Ich habe fertig

Montag, 14. Dezember 2015

Diese Woche wird meine kleine Tochter zwei Jahre alt. In den vergangenen Jahren habe ich viel über schlaflose Nächte, ein untröstbares Baby, über den ersten Brei, die Krippeneingewöhnung und den Wiedereinstieg ins Berufsleben geschrieben. Und erst vor wenigen Tagen habe ich eine lange und sehr freundliche Email erhalten. Eine Leserin schrieb mir, wie gerne sie meinen Blog lese und fragte, wie ich das denn alles hinbekomme: Job, Kind, Beziehung - und Blog. Die Sache ist nur: Ich bekomme es nicht hin. Ehrlich nicht. Ich sehe diese anderen Blogger, die regelmäßig schreiben und auf sämtlichen sozialen Netzwerken präsent sind. Die auf anderen Blogs kommentieren und bei Twitter diskutieren. Ich schaffe es kaum, auf Kommentare zu reagieren. Und auch die nette Email habe ich noch nicht beantwortet. Werde es aber gleich tun. Dann ist aber auch gut. Dieser Blog wird geschlossen.
Ich hatte bereits vor einem Jahr darüber nachgedacht, "dicht" zu machen. Weil es mir hier langsam zu persönlich wird und ich doch die Sorge habe, dass meine kleine Tochter mir einmal mein Geblogge übel nehmen wird. Das denke ich immer noch. Und schließlich kommt noch ein dritter Grund dazu: Ich habe einen kleinen Familiy-Overkill. Ich liebe es zu bloggen. Ich werde das Bloggen vermissen. Ich habe zig Themen im Kopf, über die ich gerne einmal schreiben würde. Aber nur die wenigsten davon drehen sich um das Leben mit Kind. Ich kann verstehen, dass die Groß-Bloggerin Mama Miez irgendwann nicht mehr Mama Miez, sondern wieder Pia sein wollte. Auch bei mir ist der tägliche Familienwahnsinn inzwischen Teil des Systems geworden. Ich bin zwar nach wie vor Amateurmutti, aber eben auch Amateurköchin, Amateurkarrieristin, Amateur-Rock'n-Rollerin. Lebensamateurin durch und durch. Da ich bezweifle, dass sich jemand für meinen allgemeinen Gedankensenf interessieren könnte, werde ich also die nächsten Monate erst einmal die Klappe halten. Und womöglich irgendwann einmal irgendwo an anderer Stelle einen neuen Blog einrichten. Aber das wird dann kein Familienblog sein. Wobei ich die sicherlich auch weiterhin verfolgen werde. Wenn das Kind denn mal schlafen sollte. Und wenn mich doch die Sehnsucht nach ein bisschen Mamageblogge packen sollte, habe ich da noch ein Angebot einer lieben Bloggerin stehen, die von meinen Abschiedsgedanken schon etwas länger weiß. Da sie streng dagegen ist, dass ich den Griffel hinwerfe, werde ich auf ihrem Blog ab und an mal einen Gastbeitrag schreiben. Aber jetzt werde ich erst einmal in die Küche gehen und einen Geburtstagskuchen backen. Ich werde ihn nicht fotografieren und nicht hochladen. Aber essen werden wir ihn trotzdem. Und er wird köstlich sein.

Wie wir die U7 überlebten

Sonntag, 6. Dezember 2015

Vor wenigen Tagen waren wir bei der Vorsorgeuntersuchung, der U7. Ich war davor etwas nervös. Aber wieso eigentlich? Die ganzen Impfungen hatten wir bereits durch, es ging also nur noch um einen allgemeinen Check, ob meine kleine Tochter soweit gut entwickelt ist. Ein bisschen sprechen, ein bisschen laufen, wiegen, messen und so weiter. Was würde der Arzt schon schlimmstenfalls sagen? "Liebe Mutter Rabe, es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Piepsi die U7 nicht bestanden hat und das zweite Lebensjahr wiederholen muss."
Wohl kaum. Aber so eine U7 ist ja nicht nur ein Check für mein Kind, sondern auch für mich. "Himmel, Ihr Kind ist ja völlig übergewichtig, was geben sie ihm denn zu essen? Bewegen Sie sich eigentlich gar nicht damit?" "Oh, Ihr Kind ist ja völlig überdreht, ich erkenne da eindeutig Anzeichen von Hyperaktivität, aber keine Sorge, wenn wir rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, bekommen wir das hin." Oder: "Ist Ihnen denn nie aufgefallen, wie sehr Ihr Kind schielt? Da müssen wir umgehend eine Froschbrille verschreiben, sonst wird das böse enden." So irgendwie.
Ja, ich übertreibe. Mal wieder. Ich verstehe auch den Sinn der Vorsorgeuntersuchungen. Und nach jeder U gehe ich ja beruhigt nach Hause. "Der Wahnsinn ist also normal. Entwicklungsbedingt, sozusagen", denke ich mir dann. Aber da ich ja nun wirklich jeden Mist im Internet google, finde ich auch hier Foren, in denen sich besorgte Mütter austauschen. Und mit den Listen der Wörter dealen, die angeblich bei der U7 abgefragt werden. Demnach sollen die Kinder schon "Schlüssel" oder "Gurke" sagen können. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen. Ich habe nämlich den entspanntesten Kinderarzt der Welt. Eine Liste an Wörtern hat er nicht abgefragt. Aber als er das Zimmer betrat, stellte sich meine kleine Tochter vor ihn hin und sagte: "Meine Hose ist dreckig." Damit stand fest: Kind hat die U7 bestanden. Mutti ist durchgefallen.
 
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