum Zweiten heulte Piepsi die ganze Nacht lang, eben weil sie nicht anständig atmen konnte, so dass auch wir keinen Schlaf kriegten. Und zum Dritten habe ich mich angesteckt. "Klassiker", sagte mir die Erzieherin aus der Krippe. Kaum geht es los mit der Betreuung, da kommen auch die Krankheiten. Gegen einiges bin ich zwar geimpft, aber nachdem ich mir das "Große Buch der Kinderkrankheiten" einmal angesehen habe, weiß ich, dass ich mich auf einiges gefasst machen kann. Vielleicht sollte ich mir ein Krankheiten-Bingo anlegen. Scharlach? Jawoll, bin dabei. Mund-Hand-Fuß-Krankheit? Treffer! Bindehautentzündung? Bingo!
Ebenfalls ein netter Zeitvertreib für Eltern: das lustige Quiz der Hautkrankheiten. Welcher Ausschlag bin ich? Fiese Schuppen, blutige Gerinnsel, weiße Pusteln, feine rötliche Sprenkel - alles dabei. Und wem danach immer noch nicht schlecht ist, dem empfehle ich diese hübsche Bildergalerie: "Stuhlgang bei Babys". Was der Windelinhalt über Babys Gesundheit aussagt. In diesem Sinne: Mahlzeit.

Mein Baby treibt mich in den Wahnsinn

Sonntag, 19. Oktober 2014

Zu früh. Viel zu früh.
Mein Baby treibt mich in den Wahnsinn.
Der Tag beginnt drei Stunden vor Sonnenaufgang mit einem Nahkampf auf dem Wickeltisch. Eine Minute still auf dem Rücken zu liegen, ist aber auch eine Zumutung. Frühstück, während NDR Info noch die Nightlounge spielt. Es ist zu früh für Nachrichten und Weltgeschehen. Eine halbe Scheibe Brot, dünn mit Butter beschmiert und in kleine Reiterchen geschnitten. Baby nimmt sich den Teller, betrachtet ihn interessiert, kippt ihn komplett aus. Also noch einmal von vorn. Sonnenaufgang, Bewegung kommt in den Tag, aber Baby bemerkt, dass es eigentlich noch gar nicht ausgeschlafen ist. Also zurück ins Bett, Händchen halt, Gemecker. Dann schläft es. Und ich? Ich könnte ja auch noch ein bisschen... so steht es doch in sämtlichen Ratgebern: "Schlafen Sie, wenn Ihr Kind schläft." Also hingelegt, noch zu viele Gedanken im Kopf, aber dann, so nach 20, 30 Minuten, so laaaangsam...zzzzzz.... doch plötzlich ein Gejaule, ich stehe senkrecht im Bett, Baby schläft schlecht, heult auf, ich hechte zu ihm, Schnulli rein, Gefahr abgewandt. Und während Baby weiterschlummert, bin ich nun wach und räume die Küche auf. Es folgen: Wickelnahkampf, Breigesaue, Mittagsschlafgemotze und wieder stundenlanges Händchenhalten. Schnell in den Supermarkt, in den Getränkemarkt, zumindest das findet Baby interessant, aber kaum daheim, räume ich die Einkäufe ein und Baby räumt aus. Meinen CD-Schrank, meinen Bücherschrank, meinen Kleiderschrank. Dann die Stunde der Verbote, "nicht die Kabel", "nicht die Steckdose", "nicht der Backofen." Dann wieder Brei, den ich anschließend vom Tisch, vom Stuhl, vom Boden, vom Baby wische. Ich weiß, was gleich folgen wird. Händchenhalten, Zubettgehgemotze, dann eine Nacht wie ein Schweizer Käse mit kleineren und größeren Löchern. Ich lege mich auf den Teppich, blicke aus dem Fenster, ich habe keine Lust. Und Baby? Kommt zu mir gekrabbelt. Krabbelt auf mich drauf. Legt das Köpfchen in diese Kuhle zwischen Schlüsselbein und Hals. Riecht gut. Vergräbt die Nase in meiner Haut. Verdammtes manipulatives Monster. Mein Gott, was hab ich dich lieb.

Egg Freezing: Perversion aus dem Silicon Valley

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Ich weiß, ich bin etwas spät dran. Aber nun muss ich doch noch etwas zum Thema "Egg Freezing" loswerden. Während auf der einen Seite das Angebot von Firmen wie Facebook oder Apple als ein Schritt in Richtung einer "wirklichen Gleichstellung" bejubelt wird, läuft es mir bei der Vorstellung, dass Frauen Eizellen einfrieren lassen, um zuerst Karriere, dann Kinder zu machen, kalt den Rücken hinunter. Ist es nicht schlimm genug, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern nahelegen, wie sie sich zu ernähren haben, wie viel Sport sie treiben und wie sie sich anziehen sollten? Mischen sich die Arbeitgeber nun auch noch in die Familienplanung ein? Überhaupt scheint mir das Argument aus dem Silicon Valley, man möge durch das Egg Freezing Frauen beides ermöglichen - Kinder und Karriere - fadenscheinig zu sein. Mal ehrlich: Wer will denn noch, nachdem er es durch harte Arbeit endlich zu einer höheren Position geschafft hat, mit Mitte 40 alles hinschmeißen und dann noch eine Familie gründen? Nein, wer erst einmal einen Chefposten innehat, der gibt ihn nur ungern wieder auf. Und am Ende steht es um die Eier wie um Moral und Ethik der Tech-Firmen: Sie bleiben eiskalt.
Statt Familienfreundlichkeit üben die Arbeitgeber sozialen Druck auf die Frauen aus: Bleibt bei uns, haut rein, Kinder könnt ihr später noch machen, wir kriegen das hin. Und wer dann doch mit Mitte 20 oder 30 ein Kind bekommt, der muss sich womöglich dafür rechtfertigen?
Für Frauen, denen durch medizinische Behandlungen wie zum Beispiel einer Chemotherapie die Unfruchtbarkeit droht, ist das "Egg Freezing" eine wunderbare Möglichkeit, ihren Kinderwunsch doch noch zu erfüllen. Aber was, wenn die Methode zur Regel wird? Wenn künftig Frauen dazu angehalten werden, erst mit Mitte 40 oder 50 Kinder auf die Welt zu bringen? Dann werden viele Enkel wohl keine Großeltern mehr kennenlernen. Denn die natürliche Lebenserwartung eines Menschen ist begrenzt. Noch. Aber wer weiß? Vielleicht arbeitet man im Silicon Valley auch hier schon an einer Lösung.

Ungewöhnliches bei der Eingewöhnung

Dienstag, 14. Oktober 2014

Kuchen. Selbst gebacken. Besser geht's nicht.


Seit Piepsi auf der Welt ist, vermisst ein Teil von mir mein altes Leben. Seit Piepsi auf der Welt ist, freue ich mich auf diesen Moment: Dass sie zur Krippe geht und ich wieder ein bisschen Zeit für mich habe. Nun ist es soweit. Aber so richtig toll fühlt es sich (noch?) nicht an. Denn ich bin einfach nicht mehr in meinem alten Leben.
Die Eingewöhnung verläuft nach dem Berliner Modell, geht also über zwei Wochen mit anfangs nur kurzen Trennungsphasen, die täglich aufgestockt werden. Wir haben Glück: Piepsis Bezugsperson mag ich sehr gerne, eine etwas ältere und sehr erfahrene Erzieherin mit einer angenehm großmütterlich-gelassenen Ausstrahlung. Für das kleinste Krippenkind die älteste Mitarbeiterin. Finde ich gut. Auch sonst ist es bislang gut gelaufen. Piepsi ist neugierig, hat Spaß am Spiel mit den älteren Kindern, den Erzieherinnen und Erziehern (jaja, da gibt es auch einen Mann!). Und ich, ja ich werde mich vielleicht auch einmal daran gewöhnen, dass mein kleines Mädchen jetzt auch ein paar Stunden am Tag ohne mich verbringt. Stunden, die ich bald wieder im Büro verbringen werde, momentan aber ganz für mich genießen könnte. Wenn ich nicht ständig an Piepsi denken würde. "Aber das lernst du auch noch", hat mir die Erzieherin gesagt.
Ein paar Dinge finde ich dann doch etwas befremdlich an diesem Krippen-Ding. Wobei ich nicht denke, dass das speziell an unserer Krippe liegt. Die ist nämlich bereits von unserem Freundeskreis erprobt und macht wirklich einen netten Eindruck. Aber.
Da ist erst einmal dieses Krippeninfoblatt. Mit der Ansage, dass ein krankes Kind binnen 30 Minuten abzuholen ist. Wer in der Lage ist, auf der Arbeit alles auf einen Schlag stehen und liegen zu lassen, ins Auto zu hasten und binnen weniger Minuten in die Krippe zu düsen, der hebe die Hand. Stelle ich mir so vor: Die Herzchirurgin fummelt mit blutverschmierten Händen in einem Körper rum, dann Anruf der Krippe, sie so: "Sorry, Leute. Ich muss los." Und weg.
Weiter im Infoblatt: "In der Krippe wird jeder Geburtstag gefeiert. Von den Eltern ist ein Kuchen mitzubringen." Aha. Was darf's denn sein? Irgendwelche speziellen Vorlieben? Und was, wenn bei uns aus irgendwelchen Gründen Geburtstage nicht gefeiert werden? Oder die Amateurmutti nur ganz grausam backen kann? Naja, eine Backmischung dürfte ich auch noch hinbekommen... Allerdings würde mir das Backen mehr Spaß machen, wenn es freiwillig geschähe.
Dann der Info-Fragebogen der Krippe: Wer hat sich bitte diese Fragen einfallen lassen? "Wie verlief die Schwangerschaft?", kann ich vielleicht noch halbwegs nachvollziehen, aber "War die Schwangerschaft geplant?", geht nun mal gar nicht. Bei Twitter wurde mir vorgeschlagen, doch bitte zu schreiben: "Nee, ist im Suff passiert." Aber im Ernst: Was macht es denn für einen Unterschied, ob ein Kind nach jahrelanger Kinderwunschbehandlung, bei einem One-Night-Stand oder schlimmstenfalls sogar bei einer Vergewaltigung gezeugt wurde? Sollten die Erzieher nicht einfach die Kinder so annehmen, wie sie eben sind? Ich habe jedenfalls Piepsis Betreuerin gesagt, dass ich die Frage unmöglich finde. Sie hat mir zugestimmt. Und bei der nächstbesten Gelegenheit werde ich das ihrer Chefin auch noch einmal sagen.
Bis dahin genießt Piepsi aber erst einmal das Spiel mit den anderen Kindern im kleinen Gruppenbällebad. Und dabei ist es ganz egal, ob sie geplant waren oder nicht. Willkommen sind sie auf jeden Fall.  

Was meine 9 Monate alte Tochter begeistert

Mittwoch, 8. Oktober 2014



Dinge, die meine 9 Monate alte Tochter momentan interessieren:

1. Der Plattenspieler (kaputt)
2. Der Zeitungsstapel (geschreddert, teilweise gegessen)
3. Die Bücher aus dem Regal (teilweise geschreddert, teilweise gegessen, teilweise weggesperrt)
4. Mamas iPad (tabu, weggesperrt)
5. Topfpflanzen (teilweise gegessen, weggesperrt)
6. Das Licht im Backofen (total tabu, Baby fliegt hochkant aus der Küche)
7. Die Katze von Freunden (konnte sich selbst retten)

Dinge, die meine 9 Monate alte Tochter derzeit NICHT interessieren:

1. Alle ihre Spielsachen

Der erste Urlaub mit Baby: Wie wir es besser gemacht hätten

Sonntag, 5. Oktober 2014



Der erste Urlaub mit Baby ist überstanden. Jetzt bräuchte ich erst mal eine Woche Urlaub, um mich davon zu erholen. Schön war's. Auf jeden Fall. Aber auch anstrengend. Vielleicht hätten wir es etwas leichter haben können, wenn wir ein paar Sachen bedacht hätten.
1.) Nutze die Immobilität eures Babys: Als wir unser Häuschen an der Ostsee buchten, war es April und wir hatten keine Ahnung, was Piepsi im September so alles draufhaben würde.  Und selbst wenn wir es gewusst hätten, hätten wir nicht gewusst, was das bedeutet. Aber künftig werde ich allen Eltern ungebetenerweise den Ratschlag geben, mit dem Baby zu verreisen, wenn es noch nicht krabbeln und stehen kann. Wir sind in diesen paar Tagen ständig unserer Kleinen hinterhergeflitzt, um sie davon abzuhalten, etwas zu zerdeppern oder sich zu verletzen. "Nein, Piepsi, nicht die Vase." "Nein, Piepsi, das kann kippen." "Nein, Piepsi, nicht das Kabel." "Nein, Piepsi, nicht den Stein essen", und immer wieder: "Nein, Piepsi, nicht die Steckdose". Müüühsam. Also: Am besten wegfahren, wenn Baby noch die stabile Rückenlage bevorzugt.
2.) Wir hätten länger bleiben sollen: Gerade als Piepsi sich ans Reisebett und die neue Umgebung gewöhnt hatte, gerade als wir verstanden hatten, welche Möbel unsere Steh-Maus tatsächlich halten, gerade als wir auch die letzten wirklich gefährlichen Gegenstände (Kerzenhalter, Deko-Gedöns) in der Abstellkammer verstaut hatten, gerade als wir Waschmaschine und Trockner verstanden hatten - tja, gerade da ging es wieder nach Hause. Ein paar Tage mehr hätten es dann, am Punkt der lang ersehnten Entspannung, gerne sein dürfen.
3.) Wir hätten inkonsequent sein sollen: Hier daheim haben wir einen klaren Rhythmus und feste Schlafens- und Essenszeiten. Das soll Piepsi Halt geben, ihr beim Schlafen helfen, und ich glaube wirklich, dass es das auch tut. Im Urlaub hingegen - nicht. Da ist alles so neu und aufregend, da kann man von einem Baby einfach nicht erwarten, dass es da schläft, wenn es schlafen sollte. Haben wir schließlich auch nicht mehr. Und uns dafür lieber zu dritt einen Sonnenuntergang am Strand angesehen. Die unruhige Nacht war's wert.
Was allerdings goldrichtig war: die Ostsee als Urlaubziel und ein Ferienhäuschen als Rückzugsort. Bei uns beginnt der Tag eben um 5 Uhr morgens, welches Hotel, so familienfreundlich es auch sein mag, kann einem um diese Uhrzeit schon ein Frühstückchen bieten? So hatten wir keine Zimmernachbarn, die sich über nächtliche Babyturnstunden ärgerten, dafür eine Waschmaschine für kleinere und größere Unfälle - und die absolute Unabhängigkeit. Schließlich noch den Strand direkt vor der Haustür. Ein wunderbares Gefühl, das sich einem da warm ums Herz legt, wenn man sein Baby das erste Mal im Sand wühlen sieht. Auch wenn ich immer wieder sagen musste: "Piepsi, nicht den Sand da essen."

Mutter Rabe und der Boden der Tatsachen

Donnerstag, 2. Oktober 2014



"Grüß dich, Mutter Rabe."

"Oh, Boden der Tatsachen. Bist du's?"

"So sieht's aus. Ich habe dich früher erwartet. Was hat dich so lange aufgehalten?"

"Ach, weißt du. Ich hab so irre viel gelesen. Über den demographischen Wandel und Kinderfreundlichkeit und Familienpolitik und die Bedeutung von Kindern für die Gesellschaft und so. Vereinbarkeit von Kind und Karriere, den ganzen Kram eben."

"So."

"Ja, aber Karriere hatte ich doch gar nie wirklich vor. Klar, so ein bisschen im Hinterkopf, immer gehofft und so. Aber andere sind da halt einfach besser, vielleicht etwas zielstrebiger, nicht so vergrübelt. Aber zumindest berufstätig, das sollte doch sein, und dann hab ich irre viel über Krippenbetreuung nachgedacht und dann gemerkt, dass die Betreuungszeiten ja gar nicht zu meinen Arbeitszeiten passen."

"So. Und nun?"

"Tja. Nun bin ich bei dir angekommen. Hast du vielleicht einen Tipp für mich, was ich da machen kann?"

"Einen Tipp? Tut mir leid. Ich bin der Boden der Tatsachen. Ich gebe keine Tipps. Ich bin einfach. Aber lass dir gesagt sein, Mutter Rabe: Du bist nur ein kleiner Vogel. Ich habe schon ganz andere Piepmätze von viel höheren Ästen zu mir herabsegeln sehen."

"Aha. Und was mach ich nun, hier unten bei dir?"

"Das kann ich dir auch nicht sagen. Aber leg dich doch einfach mal einen Moment lang mal auf den Rücken, blick nach oben und atme einmal tief durch. Ich habe gehört, dass das für manche etwas sehr Befreiendes haben soll."
 
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