Posts

Es werden Posts vom 2015 angezeigt.

Ich habe fertig

Bild
Diese Woche wird meine kleine Tochter zwei Jahre alt. In den vergangenen Jahren habe ich viel über schlaflose Nächte, ein untröstbares Baby, über den ersten Brei, die Krippeneingewöhnung und den Wiedereinstieg ins Berufsleben geschrieben. Und erst vor wenigen Tagen habe ich eine lange und sehr freundliche Email erhalten. Eine Leserin schrieb mir, wie gerne sie meinen Blog lese und fragte, wie ich das denn alles hinbekomme: Job, Kind, Beziehung - und Blog. Die Sache ist nur: Ich bekomme es nicht hin. Ehrlich nicht. Ich sehe diese anderen Blogger, die regelmäßig schreiben und auf sämtlichen sozialen Netzwerken präsent sind. Die auf anderen Blogs kommentieren und bei Twitter diskutieren. Ich schaffe es kaum, auf Kommentare zu reagieren. Und auch die nette Email habe ich noch nicht beantwortet. Werde es aber gleich tun. Dann ist aber auch gut. Dieser Blog wird geschlossen.
Ich hatte bereits vor einem Jahr darüber nachgedacht, "dicht" zu machen. Weil es mir hier langsam zu persö…

Wie wir die U7 überlebten

Bild
Vor wenigen Tagen waren wir bei der Vorsorgeuntersuchung, der U7. Ich war davor etwas nervös. Aber wieso eigentlich? Die ganzen Impfungen hatten wir bereits durch, es ging also nur noch um einen allgemeinen Check, ob meine kleine Tochter soweit gut entwickelt ist. Ein bisschen sprechen, ein bisschen laufen, wiegen, messen und so weiter. Was würde der Arzt schon schlimmstenfalls sagen? "Liebe Mutter Rabe, es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Piepsi die U7 nicht bestanden hat und das zweite Lebensjahr wiederholen muss."
Wohl kaum. Aber so eine U7 ist ja nicht nur ein Check für mein Kind, sondern auch für mich. "Himmel, Ihr Kind ist ja völlig übergewichtig, was geben sie ihm denn zu essen? Bewegen Sie sich eigentlich gar nicht damit?" "Oh, Ihr Kind ist ja völlig überdreht, ich erkenne da eindeutig Anzeichen von Hyperaktivität, aber keine Sorge, wenn wir rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, bekommen wir das hin." Oder: "Ist Ihnen denn nie aufgef…

Erwachsen werden

Bild
In knapp einem Monat wird meine kleine Tochter zwei Jahre alt. In knapp einem Jahr werde ich 34 Jahre alt. Das ist verflucht alt, wenn ich so darüber nachdenke. Will ich aber gar nicht. Denn ich fühle mich immer noch so wie mit 17, 18, 19, als ich jede freie Minute in einem kleinen alternativen Kino verbrachte, in dem wir selbst die Filme auswählten, vorführten, besprachen und nebenbei noch eine kleine Bar (mit Kicker!) betrieben. Ich höre, ehrlich gesagt, auch noch fast die gleiche Musik wie damals. Okay, Pantera habe ich aussortiert. Aber sonst? Ich habe mich als Jugendliche manchmal gefragt, warum meine Eltern eigentlich so alte Musik hören und gar nicht das, was so im Radio lief und was ich mir so auf MTV ansah. Aber jetzt gehe ich selbst zu Tocotronic-Konzerten und proste einem ergrauten Dirk von Lotzow zu. Denn irgendwie bezweifle ich doch, dass mir ein Sänger Anfang 20 wirklich was übers Leben zu sagen hat. Vielleicht ändere ich aber auch noch einmal meine Meinung, wenn Piepsi…

Die Muttis und der Sex

Bild
Jawohl, es ist soweit: Ich blogge über Sex. Es ist nämlich so, dass ich wohl noch nie so viel über Sex geredet habe wie momentan. Okay, da war mal so eine Phase in der Pubertät, als man mit den engsten Freundinnen jede Hautfalte ausdiskutierte. Aber das immer nur mit den allerallerbesten Freundinnen und zudem auch sehr wohlwollend. Heute sieht die Sache so aus: Da sieht man beim Kinderturnen oder auf dem Spielplatz ein Paar, dessen Nachnamen man nicht mal kennt, und dann ist da er, so der Mann-Typ ewig gut gelaunter Bär, der die Hände in die Hüften stemmt und mir verkündet: "Ja, wir arbeiten derzeit ja am Zweiten." Und nebenher ein Sandförmchen füllt. Arbeiten. So nennt ihr das also. Ebenfalls oft gehört: "Wir gehen jetzt in die Produktionsphase." Und ich kleine Drecksau kann dann einfach nicht anders, als mir diese Produktionsphase kurz vorzustellen. Kopfkino: an. Hilfe, das will ich doch gar nicht sehen! Falscher Film, falscher Film!
Tatsächlich ist es doch so: …

Braucht eine Zweijährige einen Adventskalender?

Bild
Letztens stand ich im Supermarkt vor der Vor-Vorweihnachtszeitabteilung und habe mich gefragt: Braucht meine kleine, 22 Monate alte Tochter eigentlich in diesem Jahr schon einen Adventskalender?
Nun, "brauchen" tut in diesem Sinne ja niemand einen Kalender. Aber wollen! Aber was ist mit so einem kleinen Kind? Will es einen Adventskalender, wo es gar nicht weiß, was genau das ist?
Piepsi ist tatsächlich in diesem vielleicht etwas undankbaren Alter, in dem man viele Dinge mit einem "dafür ist sie noch zu klein" oder einem "das versteht sie doch noch gar nicht" abtut. Zum Beispiel wird es zu ihrem zweiten Geburtstag keine Riesenfete mit zig Freunden und Spielen oder sonstigem Kram geben. Ein Kuchen in der Krippe, Opa kommt zu Besuch, dann noch eine Freundin mit ihren beiden Kindern. Aus. Würde eine Riesenfete mit zig Freunden und Spielen und sonstigem Kram schaden? Nein. Aber mir erspare ich mit der Opa-und-Kuchen-Variante ne Menge Stress. Und Piepsi hat tr…

Peinlichkeiten, die eine Mutter ertragen muss

Bild
Letztens war ich mit einem kinderlosen Paar abends zum Essen verabredet, und wir sprachen so über dieses und jenes und natürlich auch über Piepsi. Ich sagte so das Übliche, nämlich wie großartig meine kleine Tochter ist - und wie anstrengend. Und fragt mich nicht, in welchem Zusammenhang ich es tat, jedenfalls erwähnte ich auch, dass es mich manchmal wirklich nervt, dass meine kleine Tochter mich sogar aufs Klo begleitet. Woraufhin der männliche Paar-Part den Kopf schüttelte und sagte: "Nein, also da hört es doch echt auf." Und zu seiner Partnerin: "Wenn es mal bei uns soweit ist, dann kann ich dir jetzt schon sagen, dass ich garantiert nicht mein Kind mit auf die Toilette nehme."
Alle Muttis und Vatis unter uns werden an dieser Stelle milde lächeln und sich an die Zeit VOR dem Kind erinnern. Damals, als man sich so ausmalte, was man später einmal ganz bestimmt nicht und ganz bestimmt anders machen wollte. Ich zuckte schließlich mit den Schultern und meinte: "…

Ich bin dann mal krank

Bild
An diesem Montag mein Arzt so zu mir: "Mutter Rabe, Sie haben einen grippalen Infekt. Ich schreibe Sie den Rest der Woche krank. Bitte legen Sie sich ins Bett und schonen Sie sich."
Und ich so: "Und was mach ich mit meiner kleinen Tochter?"
Und er so: "Zur Adoption freigeben?"
Ich so: "Da muss ich mich mal erkundigen."
Er so: "In welchem Alter ist sie noch einmal?"
Ich so: "Fast zwei Jahre alt."
Er so: "Na wunderbar. Dann kommt sie so langsam in das Alter, in dem sie versteht, dass Sie gerade etwas außer Gefecht gesetzt sind, so dass die Gelegenheit günstig ist, die Wohnung einmal so richtig auseinanderzunehmen."
Ihr seht: Ich sollte mir einen neuen Hausarzt suchen. Bekanntermaßen steht geschrieben, dass Eltern kein Recht haben, krank zu werden. Seit Piepsi die Krippe besucht und regelmäßig die Seuche nach Hause schleppt, lässt es sich aber nicht ganz vermeiden. Wobei ich diesmal richtig Glück hatte:

1. Piepsi ging…

Es kommen gerade ziemlich viele Menschen

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich an dieser Stelle etwas zur Flüchtlingsdebatte schreiben soll. Einerseits ist schon so viel dazu gesagt worden, andererseits frage ich mich, ob dieses Thema zu einem Blog passt, der zwischen emo und lustig oszilliert, und was das Ganze eigentlich mit Piepsi zu tun hat. Allerdings glaube ich, dass man gar nicht genug darüber sprechen kann. Und die Frage, was das Ganze mit meiner kleinen Tochter zu tun hat, ist ohnehin dämlich. Denn es hat mit ALLEM zu tun. Und falls jemand denken sollte, dass ich bislang aus Ignoranz oder Desinteresse geschwiegen habe, dem sei gesagt: Die Flüchtlingskrise ist das Erste, was mich beschäftigt, wenn ich morgens in der Redaktion den Rechner hochfahre, und das Letzte, wenn ich ihn zum Feierabend ausschalte. Und treffe ich daraufhin Freunde und Bekannte, gibt es auch kein anderes Thema. Was gut ist.
Mir ausmalen, wie dieses Land in ein paar Jahren aussehen wird, kann ich nicht. Erstaufnahmelager wird es dann hoffentl…

Welche Fee hätten'S denn gerne?

Bild
Kürzlich kam die Tochter einer Freundin mit einer neuen Puppe angerannt und antwortete auf die Frage, woher sie denn diese Puppe habe, mit: "Lullufee." Oder so ähnlich. Gemeint war jedenfalls die Schnullerfee. Die kam über Nacht, kassierte alle Schnullis ein, futterte sogar noch ein paar Kekse und ließ eine Puppe zurück. Und ich so zu meinem Mann: "Sollen wir auch mal so eine Schnullerfee organisieren?" Immerhin wird Piepsi bald zwei Jahre alt, und allzu lange sollte sie nicht an diesem Plastikteil hängen, das sie übrigens "Vorne" nennt. "Hinten" macht ja auch keinen Sinn.
Allerdings kamen wir zu dem Schluss, dass vor der Schnullerfee doch noch ein paar andere Feen mal bei uns vorbeischauen sollten. Die da wären:


Die "Ich-entscheide-mich-für-einen-Brotaufstrich-und-bleibe-dann-dabei"-FeeDie "Ich-schlafe-alleine-ein-und-dann-zehn-Stunden-am-Stück"-FeeDie "Ich-ziehe-immer-an-was-mir-rausgelegt-wurde"-FeeDie "Ich-…

Die lieben Kollegen

Bild
Kürzlich saß ich beim Frisör und hatte bedenklich viel Alufolie auf dem Kopf, als das Telefon am Empfang klingelte. Meine Frisörin wurde gerufen und kam wenige Minuten später mit roten Stresspünktchen im Gesicht zurück. Der Kindergarten habe angerufen, ihre Tochter sei krank, Magen-Darm, und sie erreiche ihren Ex-Mann nicht, müsse jetzt dringend weg. Eine Kollegin springe für sie ein, ob das denn okay für mich sei? Die Kollegin einen Tisch weiter lächelt gequält. Und ich so: Kenn ich. Hatte ich letzte Woche. Also nicht Magen-Darm, sondern ein krankes Kind. Und Kollegen, die mal eben einspringen mussten. Und das ganz ohne zu murren.
Irgendwo in den Tiefen des Netzes habe ich vor ein paar Wochen einen Artikel darüber gelesen, wie ätzend es ist, Mütter und Väter, die es ernst meinen, als Kollegen zu haben. Ständig müssen sie früher (oder sehr pünktlich) weg, ständig kommen sie wegen irgendwas zu spät, ständig ist das Kind krank, und ist das Kind dann wieder gesund, dann werden sie selbs…

Der orangene Held der Entsorgung

Bild
Eigentlich habe ich ja immer gedacht, dass Journalistin ein ganz cooler Beruf sei. Von wegen. Um meine kleine Tochter zu beeindrucken, hätte ich zur Müllabfuhr gehen müssen! Wenn die hier donnerstags vorfährt, flippt Piepsi nämlich komplett aus: Sie rennt ans Fenster: "Affuu, toooohs, Affuu gucken!" Für all diejenigen, die nicht Piepsisch sprechen, heißt das übersetzt: "Abfuhr, groß, Abfuhr angucken."
Verschwindet die Müllabfuhr blinkend aus dem Blickfeld meiner kleinen Tochter, dann kann es schon einmal Tränen geben. Damit sie nicht ganz so traurig ist, habe ich inzwischen aus der Edition "Meine allerliebsten Fahrzeuge" den Band "Müllabfuhr" besorgt. Und muss mir nun ständig Müllcontainerbilder anschauen. Wenn das nicht mehr hilft, dann darf es auch mal auf dem iPad das 70er-Jahre-Sendung-mit-der-Maus-Original "Die 6 von der Müllabfuhr" sein. Zudem haben wir herausgefunden, dass wir jeden Dienstag, wenn wir ein kleines bisschen eher …

Gastbeitrag: Babysachen kaufen - eine Kunst für sich

Bild
Aaaaaausnahmsweise hat an dieser Stelle auch mal der Papa etwas zu sagen. In einem Gastbeitrag erinnert er sich an die Zeit, als ich schwanger war und wir irgendwie noch irre viel erledigen mussten...:
Und dann sagte die Ehefrau – damals, lange bevor das Baby kam  – "So." Jetzt müsste aber mal langsam etwas für die Kleine gekauft werden. In drei oder vier Monaten käme das Piepsi und der neu aufgebaute Schrank sei noch komplett leer. Da müssten mal ein paar Klamotten rein, damit das Kind zumindest eine Grundausstattung zur Verfügung hätte. Auweia. Damals hatte ich als baldiger Piepsi-Papa von Babysachen noch ungefähr soviel Ahnung wie von Atomphysik. Aber wenn Mutter Rabe zum Großeinkauf bläst, ist Protest meistens zwecklos. Also fuhr die werdende Kleinfamilie mit zwei Erwachsenen und dem Baby im Mamabauch in den Kinder-Großmarkt. Und war dort hilflos überfordert. Vor allem der Piepsi-Papa. 
Was soll ich sagen? Heute weiß ich so viele Dinge, die mir damals noch schleierhaft war…

Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Willkommen in der Trotzphase

Bild
Meine kleine Tochter ist gerade in der Dr.Jekyll-und-Mr.Hyde-Phase.
In ihren guten Momenten ist sie so: bezaubernd niedlich und sehr fürsorglich. Wenn sie etwas zu essen hat, ist ihr sehr wichtig, dass alle anderen auch etwas zu essen bekommen. Und wenn wir unsere Portion aufgegessen haben, dann fragt sie: "Mehr?" Hier soll ja schließlich niemand hungrig den Tisch verlassen. Kleine Babys liebt sie, will sie immer streicheln, sie zudecken und ihre Händchen halten. Wenn man sich irgendwo gestoßen hat, dann fragt sie: "Aua gemacht?", pustet dann auf die Stelle und fragt: "Besser?" Wenn irgendwo ein Kind weint, sagt sie: "Baby weint!" und: "Arm!" - was bedeutet, dass man das Kind auf den Arm nehmen und trösten soll.

In der Mr. Hyde-Phase ist Piepsi so: unausstehlich. Das Schlimmste ist ihre Schaukel-Obsession. Sie liiiiiebt es zu schaukeln. Aber wehe, es nähert sich ein anderes Kind der S. Und selbst wenn Piepsi auf dem Spielplatz oder in…

Das S-Wort

Bild
Mittlerweile plappert Piepsi munter wie ein Wasserfall. Was schön ist und manchmal etwas nervig. Zum Beispiel, wenn ich sie abends ins Bett bringen will und sie mir noch einmal haarklein berichtet, wer nun alles in der Krippe geschaukelt hat und wer dabei angeschubst hat und wer dann alles nach Hause gefahren ist und wer so alles Pipi und A-a gemacht hat. Das Wort hat sie übrigens nicht von mir. Dafür ein anderes.
Es kam, wie es kommen musste. Dass ausgerechnet meine Eltern Zeugen dieses Vorfalls werden mussten - nun gut. Meine Eltern, Piepsi und ich - alle im Auto Richtung stadtauswärts. Doch plötzlich: Straßensperrung. Und: keine Wendemöglichkeit. Und ich so: "Scheiße." Und Piepsi so: "Seisse!" Und meine Eltern so: kriegen sich vor Lachen nicht mehr ein. Woraufhin meine kleine Tochter das Wort natürlich gleich noch mal ausprobiert.
Ich habe ja schon einmal geschrieben, dass ich leiderleider sehr viel fluche und kein guter Umgang für Kinder bin. Ich weiß auch, da…

Das Hausbau-Ding

Bild
Eine Bekannte von mir hat einmal gesagt: "Früher wohnten alle meine Freunde in der Innenstadt. Jetzt haben sie Kinder."
Tatsächlich habe ich, als ich noch kinderlos war, nicht verstanden, was alle mit diesem Haus-Ding haben. Mit dieser unbedingten Lust auf Eigenheim oder so, auf jeden Fall aber auf Garten. Und noch heute träume ich davon: Von der Altbauwohnung über einem Café in einer schnuckeligen Kopfsteinpflaster-Straße. Von einer Wohnung mit knarzenden Holzdielen, Stuck an der Decke und einer charmant schrammeligen Küche. Aber inzwischen habe ich ein Kind, und tatsächlich habe ich kaum Eltern in meinem Umfeld, die nicht regelmäßig die Immobilienanzeigen studieren. Und natürlich sind auch das alles coole Leute, die gute Musik hören und von Altbau träumen. Und es gibt sie ja auch, diese verschrobenen alten Häuser im Stil einer Villa Kunterbunt. Mit Gemüsegarten hinterm Haus und einer knarzenden Holztreppe. Aber in der Stadt ist so etwas unvorstellbar teuer, daher überlege…

Meine Tochter ist soundso

Bild
Seit meine kleine Tochter auf der Welt ist, versuche ich, sie zu verstehen. Ich sage: "Meine Tochter ist soundso." Jetzt, 19 Monate später, sage ich: "Das könnt ihr streichen."
Ich habe brav meinen Max Frisch gelesen und weiß, dass man sich kein Bildnis von seinen Mitmenschen machen soll - aber das ist gar nicht so leicht. Ich will Piepsi ja nicht plump in eine Schublade stecken - aber ich will sie doch kennenlernen und wissen, wie die Kleine tickt. Also beobachte ich meine Tochter und sage dann Sätze wie diese:

"Piepsi ist ziemlich draufgängerisch, ihr kann es eigentlich gar nicht trubelig genug sein."
"Piepsi braucht nach der Krippe ihre Ruhe."
"Brokkoli, Oliven, Blumenkohl - meiner Tochter kannst du alles hinstellen. Sie isst es. Und dazu noch so große Portionen."
"Pieps isst momentan fast nichts mehr, spuckt alles aus."
"Piepsi ist ein totales Papa-Kind."
"Wenn es darauf ankommt, ist Piepsi ein richtiges M…

Nie wieder..

Bild
An diesem Sonntag wollte ich sterben. Ich wollte schon manches Mal in meinem Leben sterben. Allerdings war ich da Studentin, kinderlos - und habe Alkohol deutlich besser vertragen. Insofern beruhigte es mich sehr, dass mich gegen Mittag eine Whats-app-Nachricht einer kinderlosen Freundin erreichte: "Ich liege im Bett und kann mich nicht mehr bewegen." Die Sache mit dem Weggehen als Mutti ist ja so: Der Abend ist gar nicht so das Problem. Sondern der Morgen danach.
Ich erwarte kein Mitleid, mein Schicksal ist selbst erwählt.
Ich WUSSTE, dass ich Sonntagvormittag alleine mit Piepsi sein würde, da mein Mann arbeiten musste. Ich WUSSTE, dass sie natürlich zu einer komplett unmenschlichen Zeit aufstehen würde und natürlich WUSSTE ich, dass sie niemals auf eine "kranke" Mutti Rücksicht nehmen würde. Und schließlich soll meine kleine Tochter auch nicht darunter leiden, dass Mutti es total übertrieben hat und ihre Grenzen nicht kennt.
Als ich die zweite Whats-App-Nachrich…

Wie machen die das bloß?

Bild
Im ersten Jahr mit Baby habe ich viele dumme Sätze gesagt. Einer der dümmsten war wahrscheinlich: "Ich glaube, sie zahnt." Ich meine, dass ich ihn zum ersten Mal geäußert habe, als Piepsi gerade mal drei Monate alt war. Der erste Zahn ließ sich allerdings erst nach sieben Monaten blicken. Wann immer meine kleine Tochter unleidlich war, zahnte sie oder steckte in einem Entwicklungsschub. So kam ich durchs erste Jahr.
Ein anderer Satz, den ich ziemlich oft gesagt habe - den sage ich auch heute noch. Und das voller Überzeugung: "Wie machen die das bloß?" Gemeint sind alleinerziehende Väter oder Mütter. Ernsthaft. Ich könnte mir es nicht vorstellen, dieses Familiending alleine durchzuziehen. Ich weiß: Manchmal hat man gar keine andere Wahl. Manchmal sind Trennungen unausweichlich, manchmal stirbt ein Partner. Und plötzlich ist man alleine. Mit Kind. Oder sogar mit Kindern. Ja, da wäre natürlich auch der finanzielle Aspekt, der mir Sorgen bereiten würde. Aber der ist s…

Ich will nicht mit dir spielen

Bild
Eigentlich lerne ich sehr schwer andere Menschen kennen. Denn trotz großer Klappe bin ich  extrem schüchtern und breche mir komplett einen ab, ehe ich mich dazu durchringe, jemanden mal auf einen Kaffee einzuladen. Eigentlich. Aber jetzt bin ich Mutti. Und als Mutti lernt man ständig andere Eltern kennen. Ob man nun will oder nicht. Das kann einen manchmal in schwierige Situationen bringen.
Neulich im Schuhladen: Für Kinder Schuhe zu kaufen, gehört nun nicht gerade zu den Höhepunkten im Familienleben. Schon gar nicht in diesem einen Laden, der eigentlich eher ein Werksverkauf ist, so dass diese furchtbar teuren Kinderschuhe dort nicht mehr furchtbar teuer, sondern einfach nur noch teuer sind. Unter Eltern spricht sich so etwas schnell rum, so dass Piepsis halbe Krippe dort einkaufen geht. Und eben auch diese eine Mutter, die ich überhaupt nicht kannte.
Aber sie kannte Piepsi. Ihr Sohn ist regelrecht vernarrt in meine Tochter und kam sofort mit zwei Schuhkartons bewaffnet auf sie zuge…

Dein Kind ist doof

Bild
Können Kinder doof sein? Oder sind sie alle unschuldige, niedliche, kleine Wesen? Nun ja - Kinder sind kleine Menschen, und Menschen sind nun mal manchmal doof. Vielleicht sind es aber auch wir Erwachsenen, sprich: die Eltern, die ihre Kinder doof machen. Aber gut - hier wären wir bei der Diskussion über den Einfluss der Gene, der Erziehung und des Umfelds, und da möchte ich nun wirklich nicht tiefer einsteigen. Seit ein paar Tagen habe ich jedenfalls ein neues Hassalter, und das heißt: 5.
Ich bekenne mich als Gegnerin aller Mommy Wars und habe gedacht, ich würde mich niemals in die Erziehung anderer Eltern einmischen. Vor ein paar Tagen habe ich es aber doch getan. Beim Gartenfest einer Freundin. Gutes Wetter, gutes Bier, viele Erwachsene, noch mehr Kinder. Wir mit Piepsi mittendrin. Und am Rande: zwei Fünfjährige.
Hätten die Jungs Mohrenköpfe an die Hauswand geschmiert, hätten sie den kompletten Sandkasten ins Wohnzimmer getragen, hätten sie großflächig Nudelsalat auf dem Rasen ver…

Kinder mit Temperament

Bild
Hurra, Piepsi ist 1,5 Jahre alt! Und startet mit Anlauf in die Trotzphase. Das ist wundervoll, großartig, ganz wichtig für die Entwicklung! Sagen die Erzieher. Ich sage: puh.
Es ist erstaunlich, wie sehr sich Kinder in diesem Alter schon in ihrem Temperament unterscheiden. Waren im ersten Babyjahr alle noch irgendwie - naja - Babys eben, kann man jetzt schon kleine Charakterstudien betreiben. Da sind diese schüchternen, etwas ängstlichen und sehr verschmusten Kinder, die gerne lange Spaziergänge im Kinderwagen unternehmen, mit großen Augen in die Welt schauen und dabei verträumt an einem Butterkeks lutschen. SO hatte ich mir eigentlich immer mein Kind vorgestellt. Allerdings ist mein Kind SO: Nach neun Stunden Schlaf springt sie morgens um 5 um unser Bett herum, zerrt an unserer Bettdecke, nimmt schließlich unsere Kleidung, die auf einem Stuhl liegt, wirft sie vor unser Bett, zeigt mit kleinem Finger darauf und quietscht: "Auf!" Nach acht Stunden Büro hole ich sie schließli…

Aktenzeichen XY und alleine im Wald

Letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen. Nein, mit Piepsi hatte das diesmal nichts zu tun. Oder vielleicht doch. Denn gestern Abend habe ich Aktenzeichen XY gesehen. Zum ersten Mal seit gefühlt zwanzig Jahren, da mich crime eigentlich nicht wirklich interessiert. An der gestrigen Sondersendung über verschwundene Kinder bin ich jedoch dran geblieben. Und mir wurde es eng ums Herz.
In der Vor-Baby-Zeit habe ich mich kaum für die Schicksale verschwundener Kinder interessiert, nicht einmal für die ganz großen Fälle wie Maddie McCann oder Peggy. Viel mehr als die Schlagzeilen oder den groben Verlauf der Ermittlungen habe ich nicht wahrgenommen. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, sind diese Nachrichten kaum zu ertragen - auch wenn der Kommissar in der Sendung sagte, dass in 99 Prozent der Fälle verschwundene Kinder schon nach wenigen Stunden wieder wohlbehalten wieder auftauchen. Aber schon 1 Prozent ist zu viel.
Ich habe Peggys Mutter in der Sendung gesehen, der journalistisch dämliche Fr…

Jedes Kind kann schlafen lernen - nicht

Bild
Ich bin erschöpft. Das ist meine einzige Entschuldigung. Ich habe seit 17 Monaten nicht mehr durchgeschlafen und muss derzeit häufig sehr früh (und mit sehr früh meine ich: um 4 Uhr) für meine Arbeit aufstehen. Bislang haben wir als Eltern das alles mit Fassung getragen, was wohl auch daran lag, dass Piepsi abends mit etwas Händchenhalten eigentlich nach spätestens 20 Minuten ganz gut einschläft und nachts, wenn sich jemand neben sie legt, mit etwas Händchenhalten nach dem Aufwachen meistens ganz gut wieder einschläft - ehe die Nacht dann um 5 Uhr endgültig vorbei ist.
Das ist seit ein paar Wochen nicht mehr der Fall. Oft brauchen wir abends bis zu 90 Minuten, bis Piepsi schläft - und das, obwohl sie todmüde ist. Dann ist es oft schon fast neun Uhr, und da ich ja so fies früh aufstehen muss, kann ich mich gleich dazu legen - Ich-Zeit gleich Null. Sozialleben? Ausgeschaltet. Genug gejammert. Da muss sich was ändern. Dachte ich.
Natürlich weiß ich seit frühester Babyzeit von der Ferber…

Das Kind funktioniert nicht

Bild
Ich habe mich ja bereits als Gegnerin von Mommy Wars geoutet, mir wäre es auch viel zu anstrengend, einen solchen anzuzetteln. Aber ist es nicht ganz natürlich, dass man sich manchmal... wundert? Ich zum Beispiel habe mich selten so sehr über einen Ausspruch einer Mutter gewundert wie über den einer guten Bekannte, mit der ich während der Elternzeit oft Kinderwagenschubsen gegangen bin.
Ähnlich wie ich hängt sie sehr an ihrem Beruf. Ähnlich wie ich muss sie zu völlig irren Zeiten arbeiten. Schichtbetrieb, mit Einsätzen in der Nacht, am frühen Morgen, samstags und sonntags. Anders als ich war sie aber der Ansicht, dass ihr Beruf nur genau so auszuüben sei, dass sie also eine Tagesmutter finden müsse, die sämtliche Randzeiten abdeckt, und dass das Kind da mitziehen müsse. Ihr Ausspruch während der Elternzeit, vor sich im Kinderwagen ein fünf Monate altes Baby: "Das Kind muss eben funktionieren. Dass ich mich beruflich verändere, ist keine Option."
Meine Bekannte hatte Glück: …

Piepsi hat eine Freundin

Bild
Piepsi hat eine Freundin. Sie heißt Matilda und ist zwei Jahre und ein paar Monate alt, also aus Piepsi-Sicht so richtig erwachsen. Ich habe keine Ahnung, wie die beiden miteinander kommunizieren, aber irgendwie tun sie es.
Wenn ich morgens meine Tochter in die Krippe bringe, dann schallt es schon von Weitem: "Piepsi! Piepsi!" Dann kommt ein kleines blondes Mädchen angehüpft, nimmt meine Tochter in den Arm, gibt ihr ein Küsschen, und dann setzen sich beide auf den Boden, gucken sich an und lachen sich schief. Ich würde am liebsten einen Stuhl daneben stellen, mich daneben setzen und losheulen, so niedlich ist das. Auch bei Matilda zu Hause ist Piepsi Gesprächsthema, wie mir ihre Mutter erzählt hat. Andersherum kann ich das nicht bestätigen, was wohl daran liegt, dass sich Piepsi abgesehen von Mama, Papa, Puppu, Buch, Tisch, aufräume, Mama arbeita und Wuff eher lautmalerisch verständlich macht. Dennoch scheint Matilda ihre allererste allerbeste Freundin zu sein, wobei ich we…

Mama arbeita

Bild
Während Piepsi optisch eher nach meinem Mann kommt, scheint sie sonst einiges von mir zu haben. Sie ist nämlich eine ziemliche Quasseltante. Sie labert und singt eigentlich den ganzen Tag, wobei ich nur etwa 5 Prozent ihres Verbalausstoßes auch inhaltlich zuordnen kann. Nun hat sie sogar schon ihren ersten Zwei-Wort-Satz von sich gegeben: "Mama arbaita." Aua.
Wenn Piepsi morgens mit meinem Mann frühstückt, bin ich nämlich meistens schon außer Haus. Dann zeigt sie auf meinen leeren Platz und fragt: "Mama?" Mein Mann erklärt dann immer, dass Mama arbeitet, und mittlerweile ist das Erste, was Piepsi in der Krippe zur allgemeinen Begrüßung von sich gibt, ein "Mama arbeita." Gottseidank tut sie das nicht traurig, sondern in einem munteren halbstündlichen Plappermonolog mit der Quintessenz, dass ich im Büro bin und sie deshalb in der Krippe ist. Offenbar ist sie stolz darauf, die Lage voll gecheckt zu haben.
Nun habe ich dieses Wochenende etwas ganz Außergewöh…

Meckermutti

Bild
So viel ist über #regrettinmotherhood geschrieben worden, dass ich zurückbleibe mit der Frage: Ja, wer zum Himmel bereut das denn nicht? Also zumindest manchmal, öfters, immer wieder? Welche Mutti, welcher Papi wünscht sich nicht eine Stopp-Taste, eine Pause-Funktion in diesem Familienirrsinn, wer sehnt sich nie nach seinem alten Leben zurück?
Ja, ich weiß - in der Studie ging es darum, die Mutterschaft rückgängig machen zu wollen, wenn es denn möglich wäre. Sie also nicht einfach als lästig zu empfinden, sondern tatsächlich zu bereuen. Dennoch: Eine Freundin von mir meinte kürzlich, dass sie genervt sei von diesen Muttis, die sich ständig darüber beklagen, wie anstrengend ihr Leben mit Kind doch sei. Und dass sie eigentlich auch nur solche kenne: Die, die jammern, die meckern, die darüber schimpfen, kaum noch auszugehen, zu wenig Zeit für Freunde und den Partner zu haben und sich nichts lieber wünschen als ein Wochenende alleine auf einer einsamen Insel zu verbringen. Und die schlim…

Verlosung: "Blogger schenken Lesefreude 2015" - mit Michael Mittermeier

Bild