Die lustige Taschenlampe oder: Das Spielzeug, das aus der Hölle kam

Sonntag, 22. Februar 2015

In Piepsis Krippe ist in dieser Woche "spielzeugfreie Woche" angesagt. Ich schätze, meine Tochter wird den Unterschied kaum merken. Denn auch bei uns zu Hause spielt sie am liebsten mit Wäscheklammern oder meiner Haarbürste und interessiert sich reichlich wenig für ihre Spielsachen, von denen sie auch nicht übermäßig viele hat. Bislang habe ich mir darüber auch wenig Gedanken gemacht. Bis wir einmal den Nachbarsjungen besucht haben. Bei dem blinkt und trötet es nämlich an allen Ecken und Enden. Er besitzt einen Plastikkäfer, der zwei Sprachen spricht, zig Lieder singt und dazu auffordert, irgendein Dreieck zu suchen. Dazu hat der Nachbarsjunge auch noch ein privates Bällebad und eine knapp zwei Meter hohe Rutsche im Wohnzimmer. Piepsi sind fast die Augen übergegangen. Ich hatte ein etwas schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, dass mein Töchterchen sich einen Stock drüber nachmittags mit dem Sortieren meiner Zeitung beschäftigt, während hier ein umfangreiches Entertainmentprogramm aufgefahren wird. Also ab in den Spielzeugladen. Etwas aus Plastik sollte es sein, weil Piepsi so etwas nicht wirklich hat. Etwas mit Musik und Gelaber, aber nicht so schlimm, dass ich schon kurz nach dem Einschalten einen epileptischen Anfall wegen all der Reizüberflutung bekomme. Ich habe mich schließlich für die "lustige Taschenlampe" entschieden. Die "lustige Taschenlampe" ist nicht so groß wie der beschriebene Laberkäfer und immerhin noch eine Taschenlampe, was doch irgendwie sinnvoll ist. Außerdem stand auf der Verpackung "von Pädagogen entwickelt."
Keine Ahnung, welche Drogen diese Pädagogen genommen haben. Kaum hatte ich die Taschenlampe daheim eingeschaltet, legte das Ding los: "Zwei, drei, Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorraaad, gelbes Licht, drei, Ich bin ein Marienkäfer..." Es war so ziemlich egal, ob Piepsi auf die Taste mit der Zahl "drei" drückte oder nicht - das Ding tat, was es wollte, blinkte dazu noch in verschiedenen Farben, dass man damit eine zünftige Babydisco hätte beleuchten können, und hörte auch nicht auf, vor sich hinzuquaken, als Piepsi das Ding längst in die Ecke gedonnert hatte. Einen Moment lang war Ruhe, dann drehte die Taschenlampe noch einmal auf: "Die Affen rasen durch den Wald... wer hat die Kokosnuss geklaut?" Und immer wieder: "Gelbes Licht. Zwei. Drei. Ich bin ein Marienkäfer." Da Piepsi die Taschenlampe ähnlich geheuer war wie Chucky, die Mörderpuppe, legte ich das Spielzeug, das aus der Hölle kam, schließlich zu dem Wickeltisch. Rubrik: Ablenkung für schwere Wickeleingriffe.
Diese Woche habe ich dann im Zeit Magazin gelesen, dass auch Harald Martenstein seine Erfahrungen mit einem Produkt der Firma v-tech gemacht hat. Er hat sich allerdings den "Pinguin" besorgt, dessen Laber-Repertoire so groß ist, dass er (Zitat Martenstein) "ohne Weiteres bei Maybritt Illner in der Talkshow sitzen könnte." Ich glaube, auch Herr Martenstein kann sich für eine spielzeugfreie Woche erwärmen. Ich bin ein Marienkäfer. 

Fünf Wege, um meine Tochter zum Lachen zu bringen

Donnerstag, 19. Februar 2015

5. Auf eine Decke packen und übers Parkett ziehen

4. Eine Schüssel voll Wäscheklammern ausschütten und darin herumwühlen, so dass es richtig Krach macht

3. Am Bauch kitzeln (unfair, aber sehr effektiv)

2. Ihr mit dem Fläschchen laut zuprosten und anstoßen

1. Lady Gaga nachmachen (Rah - rah- ah- ah- ah- Gaga - oh - la -la...)

Das Grauen hat einen Namen: Karneval

Sonntag, 15. Februar 2015


Mit Karneval ist es doch so: entweder hasst man ihn - oder man liebt ihn. Meine Cousine (von der ich weiß, dass sie mitliest) liebt ihn. Nein, sie ist sogar fast besessen davon. Einmal bin ich bei ihr im Hochsommer im Auto mitgefahren und musste mir selbst dann Karnevalslieder anhören. Sogar ihre Hochzeit hat sie komplett karnevalisiert. Liegt wohl daran, dass sie längere Zeit in Köln gewohnt hat und auch jetzt noch in der Nähe lebt.  Bei mir, und der aufmerksame Leser mag es vielleicht schon aus den ersten Zeilen herausgelesen haben, ist es so: Ich HASSE Karneval. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen finde ich Karneval etwas gruselig. In meiner Heimat, die man grob irgendwo zwischen Schweiz und Schwarzwald ansiedeln kann, spielt zur "Fasenacht" eine Guggemusik furchtbar schräg und furchtbar laut, dazu tragen die Gruppen hölzerne Hexenmasken, regelrechte Fratzen, Winter vertreiben und so. Und bei der Bauernfasnacht wird es allen Ernstes als lustig angesehen, sich beim Umzug einzelne Zuschauer herauszupicken und in diese Maschinen zu stecken, die dazu gedacht sind, Tannenbäume einzupacken, also in ein Netz zu sperren. Ha, ha, ha.
Zum anderen finde ich den Karnevalshumor (speziell den der im Fernsehen übertragenen Sitzungen) abgrundtief unlustig in all seiner Spießigkeit. Und zum Dritten wäre da noch diese Sache mit der Stimmung auf Knopfdruck. Aber als Kind...
... als Kind fand ich Karneval ziemlich toll! Ich glaube, ich habe mich vier Jahre in Folge als Musketier verkleidet, weil Musketiere einfach unheimlich cool waren! Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich in diesem Jahr die Musketiere deutlich in der Unterzahl befinden werden. Es dominiert nämlich eindeutig ein Kostüm, und das ist blau und glitzerig und furchtbar kitschig: Bereits drei kleine Mädchen haben mir stolz ihr "Eiskönigin"-Kostüm aus Disneys kleinem Horroladen präsentiert, eine Freundin hat sich in ihrer Elternkolumne sogar darüber ausgelassen.
Ein Glück, dass Piepsi noch nicht so weit ist! In der Krippe wird zwar Karneval gefeiert, was es damit aber auf sich hat, kapiert meine kleine Tochter ja noch nicht. Da ich absolut gar nicht nähen kann und auch sonst nicht so der DIY-Kreativ-Typ bin, habe ich mir bei einer Freundin einen Marienkäfer-Umhang ausgeliehen. Dazu noch drei Pünktchen ins Gesicht, das sollte es doch tun. Damit bin ich erstmal aus dem Schneider. Zumindest für dieses Jahr.

"Mommy Wars": Der Krieg der Muttis

Samstag, 7. Februar 2015

Wenn ich einmal durch andere Blogs stöbere, stolper ich immer wieder über einen Begriff: den "Mommy War". Gemeint sind Mütter, die sich gegenseitig nerven und belehren, die es besser wissen und Vorwürfe machen. Der Krieg der Muttis. Liebste Streitthemen: Stillen, Impfen, Gläschen oder Selberkochen, Kinderbetreuungsmodelle, Familienbett und Schlafgewohnheiten im Allgemeinen. Wenn ich mich so umsehe, muss ich aber sagen: Ich scheine Glück zu haben. Mir ist noch keine Mutti wirklich doof gekommen. Was vielleicht daran liegt, dass auch in meinem Freundeskreis die Muttis sprießen, wir jedoch alle nicht jahrelang auf diese Rolle hingearbeitet haben, so dass wir sie jetzt mit großem Erstaunen und - ja - manchmal auch mit etwas Amüsement annehmen.
Kürzlich habe ich mich mit zwei Freundinnen aus Studentenzeiten getroffen. Normalerweise enden diese Treffen mit fiesen Kopfschmerzen. Diesmal packten wir alle unsere Babys in den Kinderwagen und schoben sie durch den Park. Ein Bild, über das wir uns selbst halb totlachten. Fazit: "Irgendwas ist hier mächtig schief gelaufen." Pre Combiotik statt Gin Tonic.
Dass ich in keine "Mommy Wars" verwickelt bin, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass sich mein Freundeskreis seit Piepsis Geburt nicht wesentlich verändert hat und ich nicht nur mit Muttis rumhänge. Oder, um einmal eine Freundin zu zitieren: "Ich kann nicht den ganzen Tag über Kacke reden."
Dass es diese "Mommy Wars" (oder sollten wir die Väter vielleicht auch einbeziehen..?) durchaus gibt, glaube ich aber schon. Warum eigentlich? Doch bestimmt nicht aus purer Boshaftigkeit. Manche meinen es sicherlich nur gut.. Aber das Gegenteil von gut ist nun mal gut gemeint. Vielleicht steckt auch Unsicherheit hinter diesen vielen ungebetenen Ratschlägen. Die Hoffnung auf  Bestätigung, dass man als Mutti auch alles gut und richtig macht, "nur das Beste fürs Kind" eben. Vielleicht beruhen "Mommy Wars" aber auch einfach nur auf fehlendem Taktgefühl. Da erzählt Mutti A der Mutti B so eindrücklich von ihren Überzeugungen ("Kinder haben es einfach nirgends so gut wie daheim, daher bleibe ich die ersten drei Jahre auch daheim."), dass Mutti B gar nicht anders kann, als dies als Angriff zu deuten, da sie es vielleicht anders handhabt, ergo ihrem Kind wohl nicht das Beste bietet. Also bitte: Immer schön reflektiert bleiben.
Ich denke, ich habe eigentlich gar keine wirklichen Überzeugungen, die ich einer Mutti aufs Auge drücken kann. Denn nach wie vor spiele ich in der Amateurmutti-Liga. Letztlich habe ich einiges anders gemacht als geplant. Und gehe einfach den Weg des geringsten Widerstands. Klar wäre es cool, wenn meine Tochter von alleine einschliefe. Aber irgendwelche Schlaftrainings durchführen, die womöglich zu viel Geschrei und Tränen führen? Nö. Da halte ich lieber abends Händchen und lese nebenher die Abendausgabe meiner Zeitung auf dem Tablet. Piepsi räumt alle Bücherschränke aus? Ja. Sicher wäre es toll, mein 13 Monate altes Kind mit viel Konsequenz dazu anzuhalten, die Bücher stehen zu lassen. Andererseits ist es doch viel bequemer, die Bücher einfach umzustellen, bis die Ausräumphase ausgestanden ist. Na, hab ich's erziehungstechnisch also schon völlig verkackt? Dann, liebe Muttis - erklärt mir den Krieg.
 
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