Spielplatz für Anfänger

Freitag, 27. März 2015

Nach 15 Monaten Mamadasein hatte ich ja eigentlich gedacht, so langsam in die Profiliga aufzusteigen. Doch weit gefehlt. Der erste Spielplatzbesuch hat mir noch einmal klar gemacht, was ich bin: eine Amateurmutti.
Vor einem Jahr hatte ich hier noch ein ziemlich hilfloses Baby, jetzt habe ich hier ein ziemlich aktives Kleinkind, und sogar in Niedersachsen wird es so langsam Frühling - Spielplatzsaison! Also nichts wie raus mit Piepsi. Was habe ich mir nur dabei gedacht?
Ein Spielplatzbesuch mit meinem Kind, das hatte ich mir so vorgestellt: Ich packe mein Kind ein und gehe auf den Spielplatz. Haha. Hahahaha.
Dort angekommen, habe ich schnell festgestellt, was ich alles vergessen hatte. Denn während ich mit meinem Handtäschen (Handy, Ersatzwindel, Schlüsselbund) aufkreuzte, legten die Profimuttis los: Leuchtend bunte Tupperdosen mit mundgerechten Apfelschnitzen, Dinkelkeksen, in Sternform ausgestochene Salatgurkenscheiben und halbierten Cocktailtomaten, Matschhose oder gleich Ganzkörper-Outdoor-Anzug, Eimerchen, Schäufelchen, Förmchen, großer Ball, kleiner Ball, Sieb, Seifenblasen, ein Fläschchen Fencheltee, ein Fläschchen Wasser (zum Hände abwaschen!), eine Decke zum Draufsitzen, eine Decke zum Reinkuscheln. Und ich war schon stolz darauf gewesen, meinem Kind eine Strumpfhose unter die Cordhose anzuziehen... Welche Schmach, als unser armes kleines Piepsi sich schließlich an Fremd-Förmchen zu schaffen machte und die anderen Eltern unsere Tochter gönnerhaft damit spielen ließen! Nein, das sollte uns nicht noch einmal passieren. "Ich fahr mal in den Babymarkt und besorge eine Spielplatz-Grundausstattung", sagte mein Mann.
Der Begriff "Grundausstattung" ist ein dehnbarer. Jedenfalls rückten wir beim nächsten Mal mit zwei Riesentaschen an, auf die sich auch prompt andere Kinder stürzten. "Ihr versorgt ja den ganzen Spielplatz", meinte eine andere Mutter zu uns und lachte. Mag sein. Aber ist doch wunderbar, wenn alle Kinder ihren Spaß haben. Für Piepsi hätte es 'ne Nummer kleiner sicher auch getan. Denn am liebsten sitzt meine Tochter eh auf der Schaukel. Und die war ja von Anfang an da.

Es ist aus

Donnerstag, 19. März 2015

Es ist aus. Ich habe zwar immer gewusst, dass es einmal so kommen würde, und doch trifft es mich jetzt, da es wirklich passiert ist, unvorbereitet, wie ein Faustschlag in die Magengegend. Meine Freunde sagen: "Das war doch klar, so spielt das Leben eben", und ich weiß ja, dass sie Recht haben, dass wir von eben diesem Leben eben etwas anderes erwartet haben, dass es uns eines Tages auseinanderspülen würde. Aber dass dieser eine Tag nun ausgerechnet jetzt sein muss, das habe ich leider nie wahrhaben wollen. Was soll nun werden aus mir? Jetzt, da die beste Babysitterin der Welt die Stadt verlässt, um andernorts Medizin zu studieren? Die Frau, der ich abends ein völlig aufgekratztes Kind überlassen konnte, um dann Stunden später ein friedlich schlummerndes aufzufinden? Eine gelernte Kinderkrankenschwester, die Ruhe in Person und im Umgang mit Piepsi einfach wunderbar. Nein, das ist kein schöner Tag. Aber es wird wohl irgendwie weitergehen.  Irgendwie und irgendwann. Nach dem Babysitterblues.

Es gibt kein Christkind - und Nagellack gibt es auch nicht

Sonntag, 8. März 2015

Wie ich bereits erwähnte, bin ich ein schlechter Umgang für Kinder. Das bekommen jetzt auch meine nachwuchshabenden Freunde zu spüren. Denn ich verziehe nicht nur mein Kind, sondern deren Kinder gleich mit. Ein Besuch von mir und das zarte Pflänzchen "Erziehung" wird radikal plattgetreten. Beispiel Weihnachten: Kurz nach den Feiertagen besuchten wir Freunde; die Geschenke der beiden Töchter lagen hübsch aufgereiht unter dem Tannenbaum. Und ich so zur Vierjährigen: "Na, was haben dir denn Mama und Papa zu Weihnachten geschenkt?" Und meine Freundin so: "Das Christkind hat zu Weihnachten einen Kaufmannsladen gebracht. Das CHRISTKIND!" Hoppla. Gleiche Familie, zu Mittag: Es wird aufgetischt, ich sage so etwas wie "Nen Guten allerseits" und haue rein. Meine Freundin räuspert sich: "Vor dem Essen beten wir." Huch! Ich lege beschämt die Gabel zurück. Okay, das Gebet fiel dann so aus: "Piep, piep, piep - wir haben uns alle lieb." Damit kann auch ich Nicht-Kirchlerin leben. Überhaupt diese ganzen Tisch-Situationen. Meine Tochter ist mitten in der Entdeckerphase, da wird das Abendbrot auch schon mal atomisiert und auf den Boden gebröselt. Ja, das nervt mich schon. Aber schlussendlich lasse ich sie doch machen. Vielleicht, weil ich keinen 13-Jährigen kenne, der sein Brot unter den Tisch wirft und ich die Hoffnung habe, dass sich dieses Problem von alleine lösen wird. Nach dem Spruch eines Freundes: "Das hat bei uns immer mächtig Ärger gegeben", habe ich mich allerdings schon gefragt, ob das nicht auch bei uns Ärger geben sollte. Bin ich etwa zu luschi in meiner Erziehung? Zu erziehungsfaul? Oder werden meine Freunde eines Tages brutal zurückschlagen? Piepsi ist gerade mal 14 Monate alt. Die Dreijährige einer Freundin durfte sich spaßeshalber schon einmal Nagellack aufpinseln. Tussi-Kram! Das könnte MEIN wunder Punkt werden. Und der Tag wird kommen, an dem Piepsi mir ein großes vorwurfsvolles: "Aber dieunddieunddie dürfen das doch auch!", entgegenschleudern wird. Und dann stehe ich da. In größten Erziehungsnöten.
 
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