Ich habe fertig

Montag, 14. Dezember 2015

Diese Woche wird meine kleine Tochter zwei Jahre alt. In den vergangenen Jahren habe ich viel über schlaflose Nächte, ein untröstbares Baby, über den ersten Brei, die Krippeneingewöhnung und den Wiedereinstieg ins Berufsleben geschrieben. Und erst vor wenigen Tagen habe ich eine lange und sehr freundliche Email erhalten. Eine Leserin schrieb mir, wie gerne sie meinen Blog lese und fragte, wie ich das denn alles hinbekomme: Job, Kind, Beziehung - und Blog. Die Sache ist nur: Ich bekomme es nicht hin. Ehrlich nicht. Ich sehe diese anderen Blogger, die regelmäßig schreiben und auf sämtlichen sozialen Netzwerken präsent sind. Die auf anderen Blogs kommentieren und bei Twitter diskutieren. Ich schaffe es kaum, auf Kommentare zu reagieren. Und auch die nette Email habe ich noch nicht beantwortet. Werde es aber gleich tun. Dann ist aber auch gut. Dieser Blog wird geschlossen.
Ich hatte bereits vor einem Jahr darüber nachgedacht, "dicht" zu machen. Weil es mir hier langsam zu persönlich wird und ich doch die Sorge habe, dass meine kleine Tochter mir einmal mein Geblogge übel nehmen wird. Das denke ich immer noch. Und schließlich kommt noch ein dritter Grund dazu: Ich habe einen kleinen Familiy-Overkill. Ich liebe es zu bloggen. Ich werde das Bloggen vermissen. Ich habe zig Themen im Kopf, über die ich gerne einmal schreiben würde. Aber nur die wenigsten davon drehen sich um das Leben mit Kind. Ich kann verstehen, dass die Groß-Bloggerin Mama Miez irgendwann nicht mehr Mama Miez, sondern wieder Pia sein wollte. Auch bei mir ist der tägliche Familienwahnsinn inzwischen Teil des Systems geworden. Ich bin zwar nach wie vor Amateurmutti, aber eben auch Amateurköchin, Amateurkarrieristin, Amateur-Rock'n-Rollerin. Lebensamateurin durch und durch. Da ich bezweifle, dass sich jemand für meinen allgemeinen Gedankensenf interessieren könnte, werde ich also die nächsten Monate erst einmal die Klappe halten. Und womöglich irgendwann einmal irgendwo an anderer Stelle einen neuen Blog einrichten. Aber das wird dann kein Familienblog sein. Wobei ich die sicherlich auch weiterhin verfolgen werde. Wenn das Kind denn mal schlafen sollte. Und wenn mich doch die Sehnsucht nach ein bisschen Mamageblogge packen sollte, habe ich da noch ein Angebot einer lieben Bloggerin stehen, die von meinen Abschiedsgedanken schon etwas länger weiß. Da sie streng dagegen ist, dass ich den Griffel hinwerfe, werde ich auf ihrem Blog ab und an mal einen Gastbeitrag schreiben. Aber jetzt werde ich erst einmal in die Küche gehen und einen Geburtstagskuchen backen. Ich werde ihn nicht fotografieren und nicht hochladen. Aber essen werden wir ihn trotzdem. Und er wird köstlich sein.

Wie wir die U7 überlebten

Sonntag, 6. Dezember 2015

Vor wenigen Tagen waren wir bei der Vorsorgeuntersuchung, der U7. Ich war davor etwas nervös. Aber wieso eigentlich? Die ganzen Impfungen hatten wir bereits durch, es ging also nur noch um einen allgemeinen Check, ob meine kleine Tochter soweit gut entwickelt ist. Ein bisschen sprechen, ein bisschen laufen, wiegen, messen und so weiter. Was würde der Arzt schon schlimmstenfalls sagen? "Liebe Mutter Rabe, es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Piepsi die U7 nicht bestanden hat und das zweite Lebensjahr wiederholen muss."
Wohl kaum. Aber so eine U7 ist ja nicht nur ein Check für mein Kind, sondern auch für mich. "Himmel, Ihr Kind ist ja völlig übergewichtig, was geben sie ihm denn zu essen? Bewegen Sie sich eigentlich gar nicht damit?" "Oh, Ihr Kind ist ja völlig überdreht, ich erkenne da eindeutig Anzeichen von Hyperaktivität, aber keine Sorge, wenn wir rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, bekommen wir das hin." Oder: "Ist Ihnen denn nie aufgefallen, wie sehr Ihr Kind schielt? Da müssen wir umgehend eine Froschbrille verschreiben, sonst wird das böse enden." So irgendwie.
Ja, ich übertreibe. Mal wieder. Ich verstehe auch den Sinn der Vorsorgeuntersuchungen. Und nach jeder U gehe ich ja beruhigt nach Hause. "Der Wahnsinn ist also normal. Entwicklungsbedingt, sozusagen", denke ich mir dann. Aber da ich ja nun wirklich jeden Mist im Internet google, finde ich auch hier Foren, in denen sich besorgte Mütter austauschen. Und mit den Listen der Wörter dealen, die angeblich bei der U7 abgefragt werden. Demnach sollen die Kinder schon "Schlüssel" oder "Gurke" sagen können. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen. Ich habe nämlich den entspanntesten Kinderarzt der Welt. Eine Liste an Wörtern hat er nicht abgefragt. Aber als er das Zimmer betrat, stellte sich meine kleine Tochter vor ihn hin und sagte: "Meine Hose ist dreckig." Damit stand fest: Kind hat die U7 bestanden. Mutti ist durchgefallen.

Erwachsen werden

Donnerstag, 26. November 2015

In knapp einem Monat wird meine kleine Tochter zwei Jahre alt. In knapp einem Jahr werde ich 34 Jahre alt. Das ist verflucht alt, wenn ich so darüber nachdenke. Will ich aber gar nicht. Denn ich fühle mich immer noch so wie mit 17, 18, 19, als ich jede freie Minute in einem kleinen alternativen Kino verbrachte, in dem wir selbst die Filme auswählten, vorführten, besprachen und nebenbei noch eine kleine Bar (mit Kicker!) betrieben. Ich höre, ehrlich gesagt, auch noch fast die gleiche Musik wie damals. Okay, Pantera habe ich aussortiert. Aber sonst? Ich habe mich als Jugendliche manchmal gefragt, warum meine Eltern eigentlich so alte Musik hören und gar nicht das, was so im Radio lief und was ich mir so auf MTV ansah. Aber jetzt gehe ich selbst zu Tocotronic-Konzerten und proste einem ergrauten Dirk von Lotzow zu. Denn irgendwie bezweifle ich doch, dass mir ein Sänger Anfang 20 wirklich was übers Leben zu sagen hat. Vielleicht ändere ich aber auch noch einmal meine Meinung, wenn Piepsi in das Alter kommt.
Seit meine kleine Tochter auf der Welt ist, weiß ich, dass ich alt werde. Das klingt albern, ich weiß. Aber bislang hatte ich immer noch das Gefühl, Schülern näher zu sein als diesen Menschen mit durchdachter Altersvorsorge. Doch jetzt stelle ich fest, dass ich keine der aktuellen Kinderlieder mehr kenne, selbst das verfluchte "Alle Leut" musste ich neu lernen. Ich sehe einen kleinen Menschen, der mit Animationsfilmen statt Zeichentrick aufwachsen wird und definitiv einer anderen Generation angehört und der, wenn alles so läuft, wie es laufen soll, mich überleben wird. Was ich, um noch einmal albern zu sein, traurig finde. Denn ich wüsste gerne, wie das Leben meiner kleinen Tochter so weitergeht, wie sie selbst einmal altert und ob sie glücklich ist. Ich will sie einfach immer begleiten können und wissen, wie es ihr geht.
Seit meine Tochter auf der Welt ist, mache ich mir Gedanken über Dinge, die mir bislang ziemlich egal waren. Geld zum Beispiel. Ich habe keine teuren Klamotten, kein teures Auto, mache keine teuren Reisen. Ich hasse Markenfetischismus und fette Uhren. Und ich finde es völlig in Ordnung, zur Miete in einem nicht-angesagten Stadtteil zu wohnen. Das ist jetzt anders. Nein, nicht das mit dem Stadtteil oder den fetten Uhren. Aber ich denke schon öfters darüber nach, was wohl aus mir und meinem Mann werden würde, wenn wir unsere Jobs verlören. Wir sind beide Redakteure, und derzeit werden leider viele Redakteure arbeitslos.
Seit meine Tochter auf der Welt ist, mache ich mir Gedanken über Gesundheit. Die war mir die letzten 30 Jahre eigentlich immer furzegal. "Hauptsache gesund", blabla. Ich habe ziemlich viel geraucht, gerne auch gefeiert und mich schlecht ernährt. Sport? Nö. Nun rauche ich zwar nicht mehr, richtig gefeiert habe ich auch schon lange nicht mehr und ab und zu ziehe ich mal Bahnen im Schwimmbad - aber meine Gedanken über Gesundheit gehen in eine andere Richtung. In den letzten Jahren musste ich leider zu einigen Beerdigungen von Menschen, die noch nicht sehr alt waren. Die neuen Themen am Abendbrottisch? Patientenverfügungen und Testament. Was wird aus Piepsi, wenn wir mal? Das ist nicht schön, aber leider mussten wir die Erfahrung machen, dass sich Dinge manchmal sehr schnell ändern können. Und dass es gar nicht albern ist, sich schon mit Anfang 30 damit auseinanderzusetzen, ein Schriftstück in einen Schrank zu stellen und es hoffentlich kräftig einstauben zu lassen.
Irgendwie sind das alles ziemliche Novembergedanken. Aber auch die gehören zum Elternsein. Ich muss dann wohl ein bisschen erwachsen werden. Was doof ist. Aber meine Chucks, die trage ich immer noch. Wobei sich gerade meine eigene Mutter selbst ein Paar gekauft hat. Richtig cool ist das damit also auch nicht mehr.

Die Muttis und der Sex

Donnerstag, 12. November 2015

Jawohl, es ist soweit: Ich blogge über Sex. Es ist nämlich so, dass ich wohl noch nie so viel über Sex geredet habe wie momentan. Okay, da war mal so eine Phase in der Pubertät, als man mit den engsten Freundinnen jede Hautfalte ausdiskutierte. Aber das immer nur mit den allerallerbesten Freundinnen und zudem auch sehr wohlwollend. Heute sieht die Sache so aus: Da sieht man beim Kinderturnen oder auf dem Spielplatz ein Paar, dessen Nachnamen man nicht mal kennt, und dann ist da er, so der Mann-Typ ewig gut gelaunter Bär, der die Hände in die Hüften stemmt und mir verkündet: "Ja, wir arbeiten derzeit ja am Zweiten." Und nebenher ein Sandförmchen füllt. Arbeiten. So nennt ihr das also. Ebenfalls oft gehört: "Wir gehen jetzt in die Produktionsphase." Und ich kleine Drecksau kann dann einfach nicht anders, als mir diese Produktionsphase kurz vorzustellen. Kopfkino: an. Hilfe, das will ich doch gar nicht sehen! Falscher Film, falscher Film!
Tatsächlich ist es doch so: Seit ich eine kleine Tochter habe, bewege ich mich zeitweilen in einer Welt hormonbeduselt lächelnder erwachsener Menschen, die sich über Rund-ums-Kind-Flohmärkte, Osanit-Globuli und die Trotzphase unterhalten. Das ist alles - aber nicht sexy! Natürlich habe auch ich während der Geburt meiner Tochter auch den letzten Furz von Schamgefühl über Bord geworfen. Aber jetzt bin ich zurück in der Zivilisation und finde es manchmal befremdlich, dass mir fast gänzlich fremde Menschen von ihrer Produktionsphase berichten. Natürlich ist es das Natürlichste der Welt. Und ich gönne jedem gut gelaunten Bären sein Sexualleben. Aber meine kinderlosen Freunde erzählen mir ja auch nicht, dass sie sich gerade in einer geil unproduktiven Phase befinden. Daher: Gehet hin und vermehret euch. Aber bitte verschont mich damit.

Braucht eine Zweijährige einen Adventskalender?

Donnerstag, 5. November 2015

Letztens stand ich im Supermarkt vor der Vor-Vorweihnachtszeitabteilung und habe mich gefragt: Braucht meine kleine, 22 Monate alte Tochter eigentlich in diesem Jahr schon einen Adventskalender?
Nun, "brauchen" tut in diesem Sinne ja niemand einen Kalender. Aber wollen! Aber was ist mit so einem kleinen Kind? Will es einen Adventskalender, wo es gar nicht weiß, was genau das ist?
Piepsi ist tatsächlich in diesem vielleicht etwas undankbaren Alter, in dem man viele Dinge mit einem "dafür ist sie noch zu klein" oder einem "das versteht sie doch noch gar nicht" abtut. Zum Beispiel wird es zu ihrem zweiten Geburtstag keine Riesenfete mit zig Freunden und Spielen oder sonstigem Kram geben. Ein Kuchen in der Krippe, Opa kommt zu Besuch, dann noch eine Freundin mit ihren beiden Kindern. Aus. Würde eine Riesenfete mit zig Freunden und Spielen und sonstigem Kram schaden? Nein. Aber mir erspare ich mit der Opa-und-Kuchen-Variante ne Menge Stress. Und Piepsi hat trotzdem einen schönen Tag.
Ähnlich ist es mit dem Adventskalender. "Glaubst du wirklich, dass das so eine gute Idee ist?", hat mich mein Mann gefragt. "Glaubst du, sie versteht, dass sie da tatsächlich nur ein Türchen öffnen und dann erst am nächsten Tag wieder ran darf?" Tatsache. Der Adventskalender könnte eine Katastrophe werden. Mit täglichem Geheul nach dem täglichen Türchen. Ein Adventskalender für eine Zweijährige ist wohl keine hübsche Überraschung, sondern eher eine Erziehungsaufgabe. Eine Frage der Disziplin.
Nun, ich habe einen Adventskalender gekauft. Er liegt ganz oben auf dem Schrank. Es ist kein großer, aufwändiger Kalender, sondern so ein ganz einfacher mit Mini-Schokotäfelchen. Ein ganz schlichter, den ich als Kind schon immer am liebsten hatte. Wir werden sehen, wie die kleine Tochter damit umgehen wird. Notfalls endet unsere Adventszeit eben nach dem sechsten Türchen. Piepsi ist ja in diesem speziellen Alter. Da versteht sie das alles noch gar nicht.

Peinlichkeiten, die eine Mutter ertragen muss

Freitag, 30. Oktober 2015

Letztens war ich mit einem kinderlosen Paar abends zum Essen verabredet, und wir sprachen so über dieses und jenes und natürlich auch über Piepsi. Ich sagte so das Übliche, nämlich wie großartig meine kleine Tochter ist - und wie anstrengend. Und fragt mich nicht, in welchem Zusammenhang ich es tat, jedenfalls erwähnte ich auch, dass es mich manchmal wirklich nervt, dass meine kleine Tochter mich sogar aufs Klo begleitet. Woraufhin der männliche Paar-Part den Kopf schüttelte und sagte: "Nein, also da hört es doch echt auf." Und zu seiner Partnerin: "Wenn es mal bei uns soweit ist, dann kann ich dir jetzt schon sagen, dass ich garantiert nicht mein Kind mit auf die Toilette nehme."
Alle Muttis und Vatis unter uns werden an dieser Stelle milde lächeln und sich an die Zeit VOR dem Kind erinnern. Damals, als man sich so ausmalte, was man später einmal ganz bestimmt nicht und ganz bestimmt anders machen wollte. Ich zuckte schließlich mit den Schultern und meinte: "Ganz ehrlich. Da gibt es echt Schlimmeres, was ich so mache oder gemacht habe."
Okay, anbei die fünf dämlichsten und nervigsten Sachen, die ich seit der Existenz meiner kleinen Tochter so getrieben habe oder noch treibe:

5. Grenzwertig Auto fahren: Als meine kleine Tochter frisch auf der Welt und noch sehr schreiig war, habe ich die Kunst des einhändig Autofahrens perfektioniert. Und das ohne Automatik! Denn mit einer Hand musste ich immer ein kleines Kontrollhändchen festhalten, das mir aus dem Maxi Cosi entgegengestreckt wurde.
4. Grenzwertig schlafen: Es soll ja Eltern geben, die Nacht für Nacht in ihrem Bett schlafen, während das Kind einen Raum weiter im eigenen Bett schläft. Bei uns ist das derzeit so, dass mein Mann oder ich auf einer Matratze neben Piepsi schlafen. Sobald sie wach wird und nicht mehr alleine in den Schlaf findet (über das Thema "durchschlafen" wollen wir an dieser Stelle nicht reden), halten wir durch die Gitterstäbe des Bettes Händchen. Nach einer gewissen Zeit schläft sie so wieder ein. Das klingt womöglich etwas erniedrigend, ist aber derzeit einfach für alle Beteiligten am unstressigsten. Ich habe keine Lust, dreimal pro Nacht ins Nachbarzimmer zu flitzen und auf einem Stuhl zu dösen.
3. Grenzwertige Brüste: Fiel gerade das Wort erniedrigend? Nun, das mag ja alles Geschmackssache sein. Aber ich persönlich habe kaum etwas so erniedrigend gefunden wie eine Milchpumpe. Wenn ich nur an das Geräusch denke, bekomme ich schon wieder eine Gänsehaut.
2. Grenzwertig essen: Am Anfang wohnte mein Baby ja auf mir, so dass es mir nicht möglich war, mit zwei Händen (geschweige denn Messer und Gabel) zu essen. Dies führte zu einem Revival des Schnittchen-Tellers. Mein Mann fütterte mich und wir erhielten so einen kleinen Ausblick aufs Alter. Später durfte ich dann zwar wieder mit beiden Händen, dafür aber auch mit einer unfassbaren Sauerei essen. Denn das Essen meiner kleinen Tochter landete in ihrem Bauch und auf ihrem Bauch. Und auf meinem Bauch. Und auf dem Tisch. Und unter dem Tisch.
1. Grenzwertige Musik: Früher liefen zu Hause Belle & Sebastian und Pink Floyd, heute Rolf Zuckowski und Fredrik Vahle. Statt Dark Side of the Moon höre ich heute Nackidei und Anne Kaffeekanne. Mein Gehirn ist inzwischen so weich, dass es mich nicht einmal mehr besonders stört und ich manchmal sogar mitsinge. Nur falls Tabaluga hier eines Tages einziehen sollte, werde ich ganz bestimmt ausziehen.

So. War noch was? Ach ja, meine kleine Tochter will mir auf dem Klo immer zusehen. Ja und? Irgendwie muss sie es doch lernen. Der Duft, den so ein Windelmülleimer verströmt, wird es nämlich auch ganz sicher nicht unter die Top 5 der schönsten Muttimomente schaffen.

Ich bin dann mal krank

Freitag, 23. Oktober 2015

An diesem Montag mein Arzt so zu mir: "Mutter Rabe, Sie haben einen grippalen Infekt. Ich schreibe Sie den Rest der Woche krank. Bitte legen Sie sich ins Bett und schonen Sie sich."
Und ich so: "Und was mach ich mit meiner kleinen Tochter?"
Und er so: "Zur Adoption freigeben?"
Ich so: "Da muss ich mich mal erkundigen."
Er so: "In welchem Alter ist sie noch einmal?"
Ich so: "Fast zwei Jahre alt."
Er so: "Na wunderbar. Dann kommt sie so langsam in das Alter, in dem sie versteht, dass Sie gerade etwas außer Gefecht gesetzt sind, so dass die Gelegenheit günstig ist, die Wohnung einmal so richtig auseinanderzunehmen."
Ihr seht: Ich sollte mir einen neuen Hausarzt suchen. Bekanntermaßen steht geschrieben, dass Eltern kein Recht haben, krank zu werden. Seit Piepsi die Krippe besucht und regelmäßig die Seuche nach Hause schleppt, lässt es sich aber nicht ganz vermeiden. Wobei ich diesmal richtig Glück hatte:

1. Piepsi ging diese Woche in die Krippe, war also ausnahmsweise mal nicht zur gleichen Zeit krank. Ergo hatte ich tatsächlich jeden Tag ein paar Stunden komplette Ruhe. So komplett, dass es mich schon richtig nervös gemacht hat. Dieses Sich-schonen habe ich in den letzten 22 Monaten irgendwie völlig verlernt. Früher hatte ich kein Problem damit, einen Tag lang nur faul auf dem Sofa zu liegen. Heute habe ich das Gefühl, jedes Zeitfenster irgendwie effektiv nutzen zu müssen.
2. Piepsi kann seit ein paar Tagen etwas völlig Neues: sich selbst beschäftigen. Ich weiß, dass mich jetzt viele Eltern dafür hassen werden, dass ich das hier schreibe - und womöglich wird mich der Bloggerfluch einholen, und meine Tochter wird ab sofort nur noch auf meinem Arm leben wollen, und das, bis sie volljährig ist. In den letzten Tagen habe ich es aber tatsächlich erlebt, dass die Kleine komplett damit zufrieden war, Puppe und Teddy zu bekochen, zu wickeln, ins Bett zu bringen und nach gefährlichen Stürzen zu trösten. Zudem hat sie stundenlang (ernsthaft) ihre Kastanien sortiert, ausgekippt und eingesammelt. Unterbrechungen durch so sinnlose Tätigkeiten wie Wickeln, Essen oder Ins-Bett-gehen wurden mit entsprechendem Gequengel quittiert. Doch abgesehen davon war es mir wirklich möglich, faul auf dem Sofa zu liegen und Piepsi dabei zuzusehen, wie sie unser Wohnzimmer in ein Wimmelbild verwandelte.

Manche Dinge werden mit der Zeit also doch etwas einfacher. Nicht mehr lange, und ich werde mir im Krankheitsfall ein kleines Glöckchen zulegen. Und jedes Mal, wenn ich bimmle, wird mir Piepsi heißen Tee, ein Clever & Smart-Comic oder Kekse bringen. Da bin ich mir ganz sicher. Nicht mehr lange.

Es kommen gerade ziemlich viele Menschen

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich an dieser Stelle etwas zur Flüchtlingsdebatte schreiben soll. Einerseits ist schon so viel dazu gesagt worden, andererseits frage ich mich, ob dieses Thema zu einem Blog passt, der zwischen emo und lustig oszilliert, und was das Ganze eigentlich mit Piepsi zu tun hat. Allerdings glaube ich, dass man gar nicht genug darüber sprechen kann. Und die Frage, was das Ganze mit meiner kleinen Tochter zu tun hat, ist ohnehin dämlich. Denn es hat mit ALLEM zu tun. Und falls jemand denken sollte, dass ich bislang aus Ignoranz oder Desinteresse geschwiegen habe, dem sei gesagt: Die Flüchtlingskrise ist das Erste, was mich beschäftigt, wenn ich morgens in der Redaktion den Rechner hochfahre, und das Letzte, wenn ich ihn zum Feierabend ausschalte. Und treffe ich daraufhin Freunde und Bekannte, gibt es auch kein anderes Thema. Was gut ist.
Mir ausmalen, wie dieses Land in ein paar Jahren aussehen wird, kann ich nicht. Erstaufnahmelager wird es dann hoffentlich nicht mehr geben (müssen). Doch wie wird es sein, wenn meine kleine Tochter in die Schule kommt? Wird sie in ein womöglich viel friedlicheres Land hineinwachsen, in dem aus einem Ohnmachtsgefühl schließlich Dankbarkeit geworden ist? Werden die zugezogenen Flüchtlingen den demografischen Wandel aufhalten, die Rentenkassen füllen, das Gesundheitssystem retten und den Fachkräftemangel stoppen? Oder wird es in Deutschland künftig nötig sein, laut die Ärzte mitzusingen? Ich weiß es nicht. Und manchmal macht es mich fast wahnsinnig, es nicht zu wissen und keine Lösung zu sehen. Dann bin ich erschlagen von dem Hass, der aus zahlreichen Facebook-Kommentaren spricht. Und davon, dass in Deutschland tatsächlich wieder Asylbewerberunterkünfte brennen. Und dann denke ich mir, dass das doch eine bratzdämliche Minderheit ist und erinnere mich an die großartigen Münchner, die den ankommenden Flüchtlingen auf dem Bahnhof belegte Brote, Kleidung, Wasser und Teddybären schenkten, bis die Münchner Polizei irgendwann sagte: "Leute, es reicht. Wir wissen nicht mehr, wohin mit den Spenden." Das war ein kleines Sommermärchen. Jetzt ist Herbst.
In zwei Monaten werden in eine alte Schule etwa 100 Meter von unserem Haus entfernt 180 Flüchtlinge einziehen. Ich weiß noch nicht, wie meine Nachbarn reagieren werden: große Hilfsbereitschaft oder große Angst. Angst ist erst einmal okay, finde ich. Angst vor allem Fremdem ist erst einmal normal. Aber man muss sich ihr stellen, es darf kein Hass daraus enstehen.
Dabei gibt es natürlich auch diese Nachrichten: Schlägereien in Flüchtlingsunterkünften, Feueralarm aus Verzweiflung, Spendenaktionen, die völlig in die Hose gehen, weil sich Flüchtlinge um die Hilfsgüter reißen. Und zugleich stelle ich mir vor, wie es wäre: ich mit meiner kleinen Tochter in einer unbeheizten Unterkunft, und das kurz vor dem Wintereinbruch. Wenn es da um Winterkleidung für meine kleine Tochter ginge - würde ich da brav in der Reihe stehen oder mich vielleicht doch vordrängeln? Mal ehrlich: Ich werde ja schon im Supermarkt an der Kasse nervös.... Und es ist doch so: Derzeit kommen keine Syrer, Afrikaner, Wirtschaftsflüchtlinge oder Kriegsflüchtlinge zu uns. Sondern erst einmal ziemlich viele Menschen. Und wo ziemlich viele Menschen auf engem Raum zusammenleben und zur Untätigkeit verdammt sind - da gibt es Probleme.
Zum Glück muss ich nicht untätig sein. Ich habe Kinderkleidung gespendet, Koffer und Schuhe zum Erstaufnahmelager gebracht, Geld gespendet. Reicht das? Sicher nicht. Ein Kollege lässt einen Flüchtling bei sich wohnen, soweit könnte ich nicht gehen. Mir ist es ja manchmal mit meiner Familie schon zu viel. Ich kenne meine Grenzen. Und tue, was ich kann. Vor allem immer wieder darüber reden. Ohne Ängste zu schüren, ohne schönzufärben. Ich setze mich mit denen auseinander, die uns als Lügenpresse beschimpfen. Und mit denen, die sich überfordert fühlen. So wie ich mich manchmal überfordert fühle und mir eine etwas weniger komplexe Welt wünsche. Ein bisschen mehr schwarz-weiß, ein bisschen weniger grau, bitte.
Diese Woche habe ich mit Piepsi in der Krippe eine Laterne für den Martinsumzug gebastelt. Ich weiß gar nicht, wie viele Nationalitäten in der Krippengruppe vertreten sind. Es sind einige. Gespielt wird mit allen, es ist vollkommen normal, so wie es ist. Und vielleicht wird es für meine kleine Tochter auch später einmal in der Schule und im Berufsleben genauso sein: ganz normal.  Und normal finde ich ziemlich gut.

Welche Fee hätten'S denn gerne?

Samstag, 3. Oktober 2015

Kürzlich kam die Tochter einer Freundin mit einer neuen Puppe angerannt und antwortete auf die Frage, woher sie denn diese Puppe habe, mit: "Lullufee." Oder so ähnlich. Gemeint war jedenfalls die Schnullerfee. Die kam über Nacht, kassierte alle Schnullis ein, futterte sogar noch ein paar Kekse und ließ eine Puppe zurück. Und ich so zu meinem Mann: "Sollen wir auch mal so eine Schnullerfee organisieren?" Immerhin wird Piepsi bald zwei Jahre alt, und allzu lange sollte sie nicht an diesem Plastikteil hängen, das sie übrigens "Vorne" nennt. "Hinten" macht ja auch keinen Sinn.
Allerdings kamen wir zu dem Schluss, dass vor der Schnullerfee doch noch ein paar andere Feen mal bei uns vorbeischauen sollten. Die da wären:


  • Die "Ich-entscheide-mich-für-einen-Brotaufstrich-und-bleibe-dann-dabei"-Fee
  • Die "Ich-schlafe-alleine-ein-und-dann-zehn-Stunden-am-Stück"-Fee
  • Die "Ich-ziehe-immer-an-was-mir-rausgelegt-wurde"-Fee
  • Die "Ich-lasse-auch-andere-Kinder-einmal-auf-die-Schaukel"-Fee
  • Die "Ich-gehe-vier-Stockwerke-ohne-größere-Pausen-hoch"-Fee
  • Die "Ich-beschränke-meine-morgendliche-Töpfchensitzung-auf-15-Minuten"-Fee
Ich glaube, das wär's. Wenn diese Feen alle bei uns waren, dann kann auch gerne die Schnullerfee einmal vorbeischauen.

Die lieben Kollegen

Donnerstag, 24. September 2015

Kürzlich saß ich beim Frisör und hatte bedenklich viel Alufolie auf dem Kopf, als das Telefon am Empfang klingelte. Meine Frisörin wurde gerufen und kam wenige Minuten später mit roten Stresspünktchen im Gesicht zurück. Der Kindergarten habe angerufen, ihre Tochter sei krank, Magen-Darm, und sie erreiche ihren Ex-Mann nicht, müsse jetzt dringend weg. Eine Kollegin springe für sie ein, ob das denn okay für mich sei? Die Kollegin einen Tisch weiter lächelt gequält. Und ich so: Kenn ich. Hatte ich letzte Woche. Also nicht Magen-Darm, sondern ein krankes Kind. Und Kollegen, die mal eben einspringen mussten. Und das ganz ohne zu murren.
Irgendwo in den Tiefen des Netzes habe ich vor ein paar Wochen einen Artikel darüber gelesen, wie ätzend es ist, Mütter und Väter, die es ernst meinen, als Kollegen zu haben. Ständig müssen sie früher (oder sehr pünktlich) weg, ständig kommen sie wegen irgendwas zu spät, ständig ist das Kind krank, und ist das Kind dann wieder gesund, dann werden sie selbst krank, weil sie sich angesteckt haben. An Feiertagen haben sie generell keine Zeit, am Wochenende ebensowenig, weil: Familienzeit. Hinzu kommt die Elternzeit. Ein Jahr oder ein halbes ginge ja noch, meinte letztens ein Kollege zu mir. Das werde ja häufig noch irgendwie personell überbrückt. Schwieriger sei es, wenn Väter (oder Mütter) monatsweise ausfielen. Vier Wochen hier und vier Wochen da. Diese Zeit muss nämlich komplett vom Rest der Mannschaft gewuppt werden. Ähnlich wie die Zeiten, in denen Kollegen wegen Krankheit oder einer Kur ausfallen. Ach ja, Vater-Mutter-Kind-und-Kegel-Kuren gibt es ja auch noch.
So. Und wie kriege ich jetzt in diesem Text noch die Kurve hin zu dem Punkt, an dem ich zu dem Schluss komme, dass Eltern die tollsten Kollegen ever sind? Ich könnte jetzt sagen: Eltern sind extrem stressresistent, mega-multitasking-fähig, brauchen eigentlich auch null Schlaf und haben tatsächlich noch ein Leben jenseits des Jobs, was für dieses ganze Charakterdingens auch nicht gerade schlecht ist. Das mag auch alles stimmen. Dennoch bleibt es dabei: Eltern sind angreifbar, verletzlich und brauchen Extrawürste. Als ich noch keine kleine Tochter hatte, konnte ich arbeiten - immer. Und ich habe es gerne getan. Ich war richtig angefixt und habe auch lange nach Dienstschluss noch Emails gelesen und beantwortet, weiterrecherchiert und geschrieben. Wochenenddienste, Spätschicht, Frühschicht, Dienst an Heilig Abend - war alles machbar. Ist es jetzt nicht mehr. Und wenn Piepsi krank ist, dann müssen meine Kollegen einspringen. Da kann ich noch so stressresistent sein - das bringt meinen Kollegen nichts, wenn ich im Büro fehle, weil ich Fieberzäpfchen in einen kleinen Kinderpopo schieben muss. Gegen ein schlechtes Gewissen hilft nur dies: Piepsi wird älter - und meine Kollegen Eltern. Irgendwann bin ich der alte Sack im Büro und werde mir gerne Kinderkacke-Geschichten von Jüngeren anhören. Und wenn die dann Fieberzäpfchen schieben müssen, schiebe ich dann eben die Extraschicht. Generationenvertragsmäßig.
Die Frisörskollegin hat übrigens einen ziemlich guten Job gemacht. Und sie war nicht einmal genervt dabei, sondern richtig freundlich. Ob sie Kinder hat, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie einfach nur nett.

Der orangene Held der Entsorgung

Donnerstag, 17. September 2015

Eigentlich habe ich ja immer gedacht, dass Journalistin ein ganz cooler Beruf sei. Von wegen. Um meine kleine Tochter zu beeindrucken, hätte ich zur Müllabfuhr gehen müssen! Wenn die hier donnerstags vorfährt, flippt Piepsi nämlich komplett aus: Sie rennt ans Fenster: "Affuu, toooohs, Affuu gucken!" Für all diejenigen, die nicht Piepsisch sprechen, heißt das übersetzt: "Abfuhr, groß, Abfuhr angucken."
Verschwindet die Müllabfuhr blinkend aus dem Blickfeld meiner kleinen Tochter, dann kann es schon einmal Tränen geben. Damit sie nicht ganz so traurig ist, habe ich inzwischen aus der Edition "Meine allerliebsten Fahrzeuge" den Band "Müllabfuhr" besorgt. Und muss mir nun ständig Müllcontainerbilder anschauen. Wenn das nicht mehr hilft, dann darf es auch mal auf dem iPad das 70er-Jahre-Sendung-mit-der-Maus-Original "Die 6 von der Müllabfuhr" sein. Zudem haben wir herausgefunden, dass wir jeden Dienstag, wenn wir ein kleines bisschen eher zur Krippe losfahren, noch die Müllabfuhr dort abpassen können. Die Müllmänner kennen meine kleine Tochter übrigens schon - und führen für sie schon einmal ein Tänzchen auf oder verbeugen sich vor dem Zwerg, der vor Vergnügen in die Hände klatscht, laut lacht und vor Begeisterung auf der Stelle hüpft. "Affuu, toooohs, Affuu, daaaa!" Keine Ahnung, was die darüber denken, dass sich jemand derart für ihre Arbeit erwärmen kann. Und ich glaube, ich habe mich noch nie in meinem Leben so viel mit unserem Recyclingsystem beschäftigt wie in den vergangenen Wochen. Das einzige Problem sind nun alle Wochentage außer Dienstag und Donnerstag. Die Tage ohne Affuu. Vielleicht sollte ich mir mal den hiesigen Müllabfuhrkalender besorgen. Und unsere Tagesausflüge daran ausrichten. Ganz im Sinne des Kleinkindmülltourismus.

Gastbeitrag: Babysachen kaufen - eine Kunst für sich

Samstag, 12. September 2015

Aaaaaausnahmsweise hat an dieser Stelle auch mal der Papa etwas zu sagen. In einem Gastbeitrag erinnert er sich an die Zeit, als ich schwanger war und wir irgendwie noch irre viel erledigen mussten...:

Und dann sagte die Ehefrau – damals, lange bevor das Baby kam  – "So." Jetzt müsste aber mal langsam etwas für die Kleine gekauft werden. In drei oder vier Monaten käme das Piepsi und der neu aufgebaute Schrank sei noch komplett leer. Da müssten mal ein paar Klamotten rein, damit das Kind zumindest eine Grundausstattung zur Verfügung hätte. Auweia. Damals hatte ich als baldiger Piepsi-Papa von Babysachen noch ungefähr soviel Ahnung wie von Atomphysik. Aber wenn Mutter Rabe zum Großeinkauf bläst, ist Protest meistens zwecklos. Also fuhr die werdende Kleinfamilie mit zwei Erwachsenen und dem Baby im Mamabauch in den Kinder-Großmarkt. Und war dort hilflos überfordert. Vor allem der Piepsi-Papa. 

Was soll ich sagen? Heute weiß ich so viele Dinge, die mir damals noch schleierhaft waren. Dass Babys zum Beispiel diese praktischen Bodys tragen können, die man unten zuknöpft (oder vor dem Bauch zusammenbindet) – naja, das hatte einem noch keiner gesagt. Dass die meisten Babys mit einer Kleidergröße 56 gut ausgerüstet sind und alles, was darunter liegt, schon bei Geburt zu klein sein dürfte. Oder dass alles, was mit vielen filigranen Knöpfchen und Schleifchen ausgestattet ist, für Babys grundsätzlich ungeeignet ist, weil ein Baby das Anziehen total dämlich findet und das große Strampeln und Abwehren anfängt.

Von diesem Riesenberg an Kleidung, Decken und sonstigen Tools in verschiedensten Ausführungen und Größen komplett überfordert, waren es bald zwei runde schwarze Knopfäuglein, die den Papa beruhigend anguckten. Mitten im Stofftier-Regal, zwischen hässlichen rosa Knautschbällen mit psychedelisch-großen Kulleraugen, hockte ein kleiner, hellbrauner Bär der Marke „Guter alter Klassik-Teddy“ und lächelte den Piepsi-Papa beruhigend an. So ein toller Teddy – na, der musste mit, das war klar! Und so fuhr die Kleinfamilie alsbald wieder nach Hause. Mit nichts als einem Teddy in der Einkaufstüte. Die Ehefrau war halb amüsiert und halb grummelig, gab aber später zu, von den vielen Einkaufsmöglichkeiten auch erstmal eingeschüchtert gewesen zu sein.

Was wir damals auch nicht wussten: Ein Baby kann mit einem Teddybären ungefähr soviel anfangen wie mit… öhmm…. Atomphysik. Aber gelohnt hat sich das trotzdem. Denn heute hat der kleine Teddy einen Namen – Bruno – und wird vom zwanzig Monate alten Piepsi stets gerne ins zweigeschossige Puppenbettchen gelegt und liebevoll zugedeckt. Vorher bekommt Bruno noch eine Postkarte mit dem Sandmann drauf gezeigt, weil man ja vor dem Schlafengehen den Sandmann angucken muss, das ist Familienritual (mittlerweile). Und wenn Mutter Rabe und der Piepsi-Papa so auf Bruno gucken, erinnert sie das immer an diesen ersten missglückten Großeinkauf, der keiner war.
Ach so, und Kleidung hatten wir bald übrigens auch genug. Kurz nachdem wir Teddy Bruno gekauft hatten, rief eine ehemalige Kollegin an: Ob wir nicht Babykleidung gebrauchen könnten, sie würde säckeweise Sachen verkaufen. Mit einer dicken dicken Tüte für unter 50 Euro im Arm war der Kleiderschrank gefüllt, die Mama Rabe zufrieden – und die angehenden Eltern hatten eine erste Ahnung, was man so gebrauchen kann. Und was nicht. 

  

Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Willkommen in der Trotzphase

Mittwoch, 2. September 2015

Meine kleine Tochter ist gerade in der Dr.Jekyll-und-Mr.Hyde-Phase.
In ihren guten Momenten ist sie so: bezaubernd niedlich und sehr fürsorglich. Wenn sie etwas zu essen hat, ist ihr sehr wichtig, dass alle anderen auch etwas zu essen bekommen. Und wenn wir unsere Portion aufgegessen haben, dann fragt sie: "Mehr?" Hier soll ja schließlich niemand hungrig den Tisch verlassen. Kleine Babys liebt sie, will sie immer streicheln, sie zudecken und ihre Händchen halten. Wenn man sich irgendwo gestoßen hat, dann fragt sie: "Aua gemacht?", pustet dann auf die Stelle und fragt: "Besser?" Wenn irgendwo ein Kind weint, sagt sie: "Baby weint!" und: "Arm!" - was bedeutet, dass man das Kind auf den Arm nehmen und trösten soll.

In der Mr. Hyde-Phase ist Piepsi so: unausstehlich. Das Schlimmste ist ihre Schaukel-Obsession. Sie liiiiiebt es zu schaukeln. Aber wehe, es nähert sich ein anderes Kind der S. Und selbst wenn Piepsi auf dem Spielplatz oder in der Krippe gerade einmal nicht selbst auf der Schaukel ist, brüllt sie erst einmal laut: "MEINS!", wenn es ein anderes Kind wagt, auch einmal zu schaukeln. Seit Piepsi immer häufiger aufs Töpfchen will, sieht sie es auch nicht mehr ein, anschließend eine Windel anzuziehen. Auch Hosen werden völlig überbewertet. Ach ja, Schuhe sind auch doof. Mein persönlicher Tiefpunkt in dieser Woche: Ich versuchte, mein Kind von der Krippe abzuholen. Dort spielte sie gerade friedlich mit ihrer Freundin, gemeinsam schoben sie eine Puppe durch den Flur und deckten ihr Baby brav zu. Definitiv Dr. Jekyll. Aber dann kam ich. Ich sah dem Treiben kurz zu, versucht meiner kleinen Tochter zu verklickern, dass wir jetzt nach Hause müssen, und als sie daraufhin erst einmal lachend ins hinterste Eckchen der Krippe rannte, nahm ich sie schließlich auf den Arm, mit der Folge: Tobsuchtsanfall. Einer dieser extrem krassen, der anderen Kindern, Erziehern und auch mir echt Furcht einflößen kann. Wie kann ein so kleines, süßes Wesen nur so laut brüllen, zetern und toben?? Dabei noch blind um sich schlagen. Das ganze Leid dieser Welt, die geballte Ungerechtigkeit meines Treibens bekam ich zu spüren.

Ich WEISS ja, dass Besitzdenken und Wutanfälle normal sind für ein 20 Monate altes Kind. Und meistens kann ich da auch drüberstehen, auch wenn ich immer wieder von Eltern den Satz höre: "Unsere/Unserer trotzt eigentlich gar nicht." Aber an dem Tag konnte ich es nicht. Ratgeber sagen: "Die Autonomiephase ist sehr wichtig für die Entwicklung eines Kindes, Eltern dürfen Wutanfälle nicht persönlich nehmen." Aber ich bin ja nicht nur Mutter, sondern irgendwie auch Mensch. Und da habe ich diesen Wutanfall persönlich genommen. Es war mir peinlich. Ich war traurig. Ich habe an meiner Erziehung gezweifelt und mich gefragt, ob mein Kind irgendwie abnorm ist. Und ich habe zu meinem Mann gesagt, dass ich mich nach der Nummer gar nicht mehr in die Krippe traue. Aber natürlich muss ich da wieder hin. Und Piepsi muss lernen, Spielzeug zu teilen und manche Regeln zu befolgen. So leid es mir tut.
Heute früh bin ich dann übrigens neben Dr. Jekyll aufgewacht. "Kuckuck, Mama!" und Gekicher. Ach, Piepsi. Die Trotzphase - die packen wir auch noch!

Das S-Wort

Donnerstag, 27. August 2015

Mittlerweile plappert Piepsi munter wie ein Wasserfall. Was schön ist und manchmal etwas nervig. Zum Beispiel, wenn ich sie abends ins Bett bringen will und sie mir noch einmal haarklein berichtet, wer nun alles in der Krippe geschaukelt hat und wer dabei angeschubst hat und wer dann alles nach Hause gefahren ist und wer so alles Pipi und A-a gemacht hat. Das Wort hat sie übrigens nicht von mir. Dafür ein anderes.
Es kam, wie es kommen musste. Dass ausgerechnet meine Eltern Zeugen dieses Vorfalls werden mussten - nun gut. Meine Eltern, Piepsi und ich - alle im Auto Richtung stadtauswärts. Doch plötzlich: Straßensperrung. Und: keine Wendemöglichkeit. Und ich so: "Scheiße." Und Piepsi so: "Seisse!" Und meine Eltern so: kriegen sich vor Lachen nicht mehr ein. Woraufhin meine kleine Tochter das Wort natürlich gleich noch mal ausprobiert.
Ich habe ja schon einmal geschrieben, dass ich leiderleider sehr viel fluche und kein guter Umgang für Kinder bin. Ich weiß auch, dass Piepsi als Krippen-und-bald-Kindergartenkind Schimpfwörter ohnehin bald lernen wird. Und trotzdem hat es mich irgendwie getroffen, dieses Wort aus ihrem kleinen Mund zu hören. Weil es irgendwie aus einer anderen Welt stammt. Es ist einfach verflucht niiiiedlich, wenn sie "Hase", "Foffel" (Löffel) oder "Brot esse" sagt. Und so verflucht verflucht, wenn sie "Seisse" sagt. Zum Glück lernt mein kleines Mädchen gerade neben den "bösen" Wörtern noch etwas anderes: Schamgefühl. Als sie letztens noch einmal das S-Wort rausposaunte und ich ihr daraufhin deutlich sagte, dass das kein so richtig schönes Wort ist, vergrub sie ihr Gesicht in den Händen, drehte sich ein wenig zur Seite und grinste verschämt. Sie genierte sich. Und das war wieder: niedlich. Verflucht niedlich sogar.

Das Hausbau-Ding

Sonntag, 16. August 2015

Eine Bekannte von mir hat einmal gesagt: "Früher wohnten alle meine Freunde in der Innenstadt. Jetzt haben sie Kinder."
Tatsächlich habe ich, als ich noch kinderlos war, nicht verstanden, was alle mit diesem Haus-Ding haben. Mit dieser unbedingten Lust auf Eigenheim oder so, auf jeden Fall aber auf Garten. Und noch heute träume ich davon: Von der Altbauwohnung über einem Café in einer schnuckeligen Kopfsteinpflaster-Straße. Von einer Wohnung mit knarzenden Holzdielen, Stuck an der Decke und einer charmant schrammeligen Küche. Aber inzwischen habe ich ein Kind, und tatsächlich habe ich kaum Eltern in meinem Umfeld, die nicht regelmäßig die Immobilienanzeigen studieren. Und natürlich sind auch das alles coole Leute, die gute Musik hören und von Altbau träumen. Und es gibt sie ja auch, diese verschrobenen alten Häuser im Stil einer Villa Kunterbunt. Mit Gemüsegarten hinterm Haus und einer knarzenden Holztreppe. Aber in der Stadt ist so etwas unvorstellbar teuer, daher überlegen diese coolen Leute nun, selbst zu bauen (Folge: Neubaugebiet, ganz schön unaltbauig) oder etwas zu kaufen, was nicht in der Stadt, sondern im "Speckgürtel" liegt. Sie nehmen in Kauf, in einen dieser Orte mit unaussprechlichen Namen, aber guten Schulen zu ziehen. Spießig und absurd? Nicht ganz. Seit Piepsi versteh ich dieses Hausbau-Ding besser.

Gründe für ein Haus:
- Kinder machen Dinge kaputt und sind laut. Ich kenne eine Hand voll Beispiele von Leuten, die nett gewohnt haben und schließlich Kinder bekamen - und fortan nur noch Ärger mit den Nachbarn hatten. Ich habe da Glück. Meine Nachbarn sind großartig.
- Platzmangel: Es ist verdammt schwer, eine Wohnung jenseits der magischen Dreizimmer-Wohnungsgrenze zu finden. Eigentlich wollten auch mein Mann und ich einst in eine Vierzimmer-Wohnung ziehen. Früher, in der guten alten "Nur-wir-Zeit", hatte ich nämlich noch ein eigenes Zimmer mit eigenem Bett, eigenem Fernseher - so ein bisschen wie in einer WG. Fanden andere Paare befremdlich, wir fanden es großartig. Aber seit Piepsi da ist, gibt es ja eh kein Entrinnen und keinen Rückzug mehr... Ein Haus bietet endlich etwas mehr Platz. Und vielleicht auch ein Mutti-Zimmer.
- Der Garten: Ja, es gibt auch Wohnungen mit Garten oder zumindest Gartenmitbenutzung. Aber die sind schwer zu bekommen. Und diese Gartensache habe ich ja komplett unterschätzt. Wir wohnen derzeit sehr grün: Der Wald beginnt direkt vor unserer Haustür. Und Piepsi ist so ein richtiges Draußen-Kind, was ich wunderbar finde. Dennoch nervt es manchmal, wenn man für ein bisschen frische Luft sich selbst und das Kind erst einmal komplett anziehen und dann die vier Stockwerke runterstiefeln muss. Dann durch den Wald: "Oh, ein Stein. Wie toll. Ein Stock? Irre spannend! Oh, äh, nee, das ist ekelig, äh, keine Ahnung, was das ist, aber bitte lass es liegen und bring es nicht mit in die Wohnung." Bei einem eigenen Garten wäre das so: Tür auf, Piepsi raus. Mutti bleibt mit Milchkaffee auf der Terrasse sitzen, liest etwas Zeitung und greift im Notfall ins Geschehen ein. So zumindest meine Vorstellung. Und: Man kann im Sommer auch abends einfach noch mal schnell in den Garten, ohne dass es ein Riesenaufwand ist.

Aber erwähnte ich schon, wie unvorstellbar teuer dieses ganze Hausding ist? Und dass es sicher nett sein kann, aber dass es auch ohne geht? Tatsächlich sind zwei meiner besten Freundinnen in Wohnungen groß geworden! In der Innenstadt! Ohne Garten! Bämm! Sie hatten nicht einmal einen urbanen Schrebergarten mit Bio-Zucchini. Stattdessen den Spielplatz der zentralen Grundschule. Also: Es geht auch ohne.
Und wir, was machen wir? Wir haben Glück. Nein, es ist keine Villa Kunterbunt mit knarzender Holztreppe, wildromantischem Garten und klingelndem Windspiel auf der Veranda. Es ist ein Haus in einem Wohngebiet am Stadtrand (aber zumindest nicht im Speckgürtel). Ein Haus, das wir uns niemals leisten könnten. Aber das wir erben und bald umbauen werden. Ein kleiner Schritt für unsere gute Freundin und Architektin. Ein gewaltiger für uns. Ich werde berichten.

Meine Tochter ist soundso

Mittwoch, 12. August 2015

Mal ein Bärchen, mal ein Mäuschen, mal - öhm - irgendwas anderes... 
Seit meine kleine Tochter auf der Welt ist, versuche ich, sie zu verstehen. Ich sage: "Meine Tochter ist soundso." Jetzt, 19 Monate später, sage ich: "Das könnt ihr streichen."
Ich habe brav meinen Max Frisch gelesen und weiß, dass man sich kein Bildnis von seinen Mitmenschen machen soll - aber das ist gar nicht so leicht. Ich will Piepsi ja nicht plump in eine Schublade stecken - aber ich will sie doch kennenlernen und wissen, wie die Kleine tickt. Also beobachte ich meine Tochter und sage dann Sätze wie diese:

"Piepsi ist ziemlich draufgängerisch, ihr kann es eigentlich gar nicht trubelig genug sein."
"Piepsi braucht nach der Krippe ihre Ruhe."
"Brokkoli, Oliven, Blumenkohl - meiner Tochter kannst du alles hinstellen. Sie isst es. Und dazu noch so große Portionen."
"Pieps isst momentan fast nichts mehr, spuckt alles aus."
"Piepsi ist ein totales Papa-Kind."
"Wenn es darauf ankommt, ist Piepsi ein richtiges Mama-Kind."
"Piepsi liebt es zu baden."
"Piepsi hat riesengroße Angst vor der Badewanne."
"Piepsi ist ziemlich mutig, fast schon übermütig."
"Piepsi hat Angst vor Fliegen. Piepsi hat Angst vor der Autowaschanlage. Piepsi hat Angst vor Regen."
"Piepsi will nie teilen."
"Piepsi will mich immer füttern."
"Piepsi schläft immer so früh."
"Wir bekommen Piepsi abends nicht ins Bett."

Wie man sehen kann: Es ist ziemlicher Schwachsinn, bei einem 19 Monate alten Kind Sätze mit "immer" zu formulieren. Denn in einem so jungen Leben ändert sich ständig - öhm - ALLES. Und das ist auch gut so.
Dennoch will ich nicht ausschließen, dass ich meine kleine Tochter auch künftig beobachten und analysieren werde. Weil ich neugierig auf meine Kleine bin. Weil ich unsicher bin und mir schon mal so meine Gedanken mache, ob ich eine kleine Tyrannin groß ziehe, wenn sie mal wieder auf dem Spielplatz ein anderes Kind anpflaumt, weil es auf IHRE Schaukel will. Weil ich so gespannt darauf bin, was für ein Mensch mein kleines Mädchen einmal sein wird. Wobei ich auch dann, im Erwachsenenalter, darauf achten muss, sie nicht starren Kategorien zuzuordnen. Denn Piepsi ist halt so und so. Und eben auch ganz anders.

Nie wieder..

Montag, 27. Juli 2015

An diesem Sonntag wollte ich sterben. Ich wollte schon manches Mal in meinem Leben sterben. Allerdings war ich da Studentin, kinderlos - und habe Alkohol deutlich besser vertragen. Insofern beruhigte es mich sehr, dass mich gegen Mittag eine Whats-app-Nachricht einer kinderlosen Freundin erreichte: "Ich liege im Bett und kann mich nicht mehr bewegen." Die Sache mit dem Weggehen als Mutti ist ja so: Der Abend ist gar nicht so das Problem. Sondern der Morgen danach.
Ich erwarte kein Mitleid, mein Schicksal ist selbst erwählt.
Ich WUSSTE, dass ich Sonntagvormittag alleine mit Piepsi sein würde, da mein Mann arbeiten musste. Ich WUSSTE, dass sie natürlich zu einer komplett unmenschlichen Zeit aufstehen würde und natürlich WUSSTE ich, dass sie niemals auf eine "kranke" Mutti Rücksicht nehmen würde. Und schließlich soll meine kleine Tochter auch nicht darunter leiden, dass Mutti es total übertrieben hat und ihre Grenzen nicht kennt.
Als ich die zweite Whats-App-Nachricht mit dem Inhalt "An Aufstehen ist nicht zu denken" erhielt, hatte ich schon folgende Dinge getan:
- 1 Spaziergang mit Piepsi
- 4 frische Brötchen gekauft, während Piepsi ein Mini-Laugenbrötchen abgestaubt hat
- eine Ladung Schmutzwäsche angeschmissen
- eine Ladung Geschirr aus der Spülmaschine geräumt
- 17 Mal Aramsamsam gesungen
- 34 Mal Schaf und Bär zugedeckt
- 3 Kackwindeln entsorgt
- 2 Portionen Vollkornnudeln mit Zucchini gekocht
- 1 Hochstuhl von Resten von Vollkornnudeln mit Zucchini befreit
Äußerlich war ich eine prima Mutti. Innerlich ein Komposthaufen. Nach einem gemeinsamen Mittagsschlaf wurde es besser. Nachmittags war ich sogar in der Lage, mich mit Freunden im Garten zu treffen, Kuchen zu essen, meine tränenden Augen hinter dunklen Sonnenbrillengläsern zu verstecken und unseren Kindern beim Spielen zuzusehen. Dennoch war ich froh, dass auch dieser Tag vorüberging. Rock'n'Roll war definitiv gestern. Ich bin nicht nur Amateurmutti, sondern auch Amateurfeiertante. Wird Zeit, dass Piepsi ins Alter kommt, in dem sie mir Frühstück ans Bett bringen kann. Frühstück und eine Aspirin.

Wie machen die das bloß?

Donnerstag, 16. Juli 2015

Im ersten Jahr mit Baby habe ich viele dumme Sätze gesagt. Einer der dümmsten war wahrscheinlich: "Ich glaube, sie zahnt." Ich meine, dass ich ihn zum ersten Mal geäußert habe, als Piepsi gerade mal drei Monate alt war. Der erste Zahn ließ sich allerdings erst nach sieben Monaten blicken. Wann immer meine kleine Tochter unleidlich war, zahnte sie oder steckte in einem Entwicklungsschub. So kam ich durchs erste Jahr.
Ein anderer Satz, den ich ziemlich oft gesagt habe - den sage ich auch heute noch. Und das voller Überzeugung: "Wie machen die das bloß?" Gemeint sind alleinerziehende Väter oder Mütter. Ernsthaft. Ich könnte mir es nicht vorstellen, dieses Familiending alleine durchzuziehen. Ich weiß: Manchmal hat man gar keine andere Wahl. Manchmal sind Trennungen unausweichlich, manchmal stirbt ein Partner. Und plötzlich ist man alleine. Mit Kind. Oder sogar mit Kindern. Ja, da wäre natürlich auch der finanzielle Aspekt, der mir Sorgen bereiten würde. Aber der ist so abstrakt, dass ich ihn mir derzeit gar nicht vorstellen könnte. Aber die Organisation des gesamten Lebens, wenn man auf einmal alleine dasteht, stellt mich vor die verdammte Frage: "Wie machen die das bloß?" Wir sind zu zweit manchmal schon am Limit. Früher hatte ich alle meine Termine im Kopf. Heute brauche ich einen Kalender. Da ich sehr früh arbeite, ist mein Mann morgens allein mit Kind - und das ist schon eine gewisse Leistung, ein anderthalbjähriges, äußerst aufgewecktes Mädchen zu waschen und anzuziehen, selbst noch irgendwie zu duschen, ohne dass die Kleine die Wohnung auseinandernimmt und sich selbst verstümmelt. Wenn er dann noch versucht, den Frühstückstisch abzuräumen und abzuspülen, ehe es mit der Kleinen in die Krippe und anschließend zur Arbeit geht, hat er oft ein nörgelndes Kind am Bein hängen, das um etwas Aufmerksamkeit bettelt - und oft genug auch bekommt. Nachmittags bin dann ich allein mit Kind, bis mein Mann abends von der Arbeit kommt. Ich versuche, was eben möglich ist. Aber irgendjemand hat mal bei Twitter geschrieben: "In Anwesenheit eines Kindes die Wohnung zu putzen, ist etwa so effektiv wie Zähne putzen und gleichzeitig Nutella-Brot essen." Einkäufe und Getränkekisten in den vierten Stock schleppen, dazu noch ein 12-Kilo-Bröckchen beaufsichtigen, das die Treppen noch nicht ganz sicher hochsteigen kann? Geht nicht. Muss der Partner machen, während der andere auf das Kind aufpasst. Überhaupt läuft es bei uns doch meistens so: Einer kümmert sich ums Kind, der andere kriegt irgendwas erledigt. Steuererklärung, Müll rausbringen, endlich mal das Frühstücksgeschirr spülen.
Sicher: Piepsi wird älter werden, Verständnis dafür entwickeln, dass wir eben mal fünf Minuten etwas wirklich Wichtiges regeln müssen, sie wird mehr und mehr lernen, sich selbst zu beschäftigen und auch mal zehn Minuten alleine in der Wohnung sein, während einer von uns im Keller die Wäsche aufhängt. Und Alleinerziehende?  Was machen die, wenn sie keine Verwandten in der Nähe haben, wenn ihre Freunde voll berufstätig sind und ihnen daher tagsüber auch nicht zu Seite stehen können? "Wie machen die das bloß?" Sie machen es. Und sicher nicht besser oder schlechter als wir. Aber doch sehr viel komplizierter, aufwendiger und kräfteraubender. Alle Achtung.

Ich will nicht mit dir spielen

Freitag, 10. Juli 2015

Eigentlich lerne ich sehr schwer andere Menschen kennen. Denn trotz großer Klappe bin ich  extrem schüchtern und breche mir komplett einen ab, ehe ich mich dazu durchringe, jemanden mal auf einen Kaffee einzuladen. Eigentlich. Aber jetzt bin ich Mutti. Und als Mutti lernt man ständig andere Eltern kennen. Ob man nun will oder nicht. Das kann einen manchmal in schwierige Situationen bringen.
Neulich im Schuhladen: Für Kinder Schuhe zu kaufen, gehört nun nicht gerade zu den Höhepunkten im Familienleben. Schon gar nicht in diesem einen Laden, der eigentlich eher ein Werksverkauf ist, so dass diese furchtbar teuren Kinderschuhe dort nicht mehr furchtbar teuer, sondern einfach nur noch teuer sind. Unter Eltern spricht sich so etwas schnell rum, so dass Piepsis halbe Krippe dort einkaufen geht. Und eben auch diese eine Mutter, die ich überhaupt nicht kannte.
Aber sie kannte Piepsi. Ihr Sohn ist regelrecht vernarrt in meine Tochter und kam sofort mit zwei Schuhkartons bewaffnet auf sie zugetorkelt. Die Mutter stellte sich mir vor, sie seien ja noch recht neu in der Krippe, ja, meinen Mann habe sie morgens schon mal getroffen, jetzt lerne sie ja auch mich einmal kennen, Piepsi würde morgens immer so süß mit ihrem Kleinen spielen, und schließlich: "Was macht ihr denn in den Ferien? Wollen wir nicht zusammen auf den Spielplatz gehen?"
Dieser Redeschwall ergoss sich über mich, während ich schweißgebadet nach Schuhschnäppchen suchte und gleichzeitig verzweifelt versuchte, Piepsi davon abzuhalten, sämtliche Regale leerzuräumen. Dazu hatte sie sich auch noch ihre eigenen Schuhe ausgezogen und in einen der umherstehenden Schuhkartons verpackt, die sich bis kurz unter die Decke stapelten.
Ich sah die Mutter einmal an und wusste: "Nein, das will ich nicht."
Denn vor mir stand eine junge Frau, bei der ich mir sofort sicher war, dass wir uns NICHTS, aber auch GAR NICHTS jenseits von Kinderblabla zu sagen haben. Es ist schwer zu beschreiben, warum ich mir so sicher war, und natürlich kann einen auch einmal die Menschenkenntnis im Stich lassen. Aber schließlich ist es doch ein bisschen wie beim Speed-Dating: Manchmal weiß man schon nach fünf Minuten, dass das nichts werden kann. Und hier war ich mir einfach komplett sicher, NICHT meine zukünftige beste Freundin vor mir stehen zu haben. Dabei muss ich sagen, dass ihr Sohn zuckersüß ist. Ich hätte absolut nichts dagegen, wenn er sich mit Piepsi zum Spielen treffen würde. Leider sind unsere Kinder jedoch noch nicht im Alter, sich ohne Muttis zu verabreden. Und der Gedanke, mit dieser Mutter verkrampfte Gespräche auf dem Spielplatz zu führen... puh. Das ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend. Dafür kenne ich einfach schon zu viele andere Muttis, mit denen ich mich gerne treffe, lästere, lache. Mit denen ich mir auch so, jenseits dieses ganzen Kinder-Dingsbums einiges zu sagen habe.  Aber wie sage ich das nun dieser anderen Mutter, ohne verletzend zu sein?
Ich weiß es nicht. Ich weiß es bis heute nicht. Um ein Play-Date in den Ferien komme ich leicht herum, da wir erst verreisen und anschließend Besuch bei uns haben. Und dann? Muss ich wohl zu Notlügen greifen. Oder hat jemand einen Tipp für mich?


Dein Kind ist doof

Samstag, 27. Juni 2015

Können Kinder doof sein? Oder sind sie alle unschuldige, niedliche, kleine Wesen? Nun ja - Kinder sind kleine Menschen, und Menschen sind nun mal manchmal doof. Vielleicht sind es aber auch wir Erwachsenen, sprich: die Eltern, die ihre Kinder doof machen. Aber gut - hier wären wir bei der Diskussion über den Einfluss der Gene, der Erziehung und des Umfelds, und da möchte ich nun wirklich nicht tiefer einsteigen. Seit ein paar Tagen habe ich jedenfalls ein neues Hassalter, und das heißt: 5.
Ich bekenne mich als Gegnerin aller Mommy Wars und habe gedacht, ich würde mich niemals in die Erziehung anderer Eltern einmischen. Vor ein paar Tagen habe ich es aber doch getan. Beim Gartenfest einer Freundin. Gutes Wetter, gutes Bier, viele Erwachsene, noch mehr Kinder. Wir mit Piepsi mittendrin. Und am Rande: zwei Fünfjährige.
Hätten die Jungs Mohrenköpfe an die Hauswand geschmiert, hätten sie den kompletten Sandkasten ins Wohnzimmer getragen, hätten sie großflächig Nudelsalat auf dem Rasen verteilt - ich hätte geschwiegen. Die beiden Jungs taten jedoch etwas anderes. Sie quälten Bienen. Drückten Glasteller auf sie, schlugen mit Stöcken nach ihnen, stachen mit Gabeln auf sie ein. Ich bitte um Verzeihung, aber bei Tierquälerei setzt es bei mir aus.
In freundlich-bestimmten Ton habe ich den beiden gesagt, dass sie die Bienen in Ruhe lassen sollen. Dass man Tiere nicht quält, dass Bienen unter Naturschutz stehen, dass sie bestimmt gestochen werden, wenn sie die Bienen weiter ärgern. Die Antwort: "Okay, wir lassen die Bienen in Ruhe." Dazu ein Grinsen. Und weiter geht's. Fünfjährige sind so unfassbar miserable Lügner. Die Bienen wurden tatsächlich auch langsam wild, so dass ich Piepsi aus dem Sandkasten zog und auf ein Bobbycar setzte - raus aus der Gefahrenzone.
Die Eltern saßen nur ein paar Meter entfernt, ich kenne sie von anderen Partys, also habe ich ihnen einfach gesagt, was die Jungs da gerade treiben. Die Mutter ist so ein ganz anderer Mutti-Typ als ich. Sprich: ziemlich cool und gelassen. In dieser Situation etwas zu gelassen. Sie verdrehte die Augen, "ja, ich weiß, sie quälen die ganze Zeit die Bienen." So ein bisschen: Jungs in dem Alter sind nun mal so. Stimmt vielleicht auch. Ja, vielleicht wird auch Piepsi eines Tages Tiere quälen. Aber ganz bestimmt nicht, wenn ich direkt daneben stehe. Fünf Minuten später passierte dann das Unvermeidliche: Einer der beiden Jungs wurde gestochen, Riesendrama, dicke Tränen. Einen unbeteiligten Erwachsenen erwischte es ebenfalls, von da an waren die Bienen in Sicherheit, ich aber dennoch erschrocken darüber, wie kackig kleine Kinder sein können. Und nachdem ich so oft dachte, wie schön es sein wird, wenn Piepsi etwas älter und selbständiger wird, dachte ich in diesem Moment nur: "Bitte bleib genau in diesem Alter stehen." Ja, sie ist manchmal bockig, ja, es ist manchmal anstrengend mit so einem Wirbelwind. Aber noch ist sie nicht in der Lage, mir ins Gesicht zu lügen und eine derartige Grausamkeit an den Tag zu legen. Bei Tieren ist immer noch ein großes "eiiiiii" angesagt.
Übrigens: Ich kenne auch den umgekehrten Fall. Eine Freundschaft, die fast daran zerbricht, dass der Partner der einen Freundin das Kind der anderen nervig findet. Auch eine spannende Geschichte. Und Stoff für einen neuen Blog-Beitrag.

Kinder mit Temperament

Mittwoch, 17. Juni 2015

Hurra, Piepsi ist 1,5 Jahre alt! Und startet mit Anlauf in die Trotzphase. Das ist wundervoll, großartig, ganz wichtig für die Entwicklung! Sagen die Erzieher. Ich sage: puh.
Es ist erstaunlich, wie sehr sich Kinder in diesem Alter schon in ihrem Temperament unterscheiden. Waren im ersten Babyjahr alle noch irgendwie - naja - Babys eben, kann man jetzt schon kleine Charakterstudien betreiben. Da sind diese schüchternen, etwas ängstlichen und sehr verschmusten Kinder, die gerne lange Spaziergänge im Kinderwagen unternehmen, mit großen Augen in die Welt schauen und dabei verträumt an einem Butterkeks lutschen. SO hatte ich mir eigentlich immer mein Kind vorgestellt. Allerdings ist mein Kind SO: Nach neun Stunden Schlaf springt sie morgens um 5 um unser Bett herum, zerrt an unserer Bettdecke, nimmt schließlich unsere Kleidung, die auf einem Stuhl liegt, wirft sie vor unser Bett, zeigt mit kleinem Finger darauf und quietscht: "Auf!" Nach acht Stunden Büro hole ich sie schließlich von der Krippe ab (unter Protest, da sie gerade so schön im Sandkasten buddelte), gehe mit ihr zum Kinderturnen, wo sie erst einmal eine halbe Stunde im Akkord rutscht, dann fünfzehn Minuten auf dem Trampolin hopst und dabei vergnügt "Hupf, hupf, hupf!" schreit und schließlich, während andere Mütter mit ihren Kindern schon Äpfelchen kauen, kuscheln und die Schuhe wieder anziehen, es für eine gute Idee hält, sämtliche Bälle aus dem Bällebad zu schleudern und wieder einzusortieren. "Duhuuu, wollen wir nicht mal langsam nach Hause gehen?" Große blaue Augen sehen mich erstaunt an. Wie? Jetzt schon? Daheim angekommen, rennt Piepsi dann erst einmal zur Stereoanlage: "An!" Es folgt 357 Mal in Folge das Lied "Unser kleiner Bär im Zoo" (jedes andere ist derzeit inakzeptabel), zu dem entsprechend gehüpft (hupf! hupf!), gestampft und getanzt werden muss. Wobei ich mich irgendwann zwischen dem 231. und dem 242. Mal davongeschlichen habe, um Abendbrot zu machen. Als meine Tochter bemerkt, dass ich mich vom Acker gemacht habe, kommt sie schließlich mit Schuhen und Jacke in der Hand in die Küche. Spielplatz-Zeit! Ja, von wegen!
Also, keine Ahnung, woher meine Tochter diese Energie hat - von mir jedenfalls nicht. Ich bin eher der müde Typ. Eigentlich bin ich immer müde. Und wie ist es, so ein aufgewecktes und temperamentvolles Kind zu haben? Wundervoll, großartig, tolle Entwicklung. Und sauanstrengend. Zumal sich das Temperament ja auch in anderen Situationen zeigt. Wenn ich irgendwann doch einmal beschließe, dass es jetzt gut ist mit dem kleinen Bären im Zoo. Oder wenn ein anderes Kind auch einmal auf die Rutsche will. Wenn ich nicht gewillt bin, fünf verschiedene Brotaufstriche zu servieren. Oder ich beschließe, dass das Badewannenwasser jetzt wirklich einmal kalt ist. Dann weiß sich meine Tochter lautstark bemerkbar zu machen. Ich habe höchsten Respekt vor dem, was sich da Autonomiephase nennt. Besser gesagt: Ich habe Schiss. Es ist mir peinlich, wenn sie im Supermarkt anfängt zu weinen, weil sie die Bananen nicht direkt aus dem Einkaufswagen herausfischen und verputzen darf. Oder wie eine Bekannte es einmal ausdrückte: "Ab jetzt muss man erziehen. Und das ist doof." Immerhin habe ich es geschafft, beim Kampf um einen Brotaufstrich sie zu einem "Bitte" und "Danke" zu bewegen. Und es ist so einfach unglaublich niedlich, wenn sie mit ihrem kleinen Finger auf den Käse zeigt und "Biiiiiiiedäääää" sagt. Manchmal sagt sie statt "Biiiiedäää" auch "Pipi". Aber das lass ich mal gelten.

Aktenzeichen XY und alleine im Wald

Donnerstag, 4. Juni 2015

Letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen. Nein, mit Piepsi hatte das diesmal nichts zu tun. Oder vielleicht doch. Denn gestern Abend habe ich Aktenzeichen XY gesehen. Zum ersten Mal seit gefühlt zwanzig Jahren, da mich crime eigentlich nicht wirklich interessiert. An der gestrigen Sondersendung über verschwundene Kinder bin ich jedoch dran geblieben. Und mir wurde es eng ums Herz.
In der Vor-Baby-Zeit habe ich mich kaum für die Schicksale verschwundener Kinder interessiert, nicht einmal für die ganz großen Fälle wie Maddie McCann oder Peggy. Viel mehr als die Schlagzeilen oder den groben Verlauf der Ermittlungen habe ich nicht wahrgenommen. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, sind diese Nachrichten kaum zu ertragen - auch wenn der Kommissar in der Sendung sagte, dass in 99 Prozent der Fälle verschwundene Kinder schon nach wenigen Stunden wieder wohlbehalten wieder auftauchen. Aber schon 1 Prozent ist zu viel.
Ich habe Peggys Mutter in der Sendung gesehen, der journalistisch dämliche Fragen à la "Wie fühlen Sie sich?" gestellt wurden. Wie sie erzählte, dass sie sich ausmalt, wie ihre Tochter wohl jetzt mit Anfang 20 aussehen mag, während in meinem Kopf der Gedanke aufpoppte: "Aber die ist doch sicherlich längst tot." Unaussprechlich. Und wäre ich an der Stelle von Peggys Mutter - natürlich würde auch ich die Hoffnung nie aufgeben.
Aber was tun, um das eigene Kind zu schützen? Bei dem Gedanken, dass jemand meine Tochter anfassen könnte - nein, unvorstellbar, undenkbar, nicht von dieser Welt. Soll ich sie nun einsperren? Ihr elektronische Fußfesseln in Form von Überwachungs-Apps anlegen, die in den USA inzwischen recht verbreitet sind? Soll ich zum Superhelikopter mutieren?
Ich erinnere mich, wie ich selbst als Kind stundenlang alleine im Wald hinter unserem Haus gespielt habe. Und dort gerne an Stellen, an die sich kaum Spaziergänger verirrten. Angst hatte ich damals nie. Und das, obwohl mir eine Klassenkameradin, die in der Nähe wohnte, Gruselgeschichten über dieses Wäldchen erzählte. Man solle da eine Babyleiche in einem Müllsack gefunden haben, sagte sie mir. Ich habe nie überprüft, ob an dieser Geschichte etwas dran war.
Ich erinnere mich auch daran, wie wir die Augen verdrehten bei Sätzen wie: "Steig nie in fremde Autos ein!" Damals nervte mich das. Heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, was es mit diesem Satz auf sich hat. Als Kind habe ich mich ehrlich gesagt nie genau gefragt, warum ich nicht in fremde Autos einsteigen sollte. Wahrscheinlich dachte ich, ein Fremder könnte mich ausrauben, was bei meinem Taschengeld von einer Mark am Sonntag lächerlich gewesen wäre. Auf den Gedanken, dass sich jemand mir nähern will, wäre ich nie gekommen - ich war in dem Alter doch kaum aufgeklärt und wäre in den kühnsten Träumen nicht auf den Gedanken gekommen, dass erwachsene Männer sich für mich interessieren könnten.
Peggy ist nicht in einem abgelegenen Wäldchen verschwunden, sondern auf den letzten 50 Metern ihres Schulweges in einem kleinen, beschaulichen Dorf. Eine totale Sicherheit gibt es für unsere Kinder nicht. Uns Eltern bleibt nur übrig, unsere Kinder wehrhaft zu machen. Meine Kleine:
Nimm nie Süßigkeiten von einem Fremden an.
Geh nie mit einem Fremden mit.
Steig nie zu einem Fremden ins Auto.

Jedes Kind kann schlafen lernen - nicht

Sonntag, 31. Mai 2015

Ich bin erschöpft. Das ist meine einzige Entschuldigung. Ich habe seit 17 Monaten nicht mehr durchgeschlafen und muss derzeit häufig sehr früh (und mit sehr früh meine ich: um 4 Uhr) für meine Arbeit aufstehen. Bislang haben wir als Eltern das alles mit Fassung getragen, was wohl auch daran lag, dass Piepsi abends mit etwas Händchenhalten eigentlich nach spätestens 20 Minuten ganz gut einschläft und nachts, wenn sich jemand neben sie legt, mit etwas Händchenhalten nach dem Aufwachen meistens ganz gut wieder einschläft - ehe die Nacht dann um 5 Uhr endgültig vorbei ist.
Das ist seit ein paar Wochen nicht mehr der Fall. Oft brauchen wir abends bis zu 90 Minuten, bis Piepsi schläft - und das, obwohl sie todmüde ist. Dann ist es oft schon fast neun Uhr, und da ich ja so fies früh aufstehen muss, kann ich mich gleich dazu legen - Ich-Zeit gleich Null. Sozialleben? Ausgeschaltet. Genug gejammert. Da muss sich was ändern. Dachte ich.
Natürlich weiß ich seit frühester Babyzeit von der Ferber-Methode und der etwas abgeschwächten Form, die in dem umstrittenen Ratgeber "Jedes Kind kann schlafen lernen" beschrieben wird. Ich kenne die Kritik an dieser Methode, die vorsieht, nach einem kuscheligen Abendritual das Kind ins Bett zu legen und trotz Protest das Kinderzimmer zu verlassen, um dann nach zunächst 3 Minuten, später dann 5 oder 7 Minuten wieder nach dem Kind zu sehen, es zu trösten, dann aber wieder aus dem Raum zu gehen. So soll das Kind lernen, selbst einzuschlafen.
Was für ein herrlicher Gedanke: Piepsi noch ein Küsschen aufdrücken, ab in die Heia, und raus in den Eltern-Feierabend. Aber wer einmal durchs Internet schaut, wird nur Negatives über die Methode lesen. Lieblos, großer Stress für Kinder und Eltern, schwere traumatische Schäden, ich weiß nicht was. Das ist bei mir hängen geblieben: "Jedes Kind kann schlafen lernen" ist der Satan. Dennoch habe ich mich mal bei Freunden und Bekannten umgehört, in der Erwartung, Ähnliches zu hören, das mich in meiner Meinung bestätigt. Aber was soll ich sagen? Satan ist ziemlich beliebt.
Die einen haben es strikt nach Lehrplan durchgezogen, die anderen etwas abgeschwächt mit kürzeren Wartezeiten. Das Krasseste, was ich gehört habe: "Ich bin raus in den Garten gegangen, um das Gebrüll nicht zu hören." Puh.
Die Hauptkritik, die ich gelesen habe, war, dass kleine Babys gar nicht wissen, was geschieht. Nun hatte sich eine Freundin aber bei einer Jugendtherapeutin erkundigt: Tatsache ist, die Methode ist für Babys absolut ungeeignet, bei Kleinkindern aber durchaus erfolgversprechend. Ich glaube, das war es, was mich schließlich davon überzeugt hat, es doch einmal auszuprobieren. Und zwar gestern Abend.
Ab dem Mittag waren mein Mann und ich angespannt. Wir wussten, dass da abends etwas auf uns zukommen würde. Wir dachten, uns würde ein sehr langer Abend bevorstehen. Dem war nicht so: Piepsi schlief nach einer Stunde. Aber es war die Hölle.
Drei Minuten vor der Tür warten, während das Kind weint? Als Mutter eines ehemaligen Schreibabys dürfte das doch kein Ding sein. Dachte ich. Aber es ist ein himmelweiter Unterschied, ob mein Kind trotz mir schreit - oder wegen mir. Ob ich alles tue, was in meiner Macht steht, um es vom Schreien abzuhalten und es zu beruhigen - oder ob ich ihm bewusst meine Hand entziehe, es alleine lasse und damit das Schreien verursache. Und Piepsi schrie. Sie schrie, bis sie hustete und ich dachte, dass sie sich gleich übergeben würde. Wir sind sofort vom Lehrplan abgewichen, eine siebenminütige Wartezeit schien uns undenkbar. Dennoch wollten wir es durchziehen. "Ihr müsst konsequent sein", wurde uns gesagt. Wir saßen beide im Wohnzimmer, mein Herz hämmerte heftig, aus dem Kinderzimmer nach etwa einer halben Stunde ein etwas heiseres Gebrüll. Kaum gingen wir zu Piepsi, kaum hielt sie unsere Hand, beruhigte sie sich, war kurz vorm Einschlafen, aber genau das sollte sie doch nicht: in unserer Anwesenheit einschlafen.
Dann Geräusche, die wir nicht zuordnen konnten. Das Babybett, das auf dem Parkett quietschte. "Die muss heftig herumtoben", dachte ich. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, die in Wirklichkeit aus einer Stunde "Schlaflerntrainig" bestand, schlief meine arme kleine Tochter ein. Und ich fühlte mich wie ein Arschloch.
Ich habe weitere Internetseiten besucht, bekam auf einmal ein ganz klammes Gefühl ums Herz. Urvertrauen, Trauma, Kind gebrochen. Ist das übertrieben? Oder trifft das zu? Habe ich gerade mein eigenes Kind, mein Allerliebstes gefoltert?
In der Nacht schlief Piepsi gut, ich nicht. Ich hatte Angst davor, ihr am nächsten Morgen in die Augen zu sehen. Angst, dass sie mich nicht mehr lieben könnte. Aber sie war wie immer. Bis zum Mittagsschlaf.
Da legte ich sie wie üblich hin, wollte nur eben auf dem Flur noch etwas einräumen und mich dann ohnehin zu ihr legen - als ich wieder das Bettquietschen hörte. Und diesmal sah, was es damit auf sich hatte: Piepsi hielt sich an den Gitterstäben fest und donnerte den Kopf mit voller Wucht gegen den Bettrahmen. In diesem Moment machte es in meinem Herzen KLIRR. Was bin ich nur für eine Scheißmutter, die es zulässt, dass sich meine kleine Tochter selbst verletzt? Nie wieder Schlaflerntraining, das stand für uns in diesem Moment fest. Irgendwann wird sie schon schlafen lernen - oder alt genug sein, um selbst zu uns ins Bett zu krabbeln.
Eins möchte ich aber doch noch sagen: Ich kann mir vorstellen, dass es Kinder gibt, bei denen das Programm weniger dramatisch abläuft, weil sie ein anderes Temperament haben. Weil sie sich besser regulieren und selbst beruhigen können. Kinder, die vielleicht nur ein bisschen meckern und dann recht schnell lernen, alleine einzuschlafen. Piepsi ist nun mal anders. Und ganz wunderbar. Heute Nacht werde ich mich wieder zu ihr legen und Händchen halten. Ich freue mich drauf.

Das Kind funktioniert nicht

Freitag, 22. Mai 2015

Ich habe mich ja bereits als Gegnerin von Mommy Wars geoutet, mir wäre es auch viel zu anstrengend, einen solchen anzuzetteln. Aber ist es nicht ganz natürlich, dass man sich manchmal... wundert? Ich zum Beispiel habe mich selten so sehr über einen Ausspruch einer Mutter gewundert wie über den einer guten Bekannte, mit der ich während der Elternzeit oft Kinderwagenschubsen gegangen bin.
Ähnlich wie ich hängt sie sehr an ihrem Beruf. Ähnlich wie ich muss sie zu völlig irren Zeiten arbeiten. Schichtbetrieb, mit Einsätzen in der Nacht, am frühen Morgen, samstags und sonntags. Anders als ich war sie aber der Ansicht, dass ihr Beruf nur genau so auszuüben sei, dass sie also eine Tagesmutter finden müsse, die sämtliche Randzeiten abdeckt, und dass das Kind da mitziehen müsse. Ihr Ausspruch während der Elternzeit, vor sich im Kinderwagen ein fünf Monate altes Baby: "Das Kind muss eben funktionieren. Dass ich mich beruflich verändere, ist keine Option."
Meine Bekannte hatte Glück: Das Kind funktioniert. Und auch eine passende Tagesmutter hat sie nach langer Suche gefunden. Die wohnt zwar nicht wirklich in der Nähe, passt auf den Lütten aber auch mal früh morgens und abends auf, ehe der Kindsvater dann den Kleinen abholt. Herzlichen Glückwunsch, alles richtig gemacht.
Auch ich kann mich über ein funktionierendes Kind freuen. Piepsi geht in die Krippe, ich zur Arbeit, das System läuft. Wobei Piepsi etwas schlechter als andere Kinder in ihrem Alter funktioniert, sprich: absolut miserabel schläft, so dass ich auch mal mit exakt null Stunden Schlaf im Büro erschienen bin. Aber da habe ich funktioniert.
Was genau stört mich so sehr an dem Satz? Es ist wohl die Härte, die da mit schwingt. In den ersten Wochen nach der Geburt, als bei uns absolutes Chaos herrschte, funktionierte rein gar nichts. Und ich war mir damals absolut nicht sicher, ob ich mein sensibles Kind fremd betreuen lassen und in den Beruf zurückkehren könnte. Ich wäre aber niemals auf die Idee gekommen, mein Kind als nicht-funktionierend zu bezeichnen. Kaffeemaschinen funktionieren nicht. Mein verdammter Kack-Computer funktioniert nicht. Mein Auto funktioniert nicht. Aber mein Kind?
Natürlich denkt man während der Schwangerschaft darüber nach, was wohl wäre, wenn das Kind nicht gesund zur Welt käme. Wenn es einen Defekt hätte. Nicht funktioniere. Dabei habe ich immer wieder diesen Satz gelesen: "Die meisten Behinderungen entstehen nicht während der Schwangerschaft oder der Geburt - sondern im Leben." So wie die meisten Kaffeemaschinen ihre Kunden noch völlig intakt erreichen und auch mein Kack-Computer nach dem Kauf wunderbar lief, kam Piepsi gesund zu mir. Aber anders als bei meinem Kack-Computer, den ich gerade zurückgebracht habe, habe ich für meine Tochter keine Garantie. Vielleicht wird sie eines Tages krank werden. Und natürlich werden wir dann hier in gemeinsamer Absprache das komplette System über den Haufen werfen, egal, wie sehr ich an meinem Beruf hänge. Denn meine Tochter ist zwar kein goldenes Kalb, um das ich den ganzen Tag lang  folkloristische Tänze ausübe. Aber doch der neue Mittelpunkt meiner Welt.

Piepsi hat eine Freundin

Mittwoch, 6. Mai 2015

Piepsi hat eine Freundin. Sie heißt Matilda und ist zwei Jahre und ein paar Monate alt, also aus Piepsi-Sicht so richtig erwachsen. Ich habe keine Ahnung, wie die beiden miteinander kommunizieren, aber irgendwie tun sie es.
Wenn ich morgens meine Tochter in die Krippe bringe, dann schallt es schon von Weitem: "Piepsi! Piepsi!" Dann kommt ein kleines blondes Mädchen angehüpft, nimmt meine Tochter in den Arm, gibt ihr ein Küsschen, und dann setzen sich beide auf den Boden, gucken sich an und lachen sich schief. Ich würde am liebsten einen Stuhl daneben stellen, mich daneben setzen und losheulen, so niedlich ist das. Auch bei Matilda zu Hause ist Piepsi Gesprächsthema, wie mir ihre Mutter erzählt hat. Andersherum kann ich das nicht bestätigen, was wohl daran liegt, dass sich Piepsi abgesehen von Mama, Papa, Puppu, Buch, Tisch, aufräume, Mama arbeita und Wuff eher lautmalerisch verständlich macht. Dennoch scheint Matilda ihre allererste allerbeste Freundin zu sein, wobei ich weiß, dass diese Freundschaft wohl nicht halten wird.
Matilda wohnt in einem anderen Stadtteil, wird bald einen anderen Kindergarten und dann eine andere Grundschule besuchen. Nun, meine Tochter wird neue Freunde finden. Oder etwa nicht? Sollte ich mich irgendwie einmischen, Matilda zu uns nach Hause einladen? Oder zu Piepsis zweitem Geburtstag, der allerdings noch in weiter Ferne liegt? Versau ich meiner Tochter durch meine komplette Passivität gerade die allerbeste Freundschaft für alle Zeiten und darüber hinaus? Oder ist das alles Schwachsinn, weil Kinder in diesem Alter noch gar nicht so richtig befreundet sein können? Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir sicher, dass Matildas Mutter es mir schon sagen wird, wenn es Zeit für eine Spielverabredung wird. Die arbeitet nämlich als Erzieherin. Und mehr Profi geht wohl kaum.

Mama arbeita

Donnerstag, 30. April 2015

Foto: Pixabay
Während Piepsi optisch eher nach meinem Mann kommt, scheint sie sonst einiges von mir zu haben. Sie ist nämlich eine ziemliche Quasseltante. Sie labert und singt eigentlich den ganzen Tag, wobei ich nur etwa 5 Prozent ihres Verbalausstoßes auch inhaltlich zuordnen kann. Nun hat sie sogar schon ihren ersten Zwei-Wort-Satz von sich gegeben: "Mama arbaita." Aua.
Wenn Piepsi morgens mit meinem Mann frühstückt, bin ich nämlich meistens schon außer Haus. Dann zeigt sie auf meinen leeren Platz und fragt: "Mama?" Mein Mann erklärt dann immer, dass Mama arbeitet, und mittlerweile ist das Erste, was Piepsi in der Krippe zur allgemeinen Begrüßung von sich gibt, ein "Mama arbeita." Gottseidank tut sie das nicht traurig, sondern in einem munteren halbstündlichen Plappermonolog mit der Quintessenz, dass ich im Büro bin und sie deshalb in der Krippe ist. Offenbar ist sie stolz darauf, die Lage voll gecheckt zu haben.
Nun habe ich dieses Wochenende etwas ganz Außergewöhnliches vor: mein erstes Wochenende ohne Kind. Nach 16 Monaten freue ich mich darauf, meine Freunde zu treffen und eine Nacht lang durchschlafen zu können (wobei ich nicht denke, dass ich sehr viel Schlaf bekommen werde). Bei aller Freude bin ich aber auch etwas nervös. Nicht, weil ich es meinem Mann nicht zutraue, zwei Tage alleine mit der Kleinen zu sein, sondern weil ich mich frage, wie sehr mich meine Tochter vermissen wird. Wenn ich nicht da bin, heißt es - egal, was ich auch gerade treibe - "Mama arbeita." Aber kann man das seinem Kind ein ganzes Wochenende lang erzählen? Zumal ich am Sonntag erst nach ihrer Bettgehzeit heimkehren und am Montag vor ihrer Aufstehzeit wieder arbeiten werde? Überhaupt: Ist es nicht erstaunlich, wie häufig man seinem Kind etwas vorgaukelt? Egal, eine Auszeit ohne Kind muss einfach mal drin sein. Vielleicht läuft ja auch alles wunderbar und Piepsi gibt sich weiterhin völlig zufrieden mit der Erklärung "Mama arbeita." Nicht, dass sie allzubald schnallt, was da wirklich läuft und es dann heißt: "Mama saufa."

Meckermutti

Freitag, 24. April 2015

So viel ist über #regrettinmotherhood geschrieben worden, dass ich zurückbleibe mit der Frage: Ja, wer zum Himmel bereut das denn nicht? Also zumindest manchmal, öfters, immer wieder? Welche Mutti, welcher Papi wünscht sich nicht eine Stopp-Taste, eine Pause-Funktion in diesem Familienirrsinn, wer sehnt sich nie nach seinem alten Leben zurück?
Ja, ich weiß - in der Studie ging es darum, die Mutterschaft rückgängig machen zu wollen, wenn es denn möglich wäre. Sie also nicht einfach als lästig zu empfinden, sondern tatsächlich zu bereuen. Dennoch: Eine Freundin von mir meinte kürzlich, dass sie genervt sei von diesen Muttis, die sich ständig darüber beklagen, wie anstrengend ihr Leben mit Kind doch sei. Und dass sie eigentlich auch nur solche kenne: Die, die jammern, die meckern, die darüber schimpfen, kaum noch auszugehen, zu wenig Zeit für Freunde und den Partner zu haben und sich nichts lieber wünschen als ein Wochenende alleine auf einer einsamen Insel zu verbringen. Und die schlimmste aller Meckermuttis bin natürlich: ich.
Tatsächlich hat sie Recht: Ich bin zwar umgeben von Profimuttis, die mit in Koalabärchenform ausgestochenen Käsevollkornbroten, sternförmigen Salatgurken und zwei Garnituren Wechselklamotten auf dem Spielplatz auftrumpfen, während ich schon froh bin, an eine Ersatzwindel gedacht zu haben. Aber selbst von den Profis höre ich immer mal wieder (dahin gesagt mit einem müden Lächeln): "Ja, es ist schon anstrengend. Eine Auszeit wäre schön."
Wo sind sie, die Muttis, die laut schreien: Jawohl, es ist geil, ein Kind zu haben, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, ich schieb gleich ein zweites hinterher?!
Ich kenne da jemanden, eine andere Freundin, die zumindest ansatzweise so tickt. Die zwar auch mal meckert (herrje, das muss aber auch mal sein!), die aber sagt: "Ich finde meine Elternzeit großartig." Tatsächlich scheint es sich als moderne und emanzipierte Frau aber irgendwie nicht zu gehören, das so zu empfinden. Als sie sich mit einer höhergestellten Kollegin unterhielt, meinte die nämlich: "Du bist sicher auch froh, bald wieder im Job zu sein?" Nö. Ist sie nicht. Sie findet es wunderbar, so viel Zeit mit ihrem Kind verbringen zu können. Und eigentlich ist das doch auch ziemlich schön.
Daher einmal in aller Deutlichkeit: Ja, das Muttileben geht mir teilweise ziemlich auf die Nerven. Aber ob ich es bereue, Piepsi bekommen zu haben und meine Mutterschaft rückgängig machen will? Ich glaub, es hackt!

Verlosung: "Blogger schenken Lesefreude 2015" - mit Michael Mittermeier

Donnerstag, 23. April 2015



Eigentlich betreibe ich ja so einen Blog, der sich komplett auf Texte konzentriert. Verlosungen, Tests, Product-Placement jeglicher Art findet hier eigentlich nicht statt. Eigentlich. Heute mache ich eine Ausnahme. Denn heute ist der Welttag des Buches, und wie im vergangenen Jahr möchte ich mich auch in diesem an der Aktion "Blogger schenken Lesefreude"beteiligen. Und da die Initiatoren die Aktion eigentlich nicht so geplant hatten, dass Blogger die Verlage anhauen und nach Gratisexemplaren fragen, habe ich mich mal kritisch zu meinem Bücherschrank begeben, mir überlegt, welches meiner Bücher zu meinem Blog passt und von welchem ich mich trennen kann. Das Ergebnis: "Achtung Baby!" von Michael Mittermeier. Das habe ich hier nämlich tatsächlich schon öfters zitiert, stets mit der Bemerkung, dass ich weiß Gott kein großer Mittermeier-Fan bin - dieses Buch aber tatsächlich ziemlich witzig ist. Nicht jedes Kapitel, aber die meisten. Ein paar Seiten habe ich sogar meinem Mann laut vorgelesen, das will was heißen! Also: Wer Interesse hat, möge bitte einen Kommentar absondern, das Los entscheidet, wer Post bekommt! Ich lasse die Aktion mal fünf Tage laufen und hoffe auf zahlreiche Wortbeiträge:)  Und noch einmal: Das hier ist kein schickes neues Buch, sondern ein original Mutter-Rabe-Schmöker! Beschwerden über Schoko-Flecken auf manchen Seiten also bitte direkt an mich!

Achtung: Die Verlosung ist abgeschlossen! Der glückliche Gewinner wurde per Email informiert:)

 
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