Erziehung: Ich hab's versaut

Sonntag, 28. Dezember 2014

Hab ich's versaut? Diese Sache mit der Erziehung? Kann es sein, dass meine Tochter gerade mal 12 Monate alt ist und ich bereits den Grundstein für eine Schreckensherrschaft gelegt habe? Dreiviertel des Tages ist Piepsi tatsächlich das niedlichste Baby der Welt, das schäkert, durch die Wohnung watschelt, seine Spielsachen überall verteilt und grinsend in die Hände klatscht. Aber den Rest des Tages... Gewickelt werden? Tobsuchtsanfall. Teller leer? Tobsuchtsanfall. Jacke anziehen? Tobsuchtsanfall. Nicht an der Steckdose rumfummeln dürfen? Tobsuchtsanfall. Nicht mit dem Trommelklöppel auf der Stereoanlage herumklöppeln dürfen? Ja, genau.
Kleiner Einschub: Eine meiner besten Freundinnen hat Piepsi doch tatsächlich zum Geburtstag eine Trommel geschenkt. Ich habe kurz darüber nachgedacht, die Freundschaft spontan aufzukündigen, aber meine Freundin hat sich nur totgelacht, als ich mit den Worten: "Du bist soooo gemein", das Geschenk öffnete. Aber zurück zum Thema: meine trotzige Tochter, die doch erst in einem Jahr richtig trotzen sollte? Also habe ich schnell meinen Freund Google befragt: "Ist es normal, dass....?" Die Antwort: Ja, ist es. Aber weiß Google auch, WIE KRASS diese Tobsuchtsanfälle sind? Und wenn diese jetzigen Wutanfälle normal sein sollen - wie sieht dann bitte die Trotzphase aus? Schnell mal gegoogelt. Ich habe gelesen von Kindern, die ihren Kopf aus Wut auf den Boden donnern (kenn ich schon...). Von Kindern, die ihre Eltern treten und beißen (beißen wurde beim Fingernägelschneiden bereits versucht...). Die vor lauter überbordender Gefühle in die Hose machen und sich auf jede erdenkliche Weise selbst verletzen.
Ich habe Angst.
Ich lese auch immer wieder vom "Grenzen Setzen". Versuche ich ja. Backofen, Steckdose, Stereoanlagengeklöppel - das ist natürlich alles "NEIN!". Aber dafür grinst mich die Maus nur fröhlich an und fummelt oder klöppelt weiter. Bis ich sie mir dann schnappe und sie wegsetze oder umhertrage. So dass ich mich inzwischen frage, ob ich sie vielleicht dazu erzogen habe, an den Backofen zu packen, wenn sie auf den Arm will. Dabei nehme ich sie doch eh schon ständig auf den Arm... Wie gesagt: Ich hab's wohl versaut.
Zugleich lese ich, dass das alles sogar so sein muss, dass diese Gefühle raus müssen, und dass alles besser wird, wenn die Kinder sich erst einmal verbal ausdrücken können. Hm. Das muss ich dann wohl aussitzen. Oder meine Tochter dazu animieren, doch ganz schnell sprechen zu lernen. Piepsi, sag doch mal: "Mama, Papa, Ball..."

Bernd aus der Muckibude

Sonntag, 21. Dezember 2014

"Mutter Rabe, es tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass Sie keinen einzigen Muskel mehr besitzen."
"Och, ehrlich? Nicht mal so einen ganz kleinen?"
"Nein, tut mir leid. Nicht einen einzigen."
So in etwa verlief mein Gespräch beim Orthopäden, den ich kürzlich wegen "Rücken" aufsuchte. Also beschloss ich, etwas Unglaubliches zu tun und bin an einem Morgen, während Piepsi in der Krippe war, ins Fitnessstudio gegangen. Ich bin dort schon seit Längerem Mitglied, allerdings kennt man mich dort nicht. Und um 10 Uhr an einem Mittwochmorgen treiben sich dort auch nur ein paar Hausfrauen, Studenten und diese erschreckend fitten Rentner herum. Und ein paar wenige, die in Schicht arbeiten und sich vor dem Gang in die Firma noch mal richtig auspowern wollen. Während ich absurde Fliegengewichte stemmte, haben sich genau diese Schichtler über Bernd unterhalten. Denn Bernd ist sonst auch immer vormittags mit von der Partie, wie ich dem Gespräch entnommen habe. Aber jetzt drückt sich der Bernd. "Macht erstmal schööööön Elternzeit, und seine Frau auch", hat ein Mann mit grauen Schläfen und Muskelshirt zu einem Kahlrasierten gesagt. Schöööön Elternzeit, die faule Socke. Da hab ich doch glatt nochmal ein halbes Kilo auf die Maschine gepackt. Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Bekannten, der aus der Elternzeit zurück ins Büro kam und den legendären Satz sagte: "Endlich wieder Büro!" Jawohl. Büro ist zwar oft anstrengend, manchmal auch nervig, aber immerhin gibt es Kaffee, den man heiß und ohne Eile trinken darf, zudem kann man hier ungestört aufs Klo gehen. Herz, was begehrst du mehr?
Im Ernst: Elternzeit ist keine Urlaubszeit. Okay, es gibt diese Schlafbabys, die nach fünf Minuten Knisterbuchgeknister unterm Spielebogen einschlafen, während Mutti die komplette Ausgabe der Zeit durchliest. Wurde mir gesagt. Die meisten Muttis, die ich kenne, haben sich jedoch wieder auf ihre Arbeit gefreut. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Besagter Klogang, besagter Kaffee. Der Luxus, mal acht Stunden am Stück ein Oberteil tragen zu dürfen, ohne dass es vollgekotzt wird. Sich mal wieder richtig geistig betätigen, jenseits von "Wie macht die Kuh?". Weil es gut ist fürs Ego und  auch einfach notwendig, wieder selbst Geld zu verdienen. Weil man mal wieder über andere Dinge redet als übers Durchschlafen und Kinderkacke. Sicher: Die Elternzeit war eine tolle Zeit. Eine erfahrungsreiche, eine absolut einzigartige. Es war auch schön, einmal aus dem Büro herauszukommen und sich ganz auf sein Kind konzentrieren zu können. Ich bin froh, dass ich ein Jahr Elternzeit nehmen konnte. In meiner Krippe musste eine Mutter ihr Kind schweren Herzens schon nach acht Wochen in die Fremdbetreuung geben, da sie alleinerziehend ist und einfach mehr Kohle rankarren muss. Elternzeit ist Luxus, aber eins ist sie ganz sicher nicht: ein Wellnessurlaub. Und ich bin mir sicher, dass es auch in Bernds Elternzeit den einen oder anderen Moment gegeben hat, in dem er lieber im Fitnessstudio gewesen wäre, als Babybrei vom Boden aufzuwischen und den Windeleimer zu leeren. Zunindest nehme ich das an. Aber was weiß ich schon. Ich Fliegengewicht.

Ein Jahr Piepsi! Das Ende der Babyzeit - eine kleine Bilanz

Mittwoch, 17. Dezember 2014



Es ist soweit: Meine Tochter wird ein Jahr alt. Damit endet ganz offiziell die Babyzeit und es beginnt das Kleinkindzeitalter. Mit dem Trotz und der Entdeckung des eigenen Willens macht sich Piepsi jetzt schon mal vertraut... Mit der Babyzeit endet auch meine Elternzeit, nach ein paar Resturlaubstagen starte ich im Januar wieder mit meiner Arbeit.
Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückschaue, habe ich gemischte Gefühle. Ich werde etwas traurig, wenn ich an die ersten harten Tage und Wochen mit Piepsi denke und daran, wie anders ich mir doch den Start ins Familienleben vorgestellt hatte. Und dann sehe ich meinen Zwerg, der hier durch die Wohnung tapst, die Strumpfhose im Klo versenkt, die Wäscheklammern in die Waschmaschine stopft und die Klopapierrolle einmal komplett entwickelt, und denke mir: Jungejunge, wir haben es schon weit gebracht. Ein paar Dinge werde ich vermissen. Und bei anderen bin ich froh, dass sie vorbei sind.
Was ich vermissen werde:
  • Ich bin noch nie so viel spazieren gegangen wie im vergangenen Jahr. Es gibt nichts Schöneres, als das eigene friedlich schlummernde Baby vor sich herzuschieben. Ich muss mit einem ziemlich dusselig-entrückten Gesichtsausdruck die Kleine durchs Viertel geschoben haben. Auch heute gehe ich noch gerne mit meiner Tochter spazieren. Nur Schlafen ist dann nicht mehr unbedingt angesagt. Dafür meckert sie gerne mal. Weil sie Bewegungsdrang hat, weil sie es langweilig findet, weil... ach keine Ahnung, warum. Ist ja nicht so, als ob ich meine Tochter verstehen würde.
  • Mit Piepsi in den Tag hineinzuleben. Künftig muss alles genau geplant und getimt werden. Arbeit, Krippe, Arzttermine - alle Zahnrädchen müssen ineinandergreifen, damit unser Familienleben funktioniert. Bislang war es so, dass ich meine Tochter einfach schlafen gelegt habe, wenn sie müde war. Wenn es ihr nicht gut ging, habe ich kurz in der Krippe angerufen und bin mit ihr zum Arzt gegangen. Und wenn wir zu Hause waren, haben wir miteinander gespielt. Ich konnte mich einfach komplett nach ihr richten. Das wird künftig nicht mehr möglich sein. Es wird für mich schwer werden, mich morgens aus der Wohnung zu schleichen und ihr keinen Guten-Morgen-Kuss geben zu können. Aber auch daran werde ich mich gewöhnen müssen.
  • Die Muttis! Ja, aus unserer verrückten Rückbildungsgruppe hat sich tatsächlich ein Krabbelgrüppchen herauskristallisiert, das sich einmal im Monat zur Frustbewältigung trifft. Die einen sind schon wieder schwanger (Hilfe!), die anderen haben noch länger Elternzeit. Wir sind nur zwei Muttis, die nach einem Jahr wieder ins Berufsleben einsteigen - und zu den monatlichen Vormittagstreffen wohl künftig nicht mehr kommen werden. Dafür dann halt mal abends. Mit Bier und ohne Kind.
Was ich NICHT vermissen werde:
  • Natürlich das Geschrei der ersten Wochen. Wenn ich daran zurückdenke, wird mir immer noch ganz anders. Und jetzt habe ich so eine Grinsebacke zu Hause, unglaublich. Wobei - Piepsi kann auch anders. Wenn sensibel auf temperamentvoll trifft, geht es nunmal hoch her. Wir sprechen uns in der Trotzphase....
  • Das Stillen. Ja, ich weiß, es ist wichtig, und ich habe es auch sechs Monate lang durchgezogen. Ich kann auch nicht meckern - Stillen hat von Anfang an gut funktioniert und war vor allem nachts praktisch. Allerdings hatte Piepsi auch alle zwei Stunden Durst, wodurch ich immer nur sehr kleine Zeitfenster für Besorgungen und Verabredungen hatte, zum anderen konnte ich mich einfach nie so recht an das Stillen in der Öffentlichkeit gewöhnen. Und schließlich hat es mich körperlich etwas fertig gemacht, Piepsi hat mich förmlich ausgesaugt. Aber gut - wir haben es ganz nach Lehrplan durchgezogen und sind dann auf Beikost umgestiegen. Die freudig löffelnd angenommen wurde. Jetzt bin ich froh, mich nicht mehr regelmäßig in Cafés entblößen zu müssen und wieder normale Shirts und BHs tragen zu können.
  • Den ganzen Tag Bababubu. Ja, ich weiß: Ich habe gerade erst geschrieben, wie schön es ist, so flexibel mit Piepsi zu sein und so viel Zeit zu haben. Aber gleichzeitig freu ich mich auch darauf, wieder mehr unter Erwachsene zu kommen und wieder ins Büro zu gehen und mich über anderes als Kinderkacke zu unterhalten.
Tja, und nun? War das ein besonders schönes oder ein besonders schlimmes Jahr? Irgendwie... beides! Es war auf jeden Fall ein besonders lebendiges Jahr. Früher war das doch schon mal so. Da meinte man, irre viel irre intensiv erlebt zu haben. Und stellte im Nachhinein fest: Mensch, das war ja nur ein Sommer! Aber irgendwann ging es dann los mit dem Berufsleben und rein in die Mühle. Und dann waren da der graue Jahresbeginn, Fasching, Ostern, Sommerreifen, Schimpfen auf die Hitze, das überfüllte Freibad, Schimpfen auf Schokonikoläuse im September, Winterreifen, grauer November, Weihnachten und "Was machst du an Silvester?". Und schwuppdiwupp vergehen die Jahre, eins wie das andere. Aber an das vergangene Jahr werde ich mich immer erinnern. An jeden verdammten Monat. Herzlichen Glückwunsch, meine Kleine! Ich bin froh, dass es dich gibt!

Was ich vor der Geburt gerne gewusst hätte

Montag, 15. Dezember 2014

Hat im Kreißsaal nichts zu suchen: Teddy Claus-Dieter.
In den vergangenen Monaten hatten einige Freunde Redebedarf. Redebedarf, "Ich muss dir was sagen" sowie "Also, die Sache ist so..." bedeutete eigentlich immer eins: schwanger! Und da ich irgendwie als eine der Ersten im Freundeskreis geworfen habe, werde ich Amateurmutti plötzlich als Profimutti abgestempelt und um Rat gefragt. Haha! Als ob ich 'ne Ahnung hätte, wie dieses Babyding geht! Aber tatsächlich ist es so: Es gibt da ein paar Dinge, die mir vor der Geburt unserer Tochter nicht klar waren. Ich habe zwar ziemlich viel gegoogelt und gelesen in der Schwangerschaft, aber dabei ging es im Grunde vor allem um eins: um den B-Day. Den Birthday. Die Geburt, vor der ich ziemlichen Respekt hatte. Ach was, Respekt! Ich hatte Schiss! Und habe daher ziemlich viele Geburtsberichte und Artikel über mögliche Komplikationen gelesen. Baby bleibt stecken, unzureichende Sauerstoffsättigung, Unterzuckerung, usw. Mein Mann war zwar der Ansicht, dass es wenig förderlich sei, dass ich mich auf Seiten à la "Die 10 schlimmsten Geburten aller Zeiten" tummle, zumal im Internet doch eh hauptsächlich Leute schreiben, bei denen die Geburt vielleicht nicht so klasse lief, aber das konnte mich nicht davon abhalten. Und irgendwann während der Schwangerschaft kam dann tatsächlich auch der Punkt, an dem ich Paniktante von Hysterie auf arschcool umschaltete. Ich war entspannt. Und die Geburt? Am Ende gar nicht so schlimm. Nur auf das, was danach kam, war ich kaum vorbereitet. Irgendwie dachte ich, dass wenn das Baby erst einmal da ist, die Sache schon laufen würde. Aber ein paar Dinge hätte ich für die ersten Babytage doch ganz gerne gewusst. Und vielleicht hätte ich sie auch wissen können, wenn ich im Geburtsvorbereitungskurs nicht so viel gequatscht oder so viel Zeit auf dem Klo verbracht hätte. Man verbringt ja gefühlt die halbe Schwangerschaft auf dem Klo. Also Folgendes:
  • Wenn ein Baby auf die Welt kommt, kann es NICHTS. Gar nichts. Es sieht so gut wie nichts und es weiß mit seinen Fingern nichts anzufangen. Die kleine Plüschteddyrassel, die ich meinem frisch geborenen Baby feierlich als allererstes Spielzeug überreichen wollte, hätte ich also getrost zu Hause lassen können...
  • Nein, euer Baby hat keine Krämpfe oder epileptische Anfälle, das ist nur der Moro-Reflex. Davon hatte ich zwar in der Schwangerschaft mal gelesen, aber ich wusste nicht genau, wie ich mir das vorstellen sollte. Dabei kann man es sich im Internet ansehen. Das Baby zuckt ruckartig zusammen, wirft Arme und Beine kurz in die Luft, als würde es erschrecken. So ein bisschen wie dieses Gefühl, das man manchmal beim Einschlafen hat. Dieses "Ins-Leere-Treten". Ist komplett harmlos und vergeht nach etwa drei Monaten auch wieder. 
  • Euer Baby hat keinen an der Waffel - es hat einfach noch keine Kontrolle über die Pupillen. Wenn ein Neugeborenes schielt oder mal eben die Pupillen seltsam zur Seite rollen, dann ist auch das - völlig normal.
  • Neugeborene sind oft nicht hübsch. Okay, das wusste ich vorher, und Piepsi war wirklich von Anfang an sehr niedlich, wurde aber mit zunehmendem Alter noch niedlicher. Aber auch meine Tochter kam leicht bläulich und noch leicht zerknittert zur Welt und war dann ein, zwei Tage lang etwas gelblich. Neugeborenengelbsucht ist nicht selten und meistens kein Grund zur Panik, siehe hier. Und auch eine etwas eingedrückte Boxernase und die runzligen Händchen werden ganz bald schön propper und wohlgeformt. 
  • Babys machen nachts abartige Geräusche. Nicht nur das berühmte "Karcheln", sondern auch seltsame Zwitscher- und Krählaute. Manchmal klang es, als hätten wir einen halben Zoo in unserem Schlafzimmer, dann wieder wie eine Mischung aus Darth Vader und R2D2. Zudem schlief Piepsi manchmal mit offenen Augen. Auch irgendwie erschreckend. Und auch irgendwie normal.
Und schließlich noch der Abschlusstipp für alle Anfänger-Muttis: Für mich war das Wichtigste in den ersten völlig verrückten und anstrengenden Tagen nach der Geburt eine gute Hebamme! Was hätte ich nur ohne sie gemacht? Mit Schwangerschaft und Geburt verliert Frau ja auch erst einmal etwas Menschenwürde (allerdings auch die meisten Hemmungen...), insofern finde ich es wichtig, eine Hebamme zu haben, der man wirklich vertraut und vor der einem nichts peinlich ist. Meine Hebamme kann sich in diesem Jahr jedenfalls auf etwas gefasst machen. Nämlich auf ein ziemlich dickes Weihnachtsgeschenk. 

Hilfe! Ich mutiere zur Contest-Mutti!

Freitag, 12. Dezember 2014

Damals, als ich noch kein Kind hatte, habe ich einmal gesagt, dass ich Muttis ziemlich ätzend finde - eine Aussage, die mir heute öfters mal vorgehalten wird. Dabei habe ich damals eine ganz besondere Spezies Muttis gemeint, die mich nach wie vor nervt: die Contest-Muttis. Die "Mein-Kind-kann-schon"-Muttis. Das Problem ist nur: Ich habe gerade die Sorge, selbst so eine Mutti zu werden. Dabei will ich das doch gar nicht! Aber letztens traf ich eine Mutti aus dem Rückbildungskurs: "Na, was treibst du so?", fragte sie mich. Und ich so: "Komme gerade vom Schuhekaufen. Piepsi läuft seit zwei Wochen, verdammt, was sind die Dinger teuer. Und halten tun sie gerade mal ein paar Wochen, wurde mir gesagt." Und dann die andere Mutti: "Oh. Naja. So weit ist es bei uns wohl noch lange nicht." Bämm, da war es! Ich, die Contest-Mutti! Mein Kind läuft schon. Und weil mir das in diesem Moment auch bewusst ist, relativiere ich sofort alles. "Jaaa, dafür sind die Nächte aber immer noch echt nervig, an ein Durchschlafen nicht zu denken." Oder: "Aber hey, Kinderwagenfahren geht dafür gar nicht mehr, sie kann einfach nicht still sitzen." Oder aber, wenn mich die Mutti noch nicht kennt und nur mein grinsend vor sich hinwatschelndes Kind sieht: "Aber hey, sie war die ersten Wochen ein richtig hartes Schreibaby." Sprich: Ich sage einfach irgendwas, um nicht in den Verdacht zu geraten, mein Kind für das geilste Kind im Universum zu halten. Dabei ist es natürlich das geilste Kind im Universum. Ist ja schließlich meins. Und niedlich ist es auch noch! Aber ihr wisst, was ich meine. Ich denke nicht, dass ich Piepsi verkläre. Ich liebe sie aber einfach, also finde ich sie natürlich großartig. Aber angeben will ich nicht mit meinem Baby. Aber mein eigenes Kind schlecht machen, will ich eigentlich auch nicht. Puh, gar nicht so leicht. Der Trost: Bald ist die Zeit dieser großen Meilensteine erst einmal vorbei. Dann werden nicht mehr Zähne gezählt, dann geht es nicht mehr darum, ob das Kind schon krabbeln oder laufen kann und ob es schon "Mama" und "Papa" sagt. Bald sind Piepsi und ihre Altersgenossen so alt, dass sie das alles drauf haben. Und dann können wir uns endlich wieder auf das konzentieren, worum es wirklich geht: auf Duplo!

Ich beneide mein Baby

Sonntag, 7. Dezember 2014

Seit ich ein Baby habe, passiert es mir immer wieder, dass ich mein eigenes Kind um sein Leben beneide. Immer wieder denke ich: "Mann, hat die's gut." Wenn wir spazieren gehen, die Kleine warm eingemümmelt im Kinderwagen liegt, durch den Wald geschoben wird, bis irgendwann die Augen zufallen, denke ich: "Wie gemütlich." Wie herrlich, eine Existenz, die sich ums Schlafen, Essen und Spielen dreht! Wie gerne würde ich mich in meine eigene Babyzeit zurückbeamen, um das noch einmal erleben zu dürfen. Nur leiderleider scheint ein Baby diese Zeit ganz anders zu empfinden. Für Piepsi muss sich das etwa so anfühlen:
"Waaaaaaaaaaaaas soll ich? Schlafen? Ich glaube, bei euch piept's! Ich muss doch laufenlaufenlaufen lernen! Besser werden und schneller! Und hüpfen kann ich auch noch nicht! Und sprechen auch nicht! Ist mir egal, dass es zwei Uhr nachts ist, ich muss sprechen lernen. Also los: dadadadadada! Und in den Kinderwagen soll ich? Laaaaaaangweilig! Den Wald kenn ich doch schon! Und ich muss doch laufenlaufenlaufen lernen! Und hab ich das mit dem Sprechen schon erwähnt? Dadadadadada!"
Was für ein Jammer. Hat das beste aller Leben und weiß es nicht einmal. Aber wer weiß? Vielleicht schaffe ich es ja tatsächlich, so etwas wie alt zu werden. Dann werde ich an diese Zeit hier zurückdenken und mir ebenfalls sagen: Mensch, was hattest du es doch gut. Also: genießen! Das Hier und Jetzt. Auch wenn Baby nachts um zwei eine Party schmeißt. Dadadadadada!

Mein Baby läuft - und was macht Frau Merkel?

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Piepsi ist 11 Monate alt. Und Piepsi läuft. Gut, bei Heidi Klum würde sie für ihr Gestakse wohl kein Foto bekommen, und auch am Moon Walk müssen wir noch arbeiten, aber sie bewegt sich vorwärts, und das ganz ohne Hilfe. Und alle so: "Oh wow, Piepsi läuft, und das so früh, der helle Wahnsinn!" Und ich so: "Ja."
Natürlich freue ich mich, dass bei meiner Kleinen motorisch alles rund läuft, aber irgendwie dachte ich, ich würde bei diesem "Meilenstein", wie es immer in den Ratgebern heißt, komplett ausflippen. Tu ich aber nicht. Vielleicht bin ich einfach zu müde dafür, vielleicht kam es auch einfach nicht sooo überraschend, da sie schon seit ein paar Wochen an Möbeln entlang läuft, vielleicht wird die Freude auch etwas getrübt von den fetten Beulen, die dieser "Meilenstein" in den vergangenen Tagen mit sich gebracht hat, zumal ich so langsam einsehe, dass unsere Wohnung zu den gefährlichsten Orten der Welt gehört.
Natürlich erzähle ich allen meinen Freunden, dass meine Lütte jetzt laufen kann, aber im Grunde ist es Blödsinn, das so groß zu feiern. Genauso wie es Blödsinn ist, Babys zu bedauern, die erst mit 18 Monaten laufen lernen. Ich meine: Wann genau hat Angela Merkel noch einmal das Laufen gelernt? Wann war es bei Albert Einstein endlich so weit? Wann bei Alexander Gerst? Letzterer hat es doch immerhin ins Weltall geschafft, da muss der doch sicher schon mit 9 Monaten auf eigenen Füßen unterwegs gewesen sein, nicht? Wie jetzt, wissense nicht? Könnte womöglich daran liegen, dass es eigentlich gar nicht so wichtig ist, oder? Nicht wirklich wichtig. Aber wirklich schön. Daher: Piepsi, ich freu mich für dich, dass du neugieriges verrücktes Wesen diese Welt jetzt noch besser und schneller entdecken kannst, als du es ohnehin schon tust. Dass es dir egal ist, wie oft du auf deinen Windelhintern fällst, und du emsig weiterwatschelst. Und dass du endlich einen neuen Weg gefunden hast, mich in den Wahnsinn zu treiben.

 
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