Mein Arbeitgeber-Baby

Samstag, 31. Januar 2015

Ich gebe zu, dass ich es während meiner Elternzeit etwas seltsam fand, wenn Muttis ihren Unmut darüber kuntaten, dass die Krippe oder der Kindergarten mal zu hatte und ihre Kinder dann den ganzen Tag zu Hause waren. Das hatte für mich so etwas von "Hilfe, ich muss Zeit mit meinem Kind verbringen!" Ich Naivling. Jetzt, da ich wieder arbeite, sehe ich die Dinge klarer.
In den drei Tagen, an denen ich voll arbeite und danach direkt Piepsi von der Krippe abhole, komme ich zu: gar nichts. Alles konzentriert sich also auf meine zwei freien Tage in der Woche. Meine Liste an Dingen, die ich tun sollte (Sport!), die ich unbedingt tun sollte (Haushalt!) und die ich tun will (schlafen!) wird immer länger. Wem ich sage, dass ich zwei freie Tage die Woche habe, der reagiert meistens mit einem "Cool, dann hast du ja richtig viel Zeit für dich!"
Nee. Habe ich nicht. Dafür habe ich ein äußerst arbeitgeberfreundliches Kleinkind, das es bislang immer geschafft hat, pünktlich zu meinen freien Tagen krank zu werden. Wie praktisch, dann habe ich ja richtig viel Zeit, mich ohne schlechtes Gewissen gegenüber meinem Chef um Piepsi zu kümmern!
Ein schlechtes Gewissen habe ich allerdings trotzdem. Nämlich gegenüber Piepsi. Ich schäme mich ein bisschen dafür, dass ich so genervt bin von diesen ständigen Kinderkrankheiten. Dass ich die Kleine ganz gerne mal in die Krippe abschieben würde, um etwas Zeit für mich zu haben. Tja. Eine Profi-Mutti werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr werden. Armes Piepsi.

Ein Jahr nach dem großen Gebrüll: Was aus meinem Schreibaby wurde

Donnerstag, 22. Januar 2015

Heute vor einem Jahr waren wir an einem Tiefpunkt. Piepsi war etwa sechs Wochen alt, und wenn sie nicht gerade schlief oder gestillt wurde, dann schrie sie. Ich wusste zwar, dass die Zeit des großen Gebrülls irgendwann enden würde, schließlich kenne ich kein fünfjähriges Kind, das jeden Tag stundenlang schreit, aber ich fragte mich, wie wohl meine Tochter später einmal sein würde. Ich fragte mich, was für einen Charakter, was für ein Gemüt dieses Kind, das offenbar so unglücklich auf dieser Welt war, haben würde. An diesem Tag hatte ich in einem Kinderkrankheits-Lexikon gelesen, dass Schreibabys später oft an ADHS leiden und aggressiv sind. Freund Google teilte mir zudem mit, dass es oft für Dreimonatskoliken-Kinder später schwierig wird, sich in einer Krippe zurechtzufinden und zu integrieren. Nun hatten wir an diesem Tag einen Termin bei einem Kinderneurologen, um sicher zu gehen, dass Piepsi nicht womöglich unter Anfällen oder Krämpfen leidet. Und um meine größte Sorge endgültig auszuräumen - nämlich dass meine Tochter Schmerzen hat und wir irgendwas übersehen.
Bei Piepsis Anblick, die wir im Fliegergriff ruhig hielten, meinte der Neurologe lächelnd: "Wie süß." Bei meiner Frage nach ADHS sagte er: "Blödsinn. Das können wir erst in etwa sechs Jahren sagen." Bei meiner Sorge, mein Kind könnte womöglich doch noch monatelang schreien, sagte er: "Ich bin mir sicher, dass das nach zwölf Wochen vorbei ist. Wenn nicht, dürfen Sie wiederkommen und mich persönlich beschimpfen." Ich bin nicht wiedergekommen.
Aber was ist nun aus Piepsi geworden? Wie ist sie heute? Nachdem Brigitte Mom aus irgendwelchen Gründen (ich weiß tatsächlich nicht wie) auf meinen Blog aufmerksam wurde und in einer Ausgabe auf ihn hinwies, habe ich einige Emails von Eltern mit Schreibabys erhalten. Zum Teil sehr traurige und besorgte Emails. Ich kann die Verzweiflung verstehen, daher ein paar Sätze zu meinem etwa 13 Monate alten Töchterchen:
Dass ich das niedlichste Baby der Welt habe, wurde hier schon mehrfach erwähnt. Tatsache ist: Sie ist sogar noch niedlicher geworden. Aber das Erstaunlichste an Piepsi ist, dass sie unfassbar fröhlich ist. Keine Ahnung, woher sie das hat. Von mir jedenfalls nicht. Die Eingewöhnung in der Krippe verlief absolut problemlos und komplett ohne Gebrüll. Denn die Kleine findet es toll, mit anderen Kindern zu spielen. Die Erzieher sprechen von einem "Bilderbuchkind". "Immer am Lachen" und so. Naja, soweit würde ich jetzt nicht gehen, denn Piepsi rutscht so langsam in die Trotzphase, was ja auch völlig normal, wenn auch etwas anstrengend ist. Auch von Entwicklungsverzögerungen, die Google beim Begriff "Schreibaby" ausspuckt, kann ich nichts feststellen. Meine Tochter ist mit sieben Monaten gekrabbelt, mit elf Monaten gelaufen und fing mit zwölf Monaten mit "Mama", "Baba" und "Wauwau" an. Oh weh, jetzt kling ich wie die letzte Poser-Mutti. Aber ich schreibe das wirklich, um anderen Eltern Hoffnung zu machen. Vielleicht habt ihr das tollste, zufriedenste und glücklichste Baby der Welt. Ihr könnt es nur noch nicht erkennen. Deshalb: Haltet durch. Was bleibt euch auch anderes übrig? Hätte mir vor einem Jahr noch jemand gesagt, dass ich heute in der Lage sein würde, diesen Text zu schreiben, während meine Tochter neben mir ein Bild "malt", hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Oder (wahrscheinlicher) geheult. Jetzt hoffe ich nur, dass Piepsi so lustig bleibt, wie sie ist. Und nicht allzu schnell dahinter kommt, dass gar nicht alle Menschen nett sind.

Vollzeit-Mutti: Ich nerve

Samstag, 17. Januar 2015

Ich bin erst seit wenigen Tagen zurück im Beruf und stelle fest: Ein "So will ich niemals werden" ist einem "Hilfe, ich bin längst so geworden" gewichen. Ich bin das wandelnde Mutti-Klischee und kann auch im Büro nicht von meinem Leben als Vollzeit-Mutti lassen. Woran ich das festmache?

  • Ich erzähle (unaufgefordert) jedem Kollegen alles Mögliche über Piepsi. Ob er es hören will oder nicht. Dabei erinnere ich mich noch durchaus an die Zeit, in der mich zwar das Leben meiner Bekannten sehr, das ihrer Kinder jedoch absolut rein gar nicht interessiert hat. Ich sollte mir eine Strichliste anlegen. Nur dreimal am Tag Kollegen von Piepsi erzählen - und dann auch bitte nur Kollegen, die ebenfalls bereits geworfen haben und mit Pipi-Kacka-Zahn-Geschichten etwas anfangen können.
  • Ich zeige (unaufgefordert) allen möglichen Leuten Fotos von Piepsi. Ist das nicht entsetzlich? Wieso tue ich das nur?? Was erwarte ich denn bitte? Ein "Himmel, das ist ja das niedlichste Baby der Welt!"? Dass Piepsi das ist, das weiß ich doch auch so.
  • Darum bin ich gerade noch mal herumgekommen: Mutti als krankheitsbedingter Totalausfall. Aber das wird kommen, das ist sicher. Ich war gerade einmal drei Tage zurück auf der Arbeit, als Piepsi und Mann mit Magen-Darm-Infekt zu Hause im Bett lagen. "Irgendwie kriege ich das schon hin", beteuerte der Teuerste. Naja, sagen wir es mal so. Ich war an diesem Tag auf der Arbeit - und irgendwie ging dieser Tag auch tatsächlich rum. 
  • Ich sehe kacke aus. Naja, ein Kollege sagte: "Mann, du siehst aber fertig aus." Herzlichen Dank auch! Da waren nun mal zwei Nächte, in denen es nur drei Stunden Schlaf gegeben hat (besagter Magen-Darm-Infekt) und ich mir wirklich alle Mühe gegeben habe, mich wach zu schminken. Da ich leider nie gelernt habe, wie man sich richtig schminkt, muss ich wohl bald mal einen Kurs bei diesen Douglas-Frauen machen. Die haben's drauf mit dem Zuspachteln.
  • Ich habe ein schlechtes Gewissen und vermisse Piepsi. Sehr hilfreich war dann auch die Frage eines älteren Kollegens: "Bricht es dir nicht das Mutterherz, dass deine Kleine jetzt schon in die Krippe geht?" Eine unschuldige Frage, alles nicht böse gemeint. Dennoch: großes Aua.
So, Probleme erkannt, Probleme werden angegangen. Denn eins muss ich doch sagen: Es ist schön, wieder zu arbeiten. Und erstaunlich, wie schnell so ein Tag im Büro vorüber geht. Im Vergleich zu einem Tag mit angeschlagenem Töchterchen. 

Die Heimlich-Esser

Samstag, 10. Januar 2015

Seit Piepsi die Welt entdeckt und alles ausprobieren und sich in den Mund stecken möchte, haben wir am Esstisch ein Problem. Ja, ich achte darauf, dass meine Tochter gesunde Mahlzeiten zu sich nimmt. Bei mir sieht das allerdings anders aus. Bislang war das kein Problem, Piepsi schmeckte der Brei und konnte sich über ein Butterbrot ganz wunderbar freuen. Doch irgendwann kam die Kleine auf den Trichter, dass das, was da auf ihrem Teller liegt, nicht das Gleiche ist wie das auf meinem Teller - und dass mein Essen womöglich interessanter sein könnte. Seither wird mit ausgestrecktem Fingerchen auf mein Futter gezeigt. Zunächst mit einem kleinen Fiepen, schließlich mit etwas fordernderen  Tönen.
Die Sache ist ja so: Es gibt da Dinge, die Piepsi nicht essen kann, da sie es nicht verträgt oder sich verschlucken könnte (Sonnenblumkerne, Chili con carne, Rotwein...). Und es gibt Dinge, die sie einfach nicht essen sollte (Nutellabrote...). Da ich meiner 12 Monate alten Tochter aber nun mal nicht verklickern kann, dass ich ihr manche Dinge nicht aus purer Mutti-Boshaftigkeit verweigere, gehe ich den Weg des geringsten Widerstands und tische nur noch das auf, was baby- und erwachsenentauglich ist. Roggenmischbrot mit Frischkäse und Salatgurke, Gemüsepfanne, Fisch mit noch mehr Gemüse. Ist ja auch lecker. Irgendwie. Und während ich so am Tisch sitze und Piepsi die frischkäseverklebten Pfoten abwische, bringt mein Mann die Teller in die Küche und kommt mit vollen Backen zurück.
Ich so: "Was isst du da?!"
"Nöchtsch."
"Ist das der Schoko-Nikolaus?? Hast du gerade heimlich in der Küche dem Schoko-Nikolaus den Kopf abgebissen?"
"Mhhm, mhhm." (Tritt kauend ab).
Seit der Beichte einer Profimutti, dass sie immer gemeinsam mit ihrem Kind ein Gesund-Brot isst, und sich dann, wenn das Kind schläft, ein Brot mit Schokostreuseln bestreuselt, haben wir die Völlerei auf die Abendstunden verlegt. Jetzt kann ich nur hoffen, dass meine kleine Entdecker-Tochter nicht irgendwann auf mein geheimes Schokolager stößt. Denn dann bin ich geliefert.

Ausgebloggt?

Freitag, 2. Januar 2015

Am Montag ist es soweit: Ich gehe wieder arbeiten. Ich muss sagen: Ja, ich bin nervös. Denn ich werde in einer anderen Abteilung anfangen. Neue Kollegen, neue Aufgaben, neue Programme, alles neu. Ja, ich habe Angst - aber ich freu mich auch darauf! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass erst dann, wenn ich wieder arbeite, das Familienleben so RICHTIG beginnt. Also ich meine damit den kompletten Wahnsinn. Während meiner Elternzeit konnte ich alle Bälle auffangen. Arzttermine, krankes Baby betreuen, alle erdenklichen Botengänge - all das war machbar. Aber ab Montag geht es so richtig rund. Und mein Blog? Der wird darunter leiden.
Ich habe immer gesagt: Baby geht vor Blog. Hinzu kommt, dass ich mir nicht sicher bin, wie lange ich noch über meine Tochter schreiben kann, ohne das Gefühl zu haben, zu viel von ihr preiszugeben. Ich habe nicht vor, irgendwann einmal über Piepsis ersten Liebeskummer zu schreiben. Die Sache ist doch die: Im ersten Babyjahr haben doch alle Eltern ähnliche Sorgen und Probleme. Es geht ums Stillen, ums Zahnen, um den ersten Brei, die ersten Schritte, das erste Wort. Es gibt ein paar Klippen, die einfach alle Eltern umschiffen müssen. Im zweiten Lebensjahr sieht das schon anders aus. Und zu persönlich will ich nicht über meine Tochter schreiben. Vielleicht wird sie mich in zehn Jahren eh schon für das hassen, was ich bislang über sie erzählt habe - wobei ich denke, dass in jedem einzelnen Text deutlich wird, wie sehr ich meine Tochter liebe. Dennoch. Irgendwann sollte Schluss sein. Aber wie heißt es so schön? Niemals geht man so ganz! Ich muss nämlich zugeben, dass das Bloggen mir ziemlich viel Spaß gemacht hat! Es ist ja nun nicht gerade so, dass es sonderlich innovativ ist, einen Mutti-Blog zu starten. Umso mehr habe ich mich über mehrere tausend Seitenaufrufe im Monat und viele liebe E-Mails gefreut. So ganz werde ich die Pfoten daher nicht von den Tasten lassen können. Aber künftig wird es wohl mehr um mich als Amateurmutti und weniger um mein Piepsi gehen. Oder um allgemeine Familienthemen wie damals Egg Freezing, über das ich mich einfach mal kurz auslassen musste. In diesem Sinne: Es wird ruhiger werden auf dieser Seite. Aber so ganz werde ich meinen Schnabel dann doch nicht halten.
 
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