Ich bin dann mal krank

An diesem Montag mein Arzt so zu mir: "Mutter Rabe, Sie haben einen grippalen Infekt. Ich schreibe Sie den Rest der Woche krank. Bitte legen Sie sich ins Bett und schonen Sie sich."
Und ich so: "Und was mach ich mit meiner kleinen Tochter?"
Und er so: "Zur Adoption freigeben?"
Ich so: "Da muss ich mich mal erkundigen."
Er so: "In welchem Alter ist sie noch einmal?"
Ich so: "Fast zwei Jahre alt."
Er so: "Na wunderbar. Dann kommt sie so langsam in das Alter, in dem sie versteht, dass Sie gerade etwas außer Gefecht gesetzt sind, so dass die Gelegenheit günstig ist, die Wohnung einmal so richtig auseinanderzunehmen."
Ihr seht: Ich sollte mir einen neuen Hausarzt suchen. Bekanntermaßen steht geschrieben, dass Eltern kein Recht haben, krank zu werden. Seit Piepsi die Krippe besucht und regelmäßig die Seuche nach Hause schleppt, lässt es sich aber nicht ganz vermeiden. Wobei ich diesmal richtig Glück hatte:

1. Piepsi ging diese Woche in die Krippe, war also ausnahmsweise mal nicht zur gleichen Zeit krank. Ergo hatte ich tatsächlich jeden Tag ein paar Stunden komplette Ruhe. So komplett, dass es mich schon richtig nervös gemacht hat. Dieses Sich-schonen habe ich in den letzten 22 Monaten irgendwie völlig verlernt. Früher hatte ich kein Problem damit, einen Tag lang nur faul auf dem Sofa zu liegen. Heute habe ich das Gefühl, jedes Zeitfenster irgendwie effektiv nutzen zu müssen.
2. Piepsi kann seit ein paar Tagen etwas völlig Neues: sich selbst beschäftigen. Ich weiß, dass mich jetzt viele Eltern dafür hassen werden, dass ich das hier schreibe - und womöglich wird mich der Bloggerfluch einholen, und meine Tochter wird ab sofort nur noch auf meinem Arm leben wollen, und das, bis sie volljährig ist. In den letzten Tagen habe ich es aber tatsächlich erlebt, dass die Kleine komplett damit zufrieden war, Puppe und Teddy zu bekochen, zu wickeln, ins Bett zu bringen und nach gefährlichen Stürzen zu trösten. Zudem hat sie stundenlang (ernsthaft) ihre Kastanien sortiert, ausgekippt und eingesammelt. Unterbrechungen durch so sinnlose Tätigkeiten wie Wickeln, Essen oder Ins-Bett-gehen wurden mit entsprechendem Gequengel quittiert. Doch abgesehen davon war es mir wirklich möglich, faul auf dem Sofa zu liegen und Piepsi dabei zuzusehen, wie sie unser Wohnzimmer in ein Wimmelbild verwandelte.

Manche Dinge werden mit der Zeit also doch etwas einfacher. Nicht mehr lange, und ich werde mir im Krankheitsfall ein kleines Glöckchen zulegen. Und jedes Mal, wenn ich bimmle, wird mir Piepsi heißen Tee, ein Clever & Smart-Comic oder Kekse bringen. Da bin ich mir ganz sicher. Nicht mehr lange.

Kommentare

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Hihihi. Das ist bei uns etwas anders. Mein Mann ist ordentlicher als ich...;)

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  2. Schrecklich, oder?
    Mich hat es ja auch gerade erwischt. Als vor zwei Wochen die Mandelentzündung so richtig heftig mit hohem Fieber und tierischen Kopfschmerzen zugeschlagen hat, musste mein Mann zwei Tage Überstundenfrei nehmen.
    Ich bin froh, dass das geht und immernoch wütend, dass es keine andere Lösung gibt. Ich betreue unsere Zweijährige noch komplett Zuhause, aber für kranke Mütter mit gesunden Kindern dürfen die Väter nicht Zuhause bleiben. Ich wünschte mir, dass man das regeln würde, denn das war sicherlich nicht das letzte Mal.
    P.S.: So einen Arzt möcht' ich auch ; )

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Im Ernst? Ich hatte mich während der Elternzeit mal erkundigt, was passieren würde, wenn ich mal richtig krank wäre - und da hätte meine Krankenkasse eine Haushaltshilfe besorgt.

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    2. Richtig krank bedeutet aber dann wirklich sehr heftig. Also entweder weil man im Krankenhaus liegt, mit Gipsbein zu Hause oder in eine Rehamaßnahme muss. Noch nicht einmal ständige Dialyse oder ambulante Chemotherapie gehören dazu um eine Haushaltshilfe zu bekommen. :(

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    3. Oh. Also mir reicht eine Magen-Darm-Grippe. Da bin ich schon komplett außer Gefecht gesetzt.

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